Mit Allegra forte ist nun eine 180-mg-Dosierung von Fexofenadin mit 15 Filmtabletten in Österreich erhältlich. Das Antihistaminikum wird zur symptomatischen Behandlung der chronischen idiopathischen Urtikaria bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren eingesetzt. Bisher waren rezeptfreie 120-mg-Tabletten vor allem zur Behandlung typischer Beschwerden einer allergischen Rhinitis verfügbar.
Bisher waren die 120-mg-Tabletten mit dem Wirkstoff Fexofenadin (Allegra) zu 10 oder 30 Stück rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Sie werden zur Behandlung typischer Symptome einer allergischen Rhinitis angewendet, etwa bei Allergien gegen Tierhaare, Hausstaubmilben oder Schimmelpilze. Die Einnahme erfolgt einmal täglich vor einer Mahlzeit.
Neu erhältlich sind nun, ebenfalls rezeptfrei, 180-mg-Tabletten (Allegra forte; Opella) zu 15 Stück. Diese werden bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zur symptomatischen Behandlung der chronischen idiopathischen Urtikaria eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein chronisches Nesselfieber unbekannter Ursache.
Antihistaminikum der 2. Generation
Der Wirkstoff Fexofenadin ist ein Antihistaminikum der 2. Generation. Da es die Blut-Hirn-Schranke kaum überwindet, tritt Müdigkeit unter der Einnahme nur gelegentlich auf. In Österreich ist der Wirkstoff bereits seit 1997 zugelassen. Pharmakologisch handelt es sich bei Fexofenadin um den aktiven Metaboliten von Terfenadin. Der Vorgängerwirkstoff wurde aufgrund der Verlängerung des QT-Intervalls sowie seiner Metabolisierung über CYP3A4 vom Markt genommen. Fexofenadin gilt hingegen als nicht kardiotoxisch und weist ein vergleichsweise geringes Interaktionspotenzial auf.
Die Wirkung setzt etwa nach einer Stunde ein, erreicht nach rund sechs Stunden ihr Maximum und hält aufgrund der langen Halbwertszeit bis zu 24 Stunden an. Fexofenadin wirkt als inverser und selektiver Antagonist am H1-Rezeptor. Dadurch werden Histaminwirkungen gehemmt und typische Beschwerden wie Juckreiz, Niesreiz, laufende Nase, Rötungen, Schwellungen oder tränende Augen gelindert.
Chronische idiopathische Urtikaria
Die Urtikaria ist eine Hauterkrankung, die sich durch vorübergehende Quaddeln, Juckreiz und Rötungen äußert und auch mit einem Angioödem einhergehen kann. Das Nesselfieber kann akut oder chronisch sowie spontan oder induziert auftreten. Als mögliche Auslöser gelten unter anderem Allergene, Wärme, Kälte, UV-Strahlung, mechanischer Druck, Infektionen, Nahrungsmittel, Arzneimittel oder Stress. Zu den schweren möglichen Komplikationen zählen die Anaphylaxie sowie eine Verengung der Atemwege.
In der deutschsprachigen Adaption der internationalen S3-Leitlinie „Therapie der Urtikaria – Teil 2“ wird darauf hingewiesen, dass „mehrere Studien den Nutzen des Einsatzes eines höher als standardmäßig dosierten H1-Antihistaminikum der 2. Generation (H1-AH-2G) bei Urtikaria-Patienten zeigen“. Zudem würden Studien den Einsatz von „Bilastin, Cetirizin, Desloratadin, Ebastin, Fexofenadin, Levocetirizin und Rupatadin in bis zu vierfacher Standarddosierung (off-label)“ unterstützen.
Gleichzeitig betont die Leitlinie: „Wir empfehlen die Anwendung eines modernen H1-AH-2G in Standarddosierung als symptomatische Behandlung der ersten Wahl bei einer Urtikaria.“ Eine Empfehlung für einen Wirkstoff der 2. Generation könne jedoch nicht ausgesprochen werden, da „bis dato gut konzipierte klinische Studien, welche die Wirksamkeit und Sicherheit aller modernen H1-AH-2G bei Urtikaria mit einander vergleichen, weitgehend fehlen.“
Neben- und Wechselwirkungen
Zu den häufigen Nebenwirkungen von Fexofenadin zählen Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Darüber hinaus können Überempfindlichkeitsreaktionen oder Müdigkeit auftreten. Aufgrund fehlender Daten wird die Anwendung in der Schwangerschaft nicht empfohlen. Da Fexofenadin zudem in die Muttermilch übergeht, sollte es auch während der Stillzeit nicht eingenommen werden.
Fexofenadin wird nicht über die Leber metabolisiert und weist daher nur wenige Wechselwirkungen über diesen Mechanismus auf. Der Wirkstoff ist jedoch ein Substrat des P-Glykoproteins (P-gp) sowie des Organo-Anion-Transporters (OATP). Bei gleichzeitiger Anwendung mit den P-gp-Inhibitoren Erythromycin oder Ketoconazol kann es zu erhöhten Plasmaspiegeln von Fexofenadin kommen. Auswirkungen auf das QT-Intervall oder ein vermehrtes Auftreten von Nebenwirkungen wurden dabei laut Fachinformation nicht beobachtet.
Auch P-gp-Induktoren können die Konzentration beeinflussen: In einer Interaktionsstudie führte Apalutamid zu einer verminderten Exposition gegenüber Fexofenadin. Keine Wechselwirkungen wurden hingegen mit Omeprazol beobachtet. Vorsicht gilt bei aluminium- oder magnesiumhaltigen Antazida: Diese können die Bioverfügbarkeit von Fexofenadin verringern. Zwischen der Einnahme von Fexofenadin und entsprechenden Antazida sollten daher mindestens zwei Stunden Abstand liegen.
