Österreich steckt in einer Konsumkrise, die sich auch in den Apotheken widerspiegelt. Die klassischen Apothekenprodukte verzeichnen Einbußen von bis zu 15 Prozent.
Die Erlöszuwächse in Österreichs Apotheken liegen seit einigen Jahren unter der Inflationsrate und schrumpfen weiter. Im ersten Quartal 2026 hat sich der Abwärtstrend dramatisch verschärft: Laut ApoLife sind die Erlöse erstmals auch in absoluten Zahlen gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gesunken. Berechnungsbasis sind die kumulierten Umsätze der 117 ApoLife Apotheken in ganz Österreich, welche die repräsentativste greifbare Auswertung in der Branche darstellen.
In den ersten drei Monaten erzielten diese Apotheken gemeinsam um 1,53 Prozent weniger realen Umsatz, während Personal- und Sachkosten – vor allem für Mieten und Energie – weiter steigen.
Umsatz bei Erkältungsmitteln eingebrochen
Husten- und Erkältungsmittel sind traditionell die umsatzstärkste Produktgruppe in den Apotheken. Das Ausbleiben von Erkältungswellen hat jedoch die Umsätze im 1. Quartal um 7,5 Prozent einbrechen lassen. Weil die Verluste nicht wie in vergangenen Jahren durch Zuwächse in anderen Produktgruppen ausgelichen lassen, verschärft sich die Lage. Beispielsweise verzeichnen auch Schmerz- und Rheumamittel, Mittel für Blase und Fortpflanzungsorgane oder Beruhigungsmittel sinkende absolute Umsätze.
Besonders dramatisch war der Rückgang bei Tonika, einem klassischen Apothekenprodukt, das traditionell in den Top 10 der Umsatzbringer liegt: Bei diesen gingen die Umsätze gleich um 15 Prozent zurück, womit sich auch hier ein langjähriger Trend zuungunsten der Ertragssituation weiter beschleunigt.
Von 16 Produktkategorien gibt es nur bei acht einen leichten nominellen Zuwachs, der jedoch bei vier dieser acht Produktgruppen unter der Inflation liegt. Nennenswert war der Zuwachs lediglich in der Gruppe Vitamine/Mineralstoffe/Nahrungsergänzungsmittel mit 7,1 Prozent – der einzige verbliebene Lichtblick in der gesamten Umsatzstatistik.
„Auf Basis der Entwicklung in den letzten Jahren haben wir realistischerweise nicht mit einer Trendumkehr gerechnet. Die aktuellen Zahlen zeigen aber, dass die Entwicklung immer mehr an die Substanz der Apotheken geht. Sinkende Erträge und steigende Kosten lassen sich nicht wirtschaftlich auf einen Nenner bringen. Ich fürchte, wir werden weitere Auswirkungen dieser Schere sehr bald deutlich vor Augen geführt bekommen“, so Mag. Martin R. Geisler, Generalsekretär der ApoLife Apothekengruppe.
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