Rattengift: Erneuter Rückruf von Babynahrung


Viktoria Anderle

Symbolbild: Babygläschen mit orangem Inhalt und einem Löffel voll Nahrung darauf. Daneben liegt ein Schnuller.
Die Bevölkerung wird um erhöhte Aufmerksamkeit und rasche Meldung verdächtiger Wahrnehmungen gebeten. Eine:n Verdächtige:n gibt es derzeit nicht.PhotographyByMK/AdobeStock_60339330

Vereinzelte HiPP Babykostgläschen wurden laut Polizeiaussagen in Österreich, Tschechien und der Slowakei von Unbekannten mit Rattengift manipuliert. Der Handel ruft daher vorsorglich in Österreich die „Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel“ zurück. Ein Verzehr kann für Kinder lebensgefährlich sein kann. Apotheken sind nicht betroffen.

Am vergangenen Samstag warnt die Polizei Burgenland in einer Presseaussendung eindringlich vor möglicherweise vergifteter Babynahrung der Marke HiPP, die in Österreich im Umlauf sein könnte. Hintergrund sind Ermittlungen in Deutschland, die die österreichischen Behörden auf verdächtige Babykostgläschen im Raum Eisenstadt aufmerksam gemacht haben. Es handelt sich wohl um einen Erpressungsfall gegen die deutsche Firma HiPP.

In Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) wurde inzwischen ein offensichtlich manipuliertes Hipp-Glas der Sorte „Karotten mit Kartoffeln“ in der 190-Gramm-Packung sichergestellt. Dieses Gläschen war von einem Kunden gemeldet worden, ein Verzehr hat nicht stattgefunden“, hieß es seitens der Polizei.

Fälle auch in Tschechien und der Slowakei

Am Samstag testete das Bundeskriminalamt eine Probe des erwähnten Produkts aus dem Burgenland positiv auf Rattengift. Auch in Tschechien und der Slowakei wurden bereits markierte Gläser polizeilich sichergestellt, heißt es in der Aussendung. Erste Laboruntersuchungen ergaben dort einen giftigen Zusatzstoff. Zudem wird berichtet, dass manipulierte Gläser verdorben riechen könnten.

Die weiteren Ermittlungen werden derzeit vom Landeskriminalamt Burgenland gemeinsam mit dem Bundeskriminalamt geführt. Die Behörden ersuchen die Bevölkerung um besondere Aufmerksamkeit und darum, verdächtige Wahrnehmungen rasch zu melden.

Weißer Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden

Verdächtige Produkte sollen laut aktuellem Ermittlungsstand an mehreren Merkmalen erkennbar sein: einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden, einem bereits geöffneten oder beschädigten Deckel, einem fehlenden Sicherheitsverschluss beziehungsweise fehlendem „Knack-Geräusch“ beim ersten Öffnen sowie einem ungewöhnlichen oder verdorbenen Geruch.

Rattengift beigemengt

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erklärt, dass Rattengifte unterschiedliche Wirkstoffe mit entsprechend unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen enthalten. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff ist Bromadiolon, ein Vitamin K Antagonist. Dieser hemmt die Wirkung von Vitamin K. Dieses ist für die Blutgerinnung essenziell. Infolge dessen kann es zu einer verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen.

Zu den möglichen Symptomen zählen unter anderem Blutungen Zahnfleischbluten, Nasenbluten, Hämatome (blaue Flecken) und Blut im Stuhl. 

Die AGES warnt: Die Symptome treten verzögert erst 2 bis 5 Tage nach der Einnahme auf.

Bei auftretenden Blutungen, extremer Schwäche oder Blässe soll unbedingt eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden. Bei entsprechender ärztlicher Behandlung ist die Vergiftung gut behandelbar. Als Antidot wird Vitamin K (Phytomenadion, Vitamin K1) verwendet.

Nicht öffnen, Polizei verständigen

Eltern und Betreuungspersonen werden dringend aufgefordert, Produkte mit dieser Kennzeichnung nicht zu öffnen, keinesfalls zu verzehren und auch keinem Kleinkind zum Verzehr zu geben. Das Glas soll abseits von Lebensmitteln aufbewahrt werden, nach Möglichkeit mit Handschuhen angefasst werden. Danach sind die Hände sofort gründlich mit Seife zu waschen, mindestens 30 Sekunden lang, und zwar vor jedem weiteren Kontakt mit anderen Personen, insbesondere Kindern.

Rückrufaktion in Supermärkten

Spar Österreich hat vorsorglich das gesamte HiPP-Babykostgläser-Sortiment aus dem Verkauf genommen. Kundinnen und Kunden werden gebeten, bei Spar, Eurospar, Interspar oder Maximarkt gekaufte HiPP-Gläser nicht zu konsumieren und zurückzugeben. Der Kaufpreis wird laut Spar auch ohne Kassenbon rückerstattet. Auch die Drogeriemarktkette DM nimmt am am Montag in Österreich die betroffenen Produkte vorsorglich aus dem Verkauf.

AGES/ APAMED/ PRESSEAUSSENDUNG POLIZEI BURGENLAND



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