Kombination aus Alginat und Carbonat bei Sodbrennen


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Person mit einer schematischen Darstellung von Magen und Speiseröhre als Symbol für Sodbrennen.
Alginate bilden eine Schutzbarriere auf den Mageninhalt, während Carbonate überschüssige Magensäure neutralisieren.Foto:stock.adobe.com/Orawan

Sodbrennen entsteht nicht nur, weil Magensäure vorhanden ist, sondern weil Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt. Genau an diesem Punkt setzen Alginate an: Sie bilden eine schwimmende Barriere auf den Mageninhalt. Gaviscon Dual kombiniert diesen mechanischen Effekt mit säureneutralisierenden Bestandteilen und ist in Österreich nun auch als vorportioniertes 10-ml-Sachet erhältlich.

Der zentrale Wirkstoff ist Natriumalginat. Es wird aus Braunalgen gewonnen und reagiert im Magen mit der sauren Umgebung. Dabei entsteht eine gelartige Schicht, die sich auf den Mageninhalt legt. Diese sogenannte „Raft“-Barriere soll verhindern, dass saure Mageninhalt in Richtung Speiseröhre aufsteigt.

Alginat bildet eine Barriere

Dass dieser Mechanismus funktioniert, wurde auch unabhängig vom reinen Wirkversprechen untersucht. Eine in Alimentary Pharmacology and Therapeutics veröffentlichte randomisierte Studie nutzte unter anderem MRT und pH-Impedanzmessungen. Dabei zeigte sich, dass ein alginathaltiges Präparat nach einer Mahlzeit eine schwimmende Schicht im oberen Magenbereich bilden und Refluxereignisse reduzieren kann.

Eine weitere Untersuchung, veröffentlicht in Clinical Gastroenterology and Hepatology zeigte, dass sich ein Alginat-Antazid-Präparat gezielt im Bereich des sogenannten „acid pocket“ anlagern kann. Dabei handelt es sich um eine besonders saure Flüssigkeitsschicht, die sich nach dem Essen oberhalb des Speisebreis bilden und um postprandialen Reflus beitragen kann.

Drei Wirkstoffe mit unterschiedlichen Aufgaben

Ein 10-ml-Sachet enthält laut Hersteller 500 mg Natriumalginat, 213 mg Natriumbicarbonat und 325 mg Calicumcarbonat. Während Alginat vor allem meachnisch gegen den Rückfluss arbeitet, neutralisieren Natriumbicarbonat und Calicumcarbonat einen Teil der vorhandenen Magensäure. Damit verbindet das Präparat zwei Wirkprinzipien: Reflux soll durch die Barriere erschwert und gleichzeitig die Säure im Magen teilweise abgepuffert werden.

Das unterscheidet Alginate von klassischen Antazida. Diese enthalten beispielsweise Carbonate oder Hydroxide und wirken in erster Linie über die Neutralisation von Magensäure. Sie verändern damit deren Säuregrad, verhindern den eigentlichen Rückfluss jedoch nicht auf dieselbe Weise. Auch Protonenpumpenhemmer (PPI) wie Pantoprazol oder Omeprazol funktionieren grundsätzlich anders. Sie hemmen die Säureproduktion in den Belegzellen des Magens und sind insbesondere bei häufigeren beziehungsweise länger anhaltenden Refluxbeschwerden relevant. Alginat wirkt dagegen lokal im Magen und greift nicht direkt in die Säureproduktion ein.

Abhängig von Beschwerden

Die unterschiedlichen Wirkmechanismen bedeuten daher nicht, dass ein Alginat grundsätzlich „besser“ ist. Entscheidend ist, welche Beschwerden vorliegen und wie häufig sie auftreten. Interessant ist die Kombination bei Patient:innen, die trotz PPI weiterhin Refluxbeschwerden haben. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 136 Patient:innen verbesserte ein zusätzlich eingesetztes Alginatpräparat die Refluxsymptome stärker als Placebo. Auch größere Untersuchungen beschäftigten sich mit Alginate-Antazida als Zusatz zu bestehender PPI-Therapie.

Das macht den mechanischen Ansatz vor allem dort interessant, wo nicht allein die Säuremenge das Problem darstellt, sondern weiterhin Mageninhalt nach oben gelangt.

Wann Sodbrennen abgeklärt werden sollte

Für gelegentliche Beschwerden nach einer üppigen Mahlzeit kann eine symptomatische Behandlung ausreichen. Wiederkehrendes Sodbrennen sollte dagegen nicht dauerhaft nur selbst behandelt werden. Hinter häufigem Brennen und saurem Aufstoßen kann eine gastroösophageale Refluxkrankheit stehen. Besonders bei Schluckbeschwerden, ungewolltem Gewichtsverlust, Blut im Erbrochenen oder schwarzer Stuhl sowie neu auftretenden starken Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung notwendig. Auch wenn rezeptfreie Mittel regelmäßig benötigt werden oder die Symptome trotz Behandlung bestehen bleiben, sollte die Ursache geklärt werden.



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