Steigende Temperaturen und veränderte Umweltbedingungen machen sich zunehmend auch auf der Haut bemerkbar. Hitzeausschläge, chronisch entzündliche Hauterkrankungen und Infektionen könnten durch den Klimawandel häufiger auftreten. Eine internationale Untersuchung mit Daten aus 136 Ländern zeigt, dass die Auswirkungen bereits vielerorts spürbar sind. Besonders betroffen sind dabei wirtschaftlich schwächere Staaten.
Der Klimawandel wirkt sich nicht nur auf die Umwelt, sondern auch auf die menschliche Gesundheit aus. Welche Folgen die steigenden Temperaturen für die Haut haben, untersuchte ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Tebyan Khalfalla vom Massachusetts General Hospital in Boston. Die Ergebnisse wurden Ende September beim Kongress der Europäischen Akademie für Dermatologie und Venerologie (EADV) in Wien vorgestellt.
Für die Untersuchung wurden Daten aus insgesamt 136 Ländern erhoben. Davon gehörten 13 Prozent zur Gruppe der einkommensschwächsten Staaten, 29 Prozent zur unteren mittleren Einkommensgruppe und 25 Prozent zur oberen mittleren Einkommensgruppe. Die verbleibenden 33 Prozent entfielen auf Länder mit hohem Einkommen.
Mehr Hautausschläge und Entzündungen
In 58 der untersuchten Länder, also rund 47 Prozent, berichteten dermatologische Fachgesellschaften bereits von Veränderungen bei der Häufigkeit oder Schwere von Hauterkrankungen, die mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht wurden.
Besonders häufig wurden Hitzeausschläge genannt. In 81 Prozent dieser 58 Länder beobachteten die Befragten eine Zunahme entsprechender Hautreaktionen. Weitere 75,9 Prozent berichteten von Veränderungen bei chronisch entzündlichen Hauterkrankungen, darunter beispielsweise Neurodermitis.
Auch Infektionen scheinen zunehmend eine Rolle zu spielen. So meldeten 62,1 Prozent der betroffenen Länder Veränderungen bei infektiösen Hauterkrankungen. In der Hälfte wurden zudem Auswirkungen auf Erkrankungen beobachtet, die durch Vektoren wie Zecken oder Stechmücken übertragen werden. Dazu zählt beispielsweise die Lyme-Borreliose.
Große regionale Unterschiede
Die Auswirkungen des Klimawandels auf die Hautgesundheit werden weltweit unterschiedlich stark wahrgenommen. Am häufigsten berichteten Länder der Westpazifikregion von entsprechenden Veränderungen. Dort lag der Anteil bei 64,7 Prozent. In der östlichen Mittelmeerregion und in Südostasien waren es jeweils 60 Prozent.
Deutlich niedriger fiel der Anteil in Europa aus. Hier meldeten lediglich 16,1 Prozent der teilnehmenden Länder klimabedingte Veränderungen bei Hauterkrankungen.
Besonders auffällig war der Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation. Während 55,6 Prozent der einkommensschwächsten Länder entsprechende Veränderungen beobachteten, waren es in der Gruppe der wohlhabenden Staaten lediglich 28,3 Prozent. Damit könnten ausgerechnet jene Länder besonders stark von den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels betroffen sein, die vergleichsweise wenig zu den weltweiten Treibhausgasemissionen beitragen.
Hautgesundheit stärker berücksichtigen
Die Ergebnisse verdeutlichen nach Ansicht der Forschenden, dass die Hautgesundheit bei der Anpassung an den Klimawandel stärker berücksichtigt werden sollte. Allerdings beruhen die Daten auf den Einschätzungen der befragten Fachgesellschaften. Ein unmittelbarer ursächlicher Zusammenhang zwischen einzelnen Hauterkrankungen und dem Klimawandel lässt sich daraus nicht für jeden Fall ableiten.
Die Untersuchung „The global impact of climate change on dermatological disease: International results from 136 countries participating in the SkinObservatory study“ wurde beim EADV-Kongress in Wien präsentiert.
APA
