Ein eingeschränkter Geruchssinn könnte mehr über die Gesundheit verraten als bisher angenommen. Eine aktuelle Kohortenstudie zeigt, dass ältere Menschen mit schlechterer Riechfähigkeit häufiger körperliche Einschränkungen aufweisen und im Zeitverlauf schneller abbauen. Die Wissenschafter sehen darin einen möglichen Marker für altersbedingte Abbauprozesse.
Der Geruchssinn spielt bei Vorsorgeuntersuchungen bislang meist nur eine untergeordnete Rolle. Eine aktuelle Kohortenstudie deutet jedoch darauf hin, dass Veränderungen der Riechfähigkeit eng mit der körperlichen Gesundheit älterer Menschen zusammenhängen könnten.
Bereits frühere Querschnitts- und Langzeitstudien hatten Hinweise darauf geliefert, dass eingeschränktes Riechvermögen mit einer schlechteren Mobilität zusammenhängt. Zusätzlich zeigten mehrere Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen einer reduzierten Fähigkeit zur Geruchserkennung und einem erhöhten Sterberisiko.
Daten von mehr als 5400 Personen analysiert
Für die aktuelle Analyse wurden Daten der Atherosclerosis-Risk-in-Communities-Studie (ARIC) ausgewertet. Einbezogen wurden 5474 Personen ab 65 Jahren aus den Untersuchungsterminen der Jahre 2011 bis 2019. Das durchschnittliche Alter lag bei 75,3 Jahren, etwa 58 Prozent der Teilnehmer:innen waren Frauen.
Zur Beurteilung der körperlichen Funktionen kamen mehrere etablierte Tests zum Einsatz. Dazu zählten die Short Physical Performance Battery (SPPB), Gleichgewichtstests, ein Vier-Meter-Gehtest, ein Stuhl-Aufsteh-Test sowie die Messung von Gehgeschwindigkeit und Griffkraft.
Das Riechvermögen wurde mit dem „Sniffin’-Sticks“-Identifikationstest untersucht. Dabei wurden die Teilnehmer je nach Ergebnis in gutes, mäßiges oder schlechtes Riechvermögen eingeteilt.
Schlechtere Werte bei körperlichen Funktionen
Personen mit mäßigem oder schlechtem Geruchssinn erreichten niedrigere Werte bei den körperlichen Funktionstests als Teilnehmer mit gutem Riechvermögen. Besonders deutlich zeigte sich dies beim SPPB-Score.
Auch im zeitlichen Verlauf schnitten Personen mit eingeschränktem Geruchssinn schlechter ab: Ihre körperlichen Funktionen nahmen schneller ab als bei Teilnehmern mit guter Riechfähigkeit. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich auch bei Untertests zu Gleichgewicht, Gehgeschwindigkeit und Griffkraft.
Möglicher Marker für Abbau
Die Studienautor:innen sehen Störungen der Geruchswahrnehmung deshalb als möglichen empfindlichen Marker für altersbedingte Abbauprozesse. Die regelmäßige Erfassung des Riechvermögens könnte künftig helfen, besonders gefährdete Personen frühzeitig zu identifizieren. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, welche physiologische Prozesse hinter dem Zusammenhang zwischen eingeschränkter Riechfähigkeit und körperlichem Funktionsverlust stehen.
Die Studie erschien unter dem Namen „Dysfunction in Olfactory Identification and Physical Function Decline in Older Adults“ im Fachjournal „JAMA Otolaryngology–Head & Neck Surgery“.
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