Diabetes gehört zu den Volkskrankheiten. Neben einer medikamentösen Behandlung sowie einer Anpassung des Lebensstils greifen viele Betroffene bei Diabetes auf Nahrungsergänzungsmittel (NEM) zurück – zu Recht? Welche Mikronährstoffe sind sinnvoll und welche nicht?
Jährlich erkranken bundesweit bis zu eine halbe Million Menschen neu an Diabetes. Vor allem Typ 2-Diabetes ist dabei weit verbreitet. Behandelt wird mit verschiedenen Antidiabetika. Zur Unterstützung der Therapie setzen viele Patient:innen zusätzlich auf die Einnahme von NEM mit verschiedenen Vitaminen und/oder Mineralstoffen wie Magnesium, Zink und Co. Doch welchen Effekt hat die Supplementierung tatsächlich und ergeben sich womöglich mehr Risiken als Nutzen? Unter dem Motto „Tablette statt Tomate? – Nahrungsergänzungsmittel sind häufig unnötig, manchmal riskant“ klärt der Verband der Diabetes-Beratungs- & Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) aktuell auf.
Vitamin B12, Magnesium nur bei Mangel
Generell gilt: „Für Menschen mit Diabetes ist eine gezielte Nährstoffversorgung wichtig, da ihr veränderter Stoffwechsel das Risiko für eine Unterversorgung bestimmter Vitamine und Spurenelemente erhöht“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung des Verbands. Doch nur bei einem tatsächlichen Mangel sei eine Supplementierung sinnvoll. Liegt ein solches Defizit nicht vor, seien viele Präparate überflüssig oder sogar gefährlich, nämlich bei zu hoher Dosierung.
Doch mitunter können Menschen mit Diabetes auch von NEM profitieren. Das gilt beispielsweise für die Einnahme von Vitamin B12. Denn bekanntlich wird dessen Aufnahme durch Metformin beeinträchtigt, weshalb unter einer Therapie der Vitamin B12-Spiegel regelmäßig überprüft und bei Bedarf eine Supplementierung erfolgen sollte. Denn ein Mangel könne ebenso wie ein Folsäure-Defizit zu Nervenstörungen führen, die sich durch Kribbeln oder Taubheitsgefühle äußern, so der VDBD weiter.
Die Einnahme von Präparaten mit Magnesium, Zink, Calcium und/oder Vitamin D ist laut den Expert:innen ebenfalls nur bei einem Mangel sinnvoll. Demnach haben zwar alle dieser Mikronährstoffe einen wichtigen Einfluss auf die Produktion, Ausschüttung und Wirkung von sowie die Sensitivität gegenüber Insulin. Doch in der Regel sei die Versorgung über eine ausgewogene Ernährung bereits sichergestellt und es gelte, einen Überschuss zu vermeiden. Denn dieser könnte im Fall von Magnesium beispielsweise zu Durchfall führen, bei Vitamin D dagegen auf Dauer zu einer Entkalkung der Knochen und zu schädlichen Calciumeinlagerungen in Gefäßen und Organen.
Diabetes: NEM sinnvoll?
Vorsichtige Entwarnung geben die Expert:innen dagegen bei Vitamin C-Präparaten. Zwar gelte auch hier, dass ein Mangel nur selten auftritt, doch eine Supplementierung gelte als risikoarm. Dem antioxidativen Vitamin kommt vor allem bei Diabetes eine wichtige Bedeutung als Gefäßschutz zu. Kommt es durch die Einnahme zu einem Überschuss, könne dieser über den Urin wieder ausgeschieden werden.
Und auch Omega-3-Fettsäuren sind laut dem VDBD essentiell, da sie das bei Diabetes oftmals erhöhte Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken und entzündungshemmend wirken können. Von einer Einnahme von Präparaten mit Fisch- oder Algenöl würden Diabetiker:innen demnach besonders profitieren.
Diabetes: Finger weg von Selbsttests?
Die Expert:innen warnen jedoch explizit vor der Einnahme von online als „Blutzucker-Regulatoren“ angepriesenen NEM. „Die Wirksamkeit vieler dieser Präparate ist wissenschaftlich nicht belegt – und manche sind sogar in einzelnen Bestandteilen überdosiert oder enthalten problematische Zusatzstoffe“, heißt es.
Oftmals unseriöse Anbieter würden jedoch versuchen, chronisch erkrankte Menschen mit gefälschten Empfehlungen oder irreführender Werbung sowie unrealistischen Heilversprechen zu locken, um ihnen meist hochpreisige Präparate im Abo-Modell zu verkaufen. Daher ist Vorsicht geboten. Das gilt auch für sogenannte Selbsttests zur Nährstoffbestimmung. Denn ein einzelner Laborwert sei in der Regel nur wenig aussagekräftig und es bedürfe stattdessen einer ärztlichen Einordnung.
Generell appellieren die Expert:innen an Patient:innen mit Diabetes, statt auf NEM eher auf ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung zu setzen. Dies sei meist effektiver als jede Pille. „Es ist davon abzuraten, einen Blumenstrauß an Vitaminen und Mineralstoffen zu sich nehmen“ – erst recht als vermeintliche Ersatztherapie für eine medikamentöse Diabetes-Behandlung.
