Herzstillstand nach Oxymetazolin-Überdosis


Nadine Tröbitscher

Nasenspray
Die übermäßige Aktivierung von α-adrenergen Rezeptoren durch Oxymetazolin dürfte einen massiven Koronarspasmus verursacht haben.Foto: Аркадий Коробка/stock.adobe.com

Abschwellende Nasensprays gehören zu den Mitteln der Wahl, um verstopfte Nasen zu befreien. Doch bei der Anwendung ist Vorsicht geboten. Stichwort Abhängigkeit. Damit nicht genug. So kann eine Oxymetazolin-Überdosis zum Herzstillstand führen, zeigt ein Fallbericht.

Was war passiert? Ein ansonsten gesunder 27-jähriger Mann musste nach einem plötzlichen Zusammenbruch mitsamt Kammerflimmern und Herzstillstand mehrfach reanimiert und mit Adrenalin behandelt werden. Vermutet wurde zunächst ein akutes Koronarsyndrom, doch das Herz zeigte keine Engstellen, Thrombosen oder Anzeichen für Atherosklerose.

Wie sich im weiteren Verlauf der Untersuchung herausstellte, war der Zusammenbruch offenbar auf ein Erkältungsmittel zurückzuführen. Genau hatte der Mann aufgrund grippeähnlicher Symptome, vor allem wegen einer stark verstopften Nase, ein Oxymetazolin-haltiges Nasenspray angewendet. Dabei kam es zu einer Überdosierung, weil sich der Patient vor dem Zwischenfall innerhalb von zwei Stunden insgesamt zehnmal das Spray verabreichte. Anschließend klagte er über starke Brustschmerzen, Atemnot und es kam zum Kollaps mit Bewusstlosigkeit.

Oxymetazolin gehört zu den Sympathomimetika und lässt die Nasenschleimhäute abschwellen. Zudem besitzt der Wirkstoff gefäßverengende, entzündungshemmende und antivirale Eigenschaften. Durch eine agonistische Wirkung auf die Alpha-Adrenozeptoren wird die Nasenatmung erleichtert und die Sekretion vermindert. Aber auch Beta-Rezeptoren werden stimuliert. Die Folge: ein gefäßerweiternder Effekt. Die abschwellende Wirkung überwiegt zwar, die gefäßerweiternde hält aber länger an.

Oxymetazolin-Überdosis führte zum Herzstillstand

Der Grund: Die übermäßige Aktivierung von α-adrenergen Rezeptoren durch Oxymetazolin dürfte einen massiven Koronarspasmus verursacht haben, so die Ärzt:innen. Denn ihnen zufolge enthielt das genutzte Präparat pro Sprühstoß etwa 25 bis 50 Mikrogramm Oxymetazolin. In normaler Dosierung sei die systemische Aufnahme des Wirkstoffs minimal. Doch durch die zehnmalige Verabreichung kam es zu einer geschätzten Gesamtdosis von 250 bis 500 Mikrogramm. „Bei Überdosierung kann die Substanz systemische Effekte hervorrufen – darunter generalisierte Vasokonstriktion, schwere Hypertonie, Arrhythmien und in seltenen Fällen sogar einen Myokardinfarkt“, heißt es im Fallbericht.

Der Patient wurde in der Folge symptomatisch behandelt und innerhalb von drei Wochen besserte sich sein Zustand. Zwar konnte der Zusammenhang nicht eindeutig bestätigt werden, weil die genaue Oxymetazolin-Dosis nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Allerdings würden sowohl der zeitliche Zusammenhang als auch die pharmakologische Plausibilität für die Oxymetazolin-Überdosis als Ursache sprechen.

Wie die Mediziner:innen berichten, seien entsprechende Fälle sehr selten. Dennoch sollten Patient:innen entsprechend sensibilisiert und insbesondere Personen mit akutem Koronarsyndrom gezielt nach der Anwendung von Sympathomimetika gefragt werden.



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