Schritt für Schritt gesünder: Gehen als wirksamste Bewegungsform


Viktoria Gamsjäger

Symbolbild: Orange Senkers und Frauenbeine stehen auf einem Stein.
Sportliche Vielfalt trägt unabhängig vom gesamten Zeitaufwand der Teilnehmenden zur Lebenserwartung bei, heißt es in der Studie.bilanol/AdobeStock_481476611

Regelmäßige intensive körperliche Aktivität senkt die Gesamtsterblichkeit um knapp 20 Prozent. Unter den einzelnen Bewegungsformen zeigt insbesondere Gehen mit einer Reduktion von rund 17 Prozent einen deutlichen Effekt. Zudem gilt: Je vielfältiger die sportliche Betätigung, desto größer der gesundheitliche Nutzen. Grundlage sind neue Auswertungen mehrerer international renommierter US-amerikanischer Langzeitstudien.

Regelmäßige körperliche Aktivität war mit einer geringeren Sterblichkeit verbunden. Die Vielfalt der körperlichen Aktivität korrelierte negativ mit der Sterblichkeit, unabhängig vom gesamten Aktivitätsniveau. Insgesamt stützen diese Daten die Annahme, dass langfristige körperliche Aktivität in verschiedenen Formen die Lebenserwartung verlängern kann“, schrieb das Forschungsteam der Harvard Medical School.

Daten von rund 111.000 Proband:innen

Sie haben die Informationen aus den in Medizin-Fachkreisen neben der sogenannten Framingham-Studie bekanntesten epidemiologischen Untersuchungen verwendet: Aus der Nurses’ Health Study (1986 bis 2018) und aus der Health Professionals Follow-Up-Study (1986 bis 2020). Die insgesamt rund 111.000 Proband:innen waren entweder amerikanische Krankenschwestern oder Ärzte oder andere männliche Angehörige von Gesundheitsberufen. Das hat jahrzehntelang auch die verlässliche Beteiligung der Probanden garantiert. Alle Teilnehmer waren zu Beginn der Untersuchung frei von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, litten nicht an Krebs, Atemwegs- oder neurologischen Erkrankungen. Die körperliche Aktivität wurde zu Beginn und dann alle zwei Jahre erhoben.

Gehen am effektivsten

Das wichtigste Ergebnis: De facto jeglicher Sport senkte die Sterblichkeit der Probanden. Im Verlauf von 2,431.318 Personenjahren wurden 38.847 Todesfälle registriert, davon 9.901 aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 10.719 aufgrund von Krebs und 3.159 aufgrund von Atemwegserkrankungen. Körperliche Aktivität insgesamt und die meisten einzelnen körperlichen Aktivitäten, mit Ausnahme von Schwimmen, waren mit einer geringeren Mortalität assoziiert“, schrieben die Wissenschafter.

So reduzierte sich die Sterblichkeit der 20-Prozent-Gruppe mit dem größten sportlichen Engagement im Vergleich zu den 20 Prozent mit dem geringsten durch regelmäßiges Gehen um 17 Prozent. Langsames Laufen war mit einer Verringerung der Mortalität um 11 Prozent verbunden. Schnelleres Laufen schlug mit einem Minus von 13 Prozent zu Buche, Radfahren verringerte die Sterblichkeit um 4 Prozent, Tennis oder Squash um 15 Prozent, Stiegensteigen um 10 Prozent, Rudern oder Gymnastik um 14 Prozent und Krafttraining um 13 Prozent. Nur Schwimmen hatte statistisch keinen signifikant positiven Einfluss auf die Sterblichkeit.

Mehr verschiedene Arten an körperlicher Betätigung ist mit einem größeren positiven Effekt verbunden. Nach Berücksichtigung des Gesamtaktivitätsniveaus wiesen die Teilnehmer der Gruppe mit der höchsten Vielfalt an körperlicher Aktivität im Vergleich zur Gruppe mit der niedrigsten Vielfalt eine um 19 Prozent niedrigere Gesamtmortalität und eine um 13 bis 41 Prozent niedrigere Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Atemwegserkrankungen und anderen Ursachen auf“, schrieben die Wissenschafter:innen.

Dieser Zusammenhang zwischen einer hohen Anzahl an Sportarten und einem geringeren Risiko für vorzeitigen Tod zeigte sich in jedem Aktivitätsniveau. Anders ausgedrückt: Sportliche Vielfalt trug unabhängig vom gesamten Zeitaufwand der Teilnehmer zur Lebenserwartung bei“, hieß es dazu in einer Aussendung der Harvard Medical School.

Verschiedene Sportarten bringen Vorteile

Den Studienautoren zufolge deuteten schon mehrere Untersuchungen zuvor darauf hin, dass die Kombination aus Ausdauertraining und Krafttraining die körperliche Funktionsfähigkeit wirksamer verbessert als jede dieser Trainingsformen für sich allein. Ihnen zufolge liefern ihre Studienergebnisse darauf aufbauend einen praktischen Nutzen für alle, die ihre Lebenserwartung verlängern möchten. Menschen wählen im Laufe der Zeit naturgemäß unterschiedliche Aktivitäten, je nach ihren Vorlieben und ihrem Gesundheitszustand. Bei der Entscheidung, wie man Sport treibt, sollte man bedenken, dass die Ausübung mehrerer Arten von körperlicher Aktivität zusätzliche gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann, anstatt sich nur auf eine einzige Art zu verlassen“, sagte der für die wissenschaftliche Arbeit federführende Autor Yang Hu.

Interessant ist eine Grafik in der wissenschaftlichen Arbeit, welche die Verringerung des Sterberisikos nach Todesursachen aufzeigt: So reduzieren sich die Todesfälle durch Atemwegserkrankungen sehr schnell und am stärksten um etwas mehr als 50 Prozent. An zweiter Stelle folgen die Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit rund minus 30 Prozent.

Limitationen

Die Autor:innen weisen in ihrem Paper auf mehrere zentrale Limitationen hin. So beruhen die Daten zur körperlichen Aktivität auf der eigenen Aufzeichnung der Teilnehmer:innen (self-reported), was mit Messungenauigkeiten verbunden sein kann. Zudem wurden nicht alle Formen körperlicher Aktivität konsistent über beide Kohorten hinweg erhoben, wodurch die Vergleichbarkeit einzelner Analysen eingeschränkt sein könnte. Schließlich betonen die Forschenden, dass trotz prospektivem Studiendesign eine umgekehrte Kausalität nicht vollständig ausgeschlossen werden kann, insbesondere bei Erkrankungen mit schleichendem Verlauf, die das Aktivitätsniveau bereits vor der Diagnose beeinflussen könnten. Zudem merken die Autor:innen an, dass die Kohorten geschlechtsspezifisch zusammengesetzt waren und überwiegend weiße Angehörige von Gesundheitsberufen umfassten, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Bevölkerungsgruppen einschränken könnte.

Die Studie wurde von Wissenschaftler:innen der T. H. Chan School für Öffentliche Gesundheit der Harvard Medical School in Boston (USA) im British Medical Journal (BMJ) veröffentlicht.

APAMED/ BMJ



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