Umfrage: Ein Viertel will sich in Apotheke impfen lassen


Nadine Tröbitscher

Frau, die geimpft wird
Hauptzielrichtung der RSV-Impfung ist sowohl für Säuglinge als auch für Senioren die Verhinderung schwerer Lungenprobleme. Foto: Christian/stock.adobe.com

„Ist ein Leben ohne Impfungen vorstellbar – eigentlich nein“, so Mag. A Renée Gallo-Daniel, Generalsekretärin des Österreichischen Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH), bei der heutigen Pressekonferenz. Impfungen verhindern jährlich 3,5 bis 5 Millionen Todesfälle beispielsweise aufgrund von Keuchhusten, Diphtherie und Influenza. „Impfungen können mithelfen, die Lebensdauer zu verlängern und den Gesundheitszustand zu verbessern“, so Gallo-Daniel. Essenziell ist das Erreichen hoher Durchimpfungsraten. Dafür muss der niederschwellige Zugang ausgebaut werden. Denn eine aktuelle Befragung zeigt: Knapp ein Viertel der Befragten würde sich in einer Apotheke impfen lassen.

Ein Nutzen von Impfungen zeigt sich auf mehreren Ebenen:

individueller Nutzen

  • Reduktion von Schmerz, Leiden und Tod aufgrund von Krankheiten
  • Reduktion von Kosten für medizinische Pflege
  • Reduktion von Langzeitfolgen und permanente Invalidität
  • Erhalt der Arbeitsfähigkeit und Erwerbstätigkeit

gesellschaftlicher Nutzen

  • Reduktion von Epidemien und Krankheitsausbrüchen
  • Ausrottung von Krankheiten
  • Reduktion von Krankenhausaufenthalten
  • Aufbau von Herdenimmunität durch Impfprogramme
  • Prävention über Generationen
  • Positive Kosten/Nutzenrelation auch im Vergleich zu anderen
Präventionsmaßnahmen

wirtschaftlicher Nutzen

  • Kostenersparnisse im Gesundheitssystem
  • weniger Arbeitsausfälle
  • geringeres Risiko für Ansteckung

Repräsentative Online-Befragung des ÖVIH, durchgeführt von Integral

Im Februar und März wurden 2000 Personen online zum Impfen befragt. Knapp 80 Prozent der Befragten zeigen eine positive Einstellung zum Impfen. Dem gegenüber steht jedoch eine geringe Durchimpfungsrate, wie Mag.a Sigrid Haslinger, ÖVIH-Präsidentin, deutlich macht.

Erste Anlaufstelle für Informationen rund um das Thema Impfen sind Ärzt:innen (76 Prozent), so ÖVIH-Vizepräsident DI Olivier Jankowitsch. „Vor allem bei der älteren Bevölkerungsgruppe ist die ärztliche Empfehlung durch nichts zu ersetzen.“ Jüngere Befragte setzen auch auf Gesundheitsportale sowie Familie und Freunde (je 27 Prozent). „Das muss auch in der Kommunikation berücksichtigt werden.“ Apotheken sind für 17 Prozent der Umfrageteilnehmer:innen Informationsquelle.

24 Prozent würden sich in Apotheken impfen lassen

Präferierte Impfstelle ist mit 79 Prozent die Hausarztpraxis. 24 Prozent würden sich in einer Apotheke impfen lassen – obwohl dies noch nicht möglich ist. „Es müssen neue Wege gegangen werden, um die Impfquote zu erhöhen“, so Haslinger. Der niedrigschwellige Zugang zum Impfen müsse ausgebaut werden. Zudem sei es sinnvoll die Respiratorische Syncytial-Virus (RSV)-Impfung für Ältere in das Impfprogramm aufzunehmen.

„Wir wissen aus anderen Ländern, dass durch ein niederschwelliges Angebot zusätzlich zur klassischen Ordination weitere und vor allem jüngere Menschen erreicht werden können“, betont Haslinger. „Öffentliche Impfstellen, Schulen, Arbeitsplätze, Krankenhäuser, Apotheken – alle Möglichkeiten sollten in Betracht gezogen werden.“

Impfen in der Apotheke: Status quo

Ende Februar hat sich die Bundesregierung dazu bekannt, Impfungen in Apotheken zu ermöglichen. „Ein klares politisches Signal, das wir als Apothekerschaft ausdrücklich begrüßen. Dabei ist klar: Es wird keine Gegengeschäfte mit der Ärztekammer geben. Geimpft werden sollen Erwachsene mit gängigen Impfungen wie Influenza, COVID-19, Pertussis und FSME“, heißt es von der Österreichischen Apothekerkammer, dem Österreichischen Apothekerverband, dem Forum!Pharmazie und dem Verband Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ).

Wie geht es weiter?

Die konkrete Umsetzung muss nun den Gesetzgebungsprozess durchlaufen. Zudem müssen auf Verordnungsebene verschiedene Detailfragen geklärt werden. Dazu gehören unter anderem die räumlichen Anforderungen und Dokumentationspflichten. „Wir stehen in intensivem Austausch mit den politischen Verantwortlichen und den zuständigen Sektionen im Gesundheitsministerium, um sicherzustellen, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass Impfen in Apotheken auch in Österreich zur Erfolgsgeschichte wird.“

Apotheken sind bereit

Die Apotheken stehen nicht am Anfang. „Wir sind bereit.“ Es wurde eine Taskforce eingerichtet, die das Vorhaben in all seinen Facetten begleitet und im Sinne der Apotheken vorbereitet. Diese Taskforce arbeite intensiv daran, dass die Apothekerschaft operativ startklar sind, sobald die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen sind. „Eine Einbindung der Apotheken in das Öffentliche Impfprogramm bereits im Herbst 2026 wäre (noch) zeitlich machbar und inhaltlich sinnvoll – nicht zuletzt, weil der Bedarf offensichtlich ist.“ In der Saison 2025/26 werden voraussichtlich rund 340.000 Influenza-Impfdosen verworfen, obwohl gleichzeitig Nachfrage nach Impfungen bestand. „Apotheken vor Ort können hier konkret helfen: fair und gerecht verteilt für die Bevölkerung, mit höheren Durchimpfungsraten, effizienterer Impfstofflogistik und aus Sicht des zahlenden Systems keinen Verwurf.“

Jede Apotheke entscheidet selbst, ob und in welchem Umfang sie Impfungen anbietet oder nicht. Derzeit haben bereits rund 3000 Apotheker:innen in mehr als 1000 Apotheken die Impffortbildung absolviert. Die Apothekerkammer werde zusätzlich Auffrischungskurse sowie weitere Fortbildungsveranstaltungen anbieten. „Jede und jeder, die oder der einen Kurs benötigt, wird einen Platz bekommen“, so das Versprechen.

Gratis-Impfungen

Unklarheiten herrschen darüber, welche Impfungen in Österreich kostenlos sind. Dazu gehören unter anderem Herpes Zoster, Masern, Pneumokokken, Influenza, Covid-19. Es seien Awarenesskampagnen notwendig, um das Wissen zu kostenfreien Impfungen zu steigern. „Es braucht mehr Aufklärung und mehr Impfangebote“, appelliert Haslinger. Vor allem bei der älteren Bevölkerungsgruppe. Das Impfprogramm müsse weiter geöffnet werden, um die Durchimpfungsrate zu erhöhen. Bei der Influenza-Impfung liegen die Impfquoten unter dem Zielwert der WHO – nur 23 Prozent der Befragten haben sich in den vergangenen sechs Monaten gegen Grippe impfen lassen.

Die Impfquoten sind weiterhin ausbaufähig – beispielsweise bei Masern, Influenza und
 Pneumokokken, so Jankowitsch. Die Erweiterung öffentliches Impfprogrammes ist sinnvoll, doch es sind auch Begleitmaßnahmen notwendig, um die Akzeptanz zukünftiger Indikationen wie beispielsweise RSV zu erhöhen.

Was kann die Industrie tun?

Der ÖVIH fordert mehr Information und breite Aufklärungskampagnen zu den Indikationen und über das Impfprogramm sowie die Sicherstellung eibes niederschwelligen Zugangs im niedergelassenen Bereich, Spitälern, Betrieben, Schulen und Apotheken. Zudem muss das Impfprogramms um neue Indikationen wie RSV erweitert werden. Gleiches gilt für die bestehenden Impfkontingente, um höhere Durchimpfungsraten zu erreichen.

„Wir haben tolle Impfprogramme, aber wir müssen unsere Ergebnisse auch an etwas messen können. Dafür müssen wir eigene Ziele festlegen, die sich auch an der lokalen epidemiologischen Situation orientieren“, so Gallo-Daniel. „Ganz wichtig sind ergänzende Analysen, idealerweise über den E-Impfpass“, fügt Haslinger hinzu. „Nur so kann das bestehende Impfprogramm optimiert werden.“



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!