ACE-Hemmer als Hustenursache


Sanja Agatic

Symbolbild: Ein hustender älterer Mann.
ACE-Hemmer wie Ramipril oder Enalapril können einen hartnäckigen trockenen Reizhusten auslösen, mitunter erst Wochen oder Monate nach Therapiebeginn.Foto:stock.adobe.com/WesleyStudy/peopleimages.com

Wochenlanger trockener Husten wird häufig zunächst mit einem Infekt, Reflux oder einer Atemwegserkrankung in Verbindung gebracht. Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die Dauermedikation: Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer (ACE-Hemmer) wie Ramipril, Enalapril oder Lisinopril können einen hartnäckigen Reizhusten auslösen, und zwar auch Monate nach Therapiebeginn.

ACE-Hemmer blockieren das Angiotensin-Converting-Enzyme. Dadurch entsteht weniger Angiotensin II, Blutgefäße erweitern sich und der Blutdruck sinkt. Das Enzym hat allerdings noch eine zweite Aufgabe: Es ist am Abbau von Bradykinin und Substanz P beteiligt. Wird ACE gehemmt, können sich diese Botenstoffe in den Atemwegen anreichern und den Hustenreflex empfindlicher machen. Als Folge entsteht der für diese Arzneimittel typische trockene, meist unproduktive Reizhusten. Der genaue Mechanismus ist nicht vollständig geklärt, die Bradykinin-Hypothese gilt jedoch als zentrale Erklärung.

Nicht nur Ramipril kann Husten auslösen

Die Nebenwirkung betrifft die gesamte Wirkstoffgruppe. Dazu gehören beispielsweise Ramipril, Enalapril, Lisinopril, Captopril und Perindopril. Wie häufig der Husten auftritt, schwankt je nach Studie erheblich. Damit lässt sich auch nicht sicher vorhersagen, wer Beschwerden entwickeln wird. Für Enalapril beschreibt die Fachinformation einen anhaltenden, unproduktiven Husten und teils „kitzelnden“ Husten, der im Liegen stärker ausgeprägt sein kann.

Der Husten kann erst Monate später beginnen

Gerade der zeitliche Abstand macht die Zuordnung schwierig. Der Reizhusten kann bereits wenige Stunden nach der ersten Dosis einsetzen, aber ebenso erst mehrere Wochen oder Monate später auftreten. Ein ACE-Hemmer sollte deshalb auch dann in die Ursachenabklärung einbezogen werden, wenn das Medikament bereits längere Zeit ohne erkennbare Probleme eingenommen wurde. Typisch ist ein trockener Husten ohne Auswurf. Fieber, eitriger Auswurf oder ausgeprägte Allgemeinsymptome sprechen hingegen eher für eine andere oder zusätzliche Ursache. Allein anhand der Art des Hustens lässt sich die Diagnose nicht stellen.

Hustensaft löst das Problem nicht

Wird der ACE-Hemmer als Ursache erkannt, bringt eine dauerhafte Behandlung mit Hustenstillern wenig. Der auslösende Mechanismus bleibt bestehen, solange das Arzneimittel weiter eingenommen wird. Nach ärztlich veranlasstem Absetzen des ACE-Hemmers verschwindet der Husten bei vielen Betroffenen innerhalb von ein bis vier Wochen. In einzelnen Fällen kann es bis zu drei Monate dauern, bis er vollständig abgeklungen ist. Wichtig: ACE-Hemmer sollten wegen des Hustens nicht eigenständig abgesetzt werden, insbesondere nicht bei Herzinsuffizienz oder anderen kardiovaskulären Erkrankungen.

Wird ein ACE-Hemmer bei Bluthochdruck wegen anhaltenden Hustens nicht vertragen als Alternative kommen häufig Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARB), sogenannte Sartane, infrage. Beispiele sind Candesartan, Valsartan und Losartan. Sie greifen ebenfalls in das Renin-Angiotensin-System ein, hemmen aber nicht den Abbau von Bradykinin. Deshalb tritt der typische ACE-Hemmer-Husten unter Sartanen wesentlich seltener auf. Die NICE-Leitlinie empfiehlt bei einer Unverträglichkeit eines ACE-Hemmers durch Husten ausdrücklich einen ARB als Alternative bei der Behandlung der Hypertonie.

Bei Herzinsuffizienz nicht einfach selbst wechseln

Bei Herzinsuffizienz lässt sich ein ACE-Hemmer jedoch nicht einfach durch ein anderes Präparat ersetzen. Bei Herzinsuffizienz hängt die geeignete Alternative von der bestehenden Therapie und der Pumpfunktion des Herzens ab. Aktuelle Empfehlungen sehen bei Unverträglichkeit eines ACE-Hemmers je nach Form der Herzinsuffizienz beispielsweise einen ARNI oder einen ARB vor. Eine eigenständige Umstellung von Ramipril auf Candesartan oder Valsartan wäre deshalb nicht sinnvoll.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!