Eine Zahnextraktion heilt nicht ab, Knochen liegt fei oder eine Wunde im Mund bleibt über Wochen bestehen. In seltenen Fällen können Arzneimittel dahinterstecken, insbesondere Bisphosphonate wie Zolendronsäure sowie Denosumab, ein RANKL-Hemmer, der den Knochenabbau bremst. Die medikamentenassoziierte Kieferosteonekrose ist selten, sollte unter diesen Therapien beachtet werden.
Im Mittelpunkt stehen antiresorptive Arzneimittel, darunter Bisphosphonate wie Zoledronsäure sowie der RANKL-Hemmer Denosumab. Sie bremsen den Knochenabbau und werden unter anderem zur Osteoporosetherapie sowie in höheren Dosierungen beziehungsweise anderen Behandlungsschemata bei maligen Erkrankungen eingesetzt. Eine mögliche Komplikation ist die Medication-Related Osteonecrosis of the Jaw (MRONJ). Dabei kommt es zu einer gestörten Heilung des Kieferknochens. Das Risiko ist jedoch keineswegs bei allen Behandelten gleich.
Das „AAOMS Position Paper on Medication-Related Osteonecrosis of the Jaws- 2022 Update“ von Ruggiero und Kolleg:innen macht den Unterschied deutlich. Patient:innen mit Osteoporose weisen unter antiresorptiver Therapie ein wesentlich niedrigeres MRONJ-Risiko auf als onkologische Patient:innen, die entsprechend Wirkstoffe in anderen Dosierungen und Intervallen erhalten.
Eine Zahnextraktion kann zum Auslöser werden
MRONJ kann spontan auftreten, häufig geht der Erkrankung jedoch ein Eingriff voraus, bei dem Knochen betroffen ist, insbesondere eine Zahnextraktion. Auch bestehende entzündliche Zahnerkrankungen spielen eine Rolle. Damit verschiebt sich der Fokus auf die Zeit vor dem Eingriff. Wer Bisphosphonate oder Denosumab erhält, sollte die Therapie beim Zahnarzt ausdrücklich angeben. Bei Patient:innen mit höherem Risiko gewinnt zudem die Sanierung behandlungsbedürftiger Zähne vor Beginn bestimmter antiresorptiver Therapien an Bedeutung.
Nicht jeder freiliegende Knoche ist eine MRONJ
Zur Definition der AAOMS gehören mehrere Kriterien: Neben einer aktuellen oder früheren Therapie mit entsprechenden Arzneimitteln muss freiliegender beziehungsweise sondierbarer Knochen im Kieferbereich länger als acht Wochen bestehen und es darf keine Bestrahlung des Kiefers oder offensichtliche metastatische Erkrankung des Kiefers vorliegen. Beschwerden können jedoch früher beginnen. Schmerzen, Schwellungen, schlecht heilende Extraktionsstellen, Fisteln oder gelockerte Zähne ohne passende parodontale Erklärung können eine Abklärung erforderlich machen.
Die Tablette oder Spritze einfach auslassen?
Gerade vor einem zahnärztlichen Eingriff liegt dieser Gedanke nahe. Doch sogenannte Drug Holidays sind kein pauschales Sicherheitsrezept. Das AAOMS-Positionspapier beschreibt sie weiterhin als kontrovers. Bei Denosumab kommt hinzu, dass eine Unterbrechung der Osteoporosetherapie mit einem erhöhten Risiko für Rebound-bedingte Wirbelfrakturen verbunden sein kann. Deshalb darf aus der Sorge vor einer seltenen Kieferkomplikation kein unkontrolliertes Absetzen werden. Stattdessen müssen zahnärztliches Risiko, Grunderkrankung und Arzneimitteltherapie gemeinsam betrachtet werden.
