Überblick über das aktuelle Infektionsgeschehen


Viktoria Anderle

Laut Überwachungsdashboard wurden in Kalenderwoche 42 neun Personen mit Influenza auf einer Normalstation und keine auf einer Intensivstation stationär aufgenommen. In der Vorwoche waren es noch 15 beziehungsweise eine Person österreichweit.AdobeStock_301953369-/Monstar Studio

Die ersten Influenzafälle wurden in Österreich heuer bereits im September nachgewiesen. Das ist zwar früh, aber nicht außergewöhnlich laut der Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES). Während die Influenza-Aktivität hierzulande noch niedrig ist, deuten ungewöhnlich hohe Fallzahlen auf der Nordhalbkugel bereits auf eine frühe Grippewelle hin. Auch internationale Infektionsausbrüche, darunter Ebola und Salmonellen, stehen im Fokus des aktuellen AGES-Infektionsradars.

Mit der Kalenderwoche 40 wurde in Österreich und Europa die Überwachung akuter Atemwegsinfektionen intensiviert. Einen Überblick über die aktuelle nationale und internationale Infektionslage liefert das Radar für Infektionskrankheiten der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES).

Im Mittelpunkt stehen seit Mitte Oktober insbesondere Influenza, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und SARS-CoV-2. Zur Überwachung werden unter anderem Daten aus Arztpraxen, Krankenhäusern und dem Abwassermonitoring herangezogen.

Influenza: Erste Fälle bereits im September

In den österreichischen Sentinel-Arztpraxen wurden bereits im September vereinzelt Infektionen mit Influenza-A-Viren festgestellt. Laut AGES sei dieser frühe Nachweis nicht außergewöhnlich und bislang überwiegend auf reiseassoziierte Fälle zurückzuführen. Auch im Abwasser wurden bisher nur vereinzelt Influenzaviren nachgewiesen. Krankenhausaufnahmen aufgrund einer Grippeerkrankung blieben ebenfalls selten.

Ähnlich präsentiert sich die Situation in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum. Die Influenza-Aktivität ist weiterhin niedrig, wobei hauptsächlich Influenza-A-Viren nachgewiesen werden. Betroffen sind vor allem Personen über 65 Jahre.

Frühere Grippewelle auf Nordhalbkugel

Anders sieht die Situation in einigen anderen Ländern aus. In Großbritannien, Teilen der USA und Japan wurden bereits im September ungewöhnlich viele Grippeinfektionen registriert. In Japan mussten aufgrund steigender Fallzahlen sogar einzelne Schulen vorübergehend schließen.

Ein Blick nach Australien, wo die Grippesaison aufgrund der unterschiedlichen Jahreszeiten früher stattfindet, zeigt ebenfalls eine auffällige Entwicklung. Dort setzte die Saison später als in den Vorjahren ein, die Influenza-Aktivität blieb jedoch bis Anfang Oktober ungewöhnlich hoch. Ob der Höhepunkt der Grippewelle bereits erreicht wurde, war zum Berichtszeitpunkt noch unklar. Vorherrschend waren Influenza-A-Viren, wobei zuletzt insbesondere der Subtyp A(H1N1) zunahm. Die bisherigen Daten deuten zudem auf eine moderate Wirksamkeit der saisonalen Influenzaimpfung und eine überwiegend gute Übereinstimmung zwischen den zirkulierenden Viren und den Impfstoffstämmen hin.

Die AGES erinnert in diesem Zusammenhang an die jährliche Influenzaimpfung. Als günstigster Impfzeitpunkt gelten die zweite Oktoberhälfte und der November.

RSV und SARS-CoV-2 auf niedrigem Niveau

Auch das RSV-Geschehen zeigt derzeit keine auffällige Entwicklung. In Österreich wurde in den vergangenen Wochen lediglich ein positiver Nachweis im Sentinel-System registriert. Krankenhausaufnahmen aufgrund von RSV-Infektionen blieben bislang ebenfalls selten. Auch europaweit bewegt sich die RSV-Aktivität auf dem für die Jahreszeit erwarteten niedrigen Niveau. Zum Vergleich: Die vergangene RSV-Saison begann in Österreich im Februar 2026, erreichte Ende Februar ihren Höhepunkt und dauerte bis April.

Bei SARS-CoV-2 verzeichnete die AGES Ende September einen moderaten Anstieg der Viruslast im Abwasser. Anfang Oktober stabilisierte sich die Entwicklung jedoch wieder. Die Zahl der Krankenhausaufnahmen befindet sich weiterhin auf niedrigem Niveau. In der EU sind die Nachweise seit August gestiegen. Während sich die Positivitätsrate in der Primärversorgung zuletzt stabilisierte, wurde in Krankenhäusern weiterhin ein Anstieg beobachtet.

Internationale Ausbrüche im Überblick

Salmonellen in Europa: Seit Juli 2026 wurden in zehn europäischen Ländern mehr als 160 bestätigte Infektionen mit Salmonella Strathcona registriert. Der Erreger wird seit 2011 wiederholt mit saisonalen Ausbrüchen in Verbindung gebracht, wobei insbesondere kleine Tomaten aus Italien als Infektionsquelle gelten. In Österreich wurden heuer 29 Fälle gemeldet, davon 21 bestätigte und acht wahrscheinliche Erkrankungen. Sieben Betroffene mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Ungeklärter Todesfall in Russland: Anfang Oktober verstarb eine 28-jährige Labormitarbeiterin in Irkutsk an einer schweren Lungenentzündung. Medien spekulierten über einen möglichen Laborunfall mit dem Pesterreger Yersinia pestis. Russische Behörden konnten jedoch weder einen Laborunfall noch eine Infektion mit dem Pesterreger bestätigen. Die genaue Todesursache bleibt ungeklärt. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gebe es bislang keine Hinweise auf eine fortgesetzte Übertragung. Gemeinsam mit dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) werde die Situation weiterhin beobachtet.

Ebola in der Demokratischen Republik Kongo: Der Ausbruch durch das Bundibugyo-Ebolavirus dauert weiterhin an. Mit Stand vom 11. Oktober wurden 8.978 bestätigte Erkrankungen und 4.336 Todesfälle gemeldet. Damit stiegen die Fall- und Todeszahlen seit dem vorherigen AGES-Radar vom September um 34 Prozent. Besonders betroffen ist weiterhin die Provinz Ituri. Anfang Oktober wurde zudem ein eingeschleppter Ebola-Fall in Kenia bekannt, der tödlich verlief. Das ECDC bewertet das Risiko einer Einschleppung nach Europa weiterhin als sehr gering.

Sindbis-Virus erstmals beim Menschen in Deutschland nachgewiesen: In Baden-Württemberg wurde im September erstmals eine symptomatische, lokal erworbene Infektion mit dem durch Stechmücken übertragenen Sindbis-Virus bestätigt. Betroffen war ein 60-jähriger Mann, der bereits im Juli erkrankt war. Das Virus zirkuliert vor allem zwischen Stechmücken und Vögeln. Beim Menschen können unter anderem juckender Hautausschlag, leichtes Fieber und Gelenkschmerzen auftreten. In Österreich wurden bislang keine humanen Infektionen registriert. Im Rahmen des Forschungsprojekts RAISE werden heimische Stechmücken seit 2025 auch auf das Sindbis-Virus untersucht.



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