Wenn die Haut vor Diabetes warnt


Sanja Agatic

Symbolbild: Nahaufnahme von einer Hautveränderung im Halsbereich.
Samtartige Hautverdickung im nacken, wiederkehrende Pilzinfektionen oder braune Flecken an den Schienbeinen können auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel hinweisen und sollten ärztlich abgeklärt werden.Foto:stok.adobe.com/kwanchaichaiudom

Braune Hautverfärbungen im Nacken, hartnäckige Pilzinfektionen oder kleine Flecken an den Schienbeinen wirken zunächst wie ein dermatologisches Problem. Sie können die ersten sicherbaren Hinweise auf einen gestörten Zuckerstoffwechsel sein, oft schon, bevor Diabetes diagnostiziert wird. Warum die Haut so früh reagiert, hat mit Insulin, Blutgefäßen und einer dauerhaften Zuckerbelastung der Zellen zu tun.

Die Haut zählt zu den Organen, die Veränderungen des Stoffwechsels besonders früh widerspiegeln. Der Grund: Sie ist dicht von kleinen Blutgefäßen durchzogen, besitzt einen hohen Energiebedarf und erneuert sich kontinuierlich. Steigen Blutzucker- und Insulinspiegel über längere Zeit an, beeinflusst das nicht nur die Gefäße, sondern auch Hautzellen, Kollagenfasern und das Immunsystem. Der aktuelle Übersichtsartikel „Skin Manifestations of Diabetes Mellitus“ im medizinischen Standardwerk Endotext beschreibt Hautveränderungen deshalb nicht nur als Begleiter eines Diabetes, sondern teilweise auch als frühe Hinweise auf eine bislang undiagnostizierte Stoffwechselerkrankung.

Dunkle Haut im Nacken

Zu den wichtigsten Warnzeichen gehört die Acanthosis nigricas. Typisch sind samtartige, dunkelbraune Hautverdickungen im Nacken, in den Achselhöhlen oder der Leiste. Verantwortlich ist dabei nicht der erhöhte Blutzucker selbst, sondern eine Hyperinsulinämie. Um den Blutzucker trotz Insulinresistenz zu kontrollieren, produziert der Körper immer mehr Insulin. Dieses bindet nicht nur an Insulinrezeptoren, sondern aktiviert auch IGF-1-Rezeptoren auf Keratinozyten und Fibroblasten. Die Folge: Die Haut wird dicker, rauer und dunkler. Bereits Demirseren und Kollegen bezeichneten die Acanthosis nigricans in ihrem Übersichtsartikel im World Journal of Diabetes als einen der wichtigsten dermatologischen Marker einer Insulinresistenz. Besonders bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne bekannten Diabetes empfehlen die Autorinnen und Autoren deshalb eine Abklärung des Zuckerstoffwechsels.

Ganz anders entsteht die diabetische Dermopathie. Dabei bilden sich kleine runde, hell- bis dunkelbraune Flecken, meist an den Schienbeinen. Sie gelten als Folge einer Schädigung der kleinsten Blutgefäße. Durch dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerte verdicken sich die Gefäßwände, die Mirkozirkulation verschlechtert sich und das Gewebe wird schlechter versorgt. Deshalb tritt die diabetische Dermopathie besonders häufig bei Menschen auf, die bereits andere mirkovaskuläre Diabeteskomplikationen entwickelt haben. Nach aktuellen Übersichtsarbeiten handelt es sich um die häufigste diabetesassoziierte Hautveränderung, sie verursacht zwar meist keine Beschwerden, liefert Ärzten aber wichtige Hinweise auf die Dauer und den Verlauf der Erkrankung.

Pilze profitieren vom hohem Blutzuckerwerte

Auch wiederkehrende Pilzinfektionen sind bei Diabetes kein Zufall. Erhöhte Blutzuckerwerte beeinträchtigen die Funktion von Immunzellen wie neutrophilen Granulozyten. Gleichzeitig finden Hefepilze wie Candida albicans in einem zuckerreichen Gewebe günstigere Wachstumsbedingungen. Besonders betroffen sind Hautfalten, der Genitalbereich sowie die Füße. Die Übersichtsarbeit von Ly et al. veröffentlicht in Diabetology, beschreibt wiederkehrende Pilz- und bakterielle Hautinfektionen deshalb als typische Folge einer unzureichenden Blutzuckereinstellung und empfiehlt bei häufigen Rezidiven immer auch einen bislang unentdeckten Diabetes zu denken.

Viele Menschen mit Diabetes leiden unter trockener, rissiger und juckender Haut. Dahinter steckt nicht nur ein Feuchtigkeitsmangel. Durch eine diabetische Neuropathie arbeiten Schweißdrüsen schlechter, gleichzeitig verschlechtert sich die Durchblutung der Haut. Die Hautbarriere verliert an Stabilität, kleine Risse entstehen leichter und Krankheitserreger können einfacher eindringen. Deshalb spielt eine konsequente Basispflege bei Diabetes nicht nur aus kosmetischen Gründen eine Rolle, sondern auch zur Vorbeugung von Infektionen. Darauf weisen sowohl die Autorinnen und Autoren des Endotext-Kapitels als auch aktuelle dermatologische Übersichtsarbeiten hin.

Keine der beschriebenen Hautveränderungen beweist allein einen Diabetes. Treten jedoch mehrere dieser Zeichen gemeinsam auf oder kommen Beschwerden wie starker Durst, häufiges Wasserlassen oder ungewollter Gewichtsverlust hinzu, sollte der Zuckerstoffwechsel ärztlich abgeklärt werden.



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