Der Wirkstoff ist identisch, die Tablette sieht anders aus und plötzlich treten Beschwerden auf. Was viele nicht wissen: Zwischen Originalpräparaten und Generika unterscheiden sich oft nicht der Wirkstoff, sondern die Hilfsstoffe. Für Menschen mit Allergien, Unverträglichkeiten oder einer veganen Lebensweise kann das durchaus relevant sein.
Hilfsstoffe sorgen dafür, dass Tabletten gepresst werden können, Kapseln die richtige Dosierung haben oder sich ein Arzneimittel im Körper richtig auflöst. Sie haben meist keine therapeutische Wirkung. Ganz bedeutungslos sind sie deshalb aber nicht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt eine Liste von Hilfsstoffen mit „bekannter Wirkung“. Für sie gelten besondere Kennzeichnungspflichten, weil sie bei bestimmten Personengruppen Beschwerden oder allergische Reaktionen auslösen können.
Lactose: Meist kein Problem
Lactose gehört zu den häufigsten Hilfsstoffen in Tabletten. Viele Menschen mit Lactoseintoleranz sind verunsichert, insbesondere dann, wenn sie aufgrund eine Lieferengpasses oder Präparatwechsels ein anderes Medikament erhalten. Die gute Nachricht: Die in Tabletten enthaltenen Mengen sind meist sehr gering und werden von den meisten Betroffenen problemlos vertragen. Beschwerden treten eher bei ausgeprägter Lactoseintoleranz oder wenn mehrere lactosehaltige Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. Anders sieht es bei seltenen erblichen Sotffwechselerkrankungen wie Galaktosämie, Lapp-Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption aus. Für diese Patientinnen und Patienten gelten lactosehaltige Arzneimittel als ungeeignet, deshalb fordert die EMA entsprechende Warnhinweise in der Packungsbeilage.
Allergie und Intoleranz werden häufig verwechselt
Eine Lactoseintoleranz ist keine Allergie. Während Betroffene das Enzym zur Verdauung von Milchzucker fehlt, reagiert das Immunsystem nicht auf die Lactose selbst. Anders ist die Situation bei bestimmten Hilfsstoffen, die allergische Reaktionen auslösen können. Dazu gehören beispielsweise Erdnussöl, Sojaöl, Weizenstärke, Lanolin (Wollwachs) oder Naturlatex in Bestandteilen der Verpackung. Diese Stoffe müssen deshalb besonders gekennzeichnet werden.
Blick auf die Hilfsstoffe
Gerade während Lieferengpässen erhalten Patientinnen und Patienten häufig ein wirkstoffgleiches Präparat eines anderen Herstellers. Generika müssen zwar nachweislich bioäquivalent zum Originalpräparat sein. Die Wirkstoffaufnahme muss im Akzeptanzbereich von 80 bis 125 Prozent liegen, aber die Hilfsstoffe können sich unterscheiden. Der Zeitpunkt der maximalen Arzneimittelkonzentration (Tmax) und das Maximum der Arzneimittelkonzentration (Cmax) muss in einem 90-prozentigen Konfidenzintervall liegen. Das erklärt, warum manche Menschen ein Generikum besser vertragen als ein anderes, obwohl beide denselben Wirkstoff enthalten.
Veganerinnen und Veganer
Nicht nur Allergie spielen eine Rolle. Viele Arzneimittel enthalten Bestandteile tierischen Ursprungs. Dazu zählen unter anderem:
- Gelatine für Hart- und Weichkapseln
- Lactose aus Kuhmilch
- Schellack als Überzug mancher Tabletten
- Magnesiumstearat, das je nach Hersteller pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein kann
Eine aktuelle Veröffentlichung von Ebert (2026) weist darauf hin, dass diese Inhaltsstoffe für Veganerinnen und Veganer häufig ein unterschätztes Problem darstellen. Gleichzeitig kritisiert der Autor, dass der Ursprung vieler Hilfsstoffe für Patientinnen und Patienten nicht immer eindeutig nachvollziehbar ist.
Wer unter einer ausgeprägten Unverträglichkeit leidet, bekannte Allergien hat oder aus ethischen Gründen bestimmte Inhaltsstoffe vermeiden möchte, sollte dies am besten bei der Verordnung oder spätestens in der Apotheke ansprechen. Häufig stehen mehrere wirkstoffgleiche Präparate mit unterschiedlicher Zusammensetzung zur Verfügung. Ein Wechsel ist daher oft möglich, ohne auf den benötigen Wirkstoff verzichten zu müssen.
