Mit September werden mehrere Arzneispezialitäten neu in den Erstattungskodex aufgenommen oder in einen anderen Bereich überführt. Erstmals stehen Nachfolgepräparate mit Nintedanib im Grünen Bereich zur Verfügung. Neu aufgenommen werden außerdem Ozempic 2 mg sowie die Ciclosporin-Augentropfen Vevizye. Fünf Arzneispezialitäten werden gestrichen.
Mit Nintedanib „ratiopharm“, Nintedanib „Sandoz“, Nintedanib „Stada“, Nintedanib „Viatris“, Nipfilan und Puqod werden erstmals Nachfolgepräparate zu Ofev in den Grünen Bereich des Erstattungskodex (EKO) aufgenommen. Alle Arzneispezialitäten enthalten den Wirkstoff Nintedanib. Der Tyrosinkinasehemmer bremst Signalwege, die an der Bildung von fibrotischem Gewebe beteiligt sind, und wird unter anderem zur Behandlung der idiopathischen Lungenfibrose eingesetzt.
Nintedanib-Nachfolger erstmals im Grünen Bereich
Die Nachfolgepräparate sind mit dem Kassenzeichen A versehen. Damit dürfen sie unter Einhaltung der Fachgruppenbestimmung von Fachärztinnen und Fachärzten für Lungenkrankheiten frei verschrieben werden. Das Erstanbieterpräparat Ofev bleibt hingegen unter RE1 (Dunkelgelber Bereich) gelistet und unterliegt damit einer vorherigen Bewilligung durch den chef- und kontrollärztlichen Dienst.
Ebenfalls neu im Grünen Bereich ist Nintedanib „Teva“. Dabei handelt es sich um das erste Nachfolgepräparat zu Vargatef, das zur Behandlung bestimmter Formen des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms eingesetzt wird. Das Präparat ist mit dem Kassenzeichen IND versehen. Die Diagnose und Erstverordnung müssen durch eine entsprechende Fachabteilung oder ein Zentrum erfolgen. Außerdem ist zumindest eine dokumentierte Vorstellung der Patientinnen und Patienten in einem Tumorboard erforderlich.
Grund für die Aufnahme der Nachfolgepräparate in den Grünen Bereich sind laut Österreichischer Gesundheitskasse die niedrigeren Kosten. Damit stehen kostengünstigere Alternativen zur Verfügung, die innerhalb der jeweils festgelegten fachlichen beziehungsweise indikationsbezogenen Voraussetzungen ohne vorherige chefärztliche Bewilligung verschrieben werden können.
Ciclosporin Augentropfen im Grünen Bereich
Auch Vevizye 1 mg/ml Augentropfen (Ciclosporin) werden in den Grünen Bereich aufgenommen. Ciclosporin gehört zur Gruppe der Immunsuppressiva und hemmt entzündliche Vorgänge. Als Augentropfen wird der Wirkstoff bei Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Keratitis mit trockenen Augen eingesetzt, wenn sich die Beschwerden trotz Behandlung mit Tränenersatzmitteln nicht ausreichend gebessert haben.
Die Arzneispezialität trägt das Kassenzeichen Au und ist damit Fachärztinnen und Fachärzten für Augenheilkunde zugeordnet. Pro Verordnung können bis zu drei Packungen abgegeben werden.
Vinorelbin wechselt in den Gelben Bereich
Vinorelbin „Accord“ Weichkapseln (Vinorelbin) wechseln vom Roten (R) in den Gelben Bereich (Y) und sind dort mit RE2 (hellgelber Bereich) gelistet. Vinorelbin gehört zu den Vinca-Alkaloiden und hemmt als Zytostatikum die Zellteilung. Der Wirkstoff wird unter anderem bei bestimmten Formen des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms und des fortgeschrittenen Mammakarzinoms eingesetzt.
Vinorelbin „Accord“ ist das erste Nachfolgepräparat zu Navelbine. Die Aufnahme umfasst die Wirkstoffstärken 20 und 30 mg in mehreren Packungsgrößen. Die Diagnose und Erstverordnung müssen durch eine entsprechende Fachabteilung oder ein Zentrum erfolgen. Zudem ist zumindest eine dokumentierte Vorstellung der Patient:innen in einem Tumorboard erforderlich. Regelmäßige Kontrollen sind durch die entsprechende Fachabteilung, ein Zentrum oder onkologisch spezialisierte Fachärzt:innen vorgesehen.
Ozempic in zusätzlicher Wirkstoffstärke
Ozempic 2 mg Injektionslösung im Fertigpen (Semaglutid) wird in einer weiteren Wirkstoffstärke unter RE1 (dunkelgelber Bereich) aufgenommen. Semaglutid gehört zur Gruppe der Agonisten am Rezeptor des Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1). Der Wirkstoff fördert abhängig vom Blutzuckerspiegel die Insulinfreisetzung und senkt die Glucagonausschüttung. Ozempic ist zur Behandlung eines unzureichend eingestellten Diabetes mellitus Typ 2 zusätzlich zu Ernährung und körperlicher Aktivität zugelassen.
Die Abgabe erfordert eine vorherige Bewilligung durch den chef- und kontrollärztlichen Dienst. Die Erstattung ist an die im EKO festgelegten Voraussetzungen gebunden. Eine Langzeitbewilligung für sechs Monate ist möglich.
Mehr Packungen von Aldactone verschreibbar
Bei Aldactone 50 mg überzogenen Tabletten (Spironolacton) ändert sich die Verschreibbarkeit der Packung zu 50 Stück. Künftig können bis zu drei Packungen auf einer Verordnung verschrieben und abgegeben werden. Wird keine Packungsanzahl angegeben, darf weiterhin nur eine Packung abgegeben werden.
Spironolacton ist ein kaliumsparendes Diuretikum und wirkt als Aldosteronantagonist. Der Wirkstoff steigert die Ausscheidung von Wasser und Natrium, während Kalium im Körper zurückgehalten wird. Er kommt unter anderem bei Ödemen, Herzinsuffizienz und Hyperaldosteronismus zum Einsatz.
Erweiterung bei Movymia
Bei Movymia 20 Mikrogramm/0,08 ml Injektionslösung (Teriparatid) wird der Regeltext erweitert und präzisiert. Teriparatid entspricht einem Teil des menschlichen Parathormons und regt bei intermittierender Anwendung die Knochenneubildung an. Der Wirkstoff wird zur Behandlung der Osteoporose bei Erwachsenen mit erhöhtem Frakturrisiko eingesetzt.
Neu umfasst die Erstattung auch eine Erstlinientherapie bei Erwachsenen mit manifester Osteoporose und einem sehr hohen Zehnjahresrisiko für Knochenbrüche, sofern die im EKO festgelegten Frakturkriterien erfüllt sind. Zusätzlich können von den Patronen künftig bis zu drei Packungen auf einem Rezept verordnet werden. Damit steht neben Teriparatid „+pharma“ und Teriparatid „ratiopharm“ ein weiteres Teriparatid-Präparat zur Verfügung, von dem bis zu drei Packungen pro Verordnung abgegeben werden können.
Fünf Präparate aus dem EKO gestrichen
Mit 1. September 2026 werden folgende Arzneispezialitäten aus dem EKO gestrichen:
- Linoladiol 100 Mikrogramm/g Emulsion (Estradiol hemihydrat), 25 g
- Montelukast „Accord“ 4 mg Kautabletten (Montelukast), 30 Stück
- OsvaRen 435 mg/235 mg Filmtabletten (Calciumacetat und Magnesiumcarbonat), 180 Stück
- Tamsulosin „Krka“ 0,4 mg Retardtabletten (Tamsulosinhydrochlorid), 30 Stück
- Vobaderm 1 mg/g + 20 mg/g Creme (Flupredniden-21-acetat und Miconazolnitrat), 15 g
Die oben genanten Arzneispezialitäten wandern damit in die No Box (N). Sie waren alle zuvor in der Green Box (G) gelistet.
Preiserhöhungen
Mit September kommt es außerdem zu Preiserhöhungen, beispielsweise bei mehreren Stärken und Darreichungsformen von BoxaGrippal (Ibuprofen und Pseudoephedrinhydrochlorid), Dismenol (Ibuprofen), Imodium (Loperamidhydrochlorid), Magnonorm Genericon (Magnesiumoxid und Magnesiumcarbonat) und Nicorette (Nicotin) sowie bei mehreren Geschmacksrichtungen und Darreichungsformen von Tantum Verde (Benzydamin; bei Tantum Verde Protect zusätzlich Cetylpyridiniumchlorid).
