Wiener Apothekerinnen im Austausch mit WKÖ-Präsidentin Schultz


Viktoria Anderle

Die Apothekerinnen der Vertretung stehen mit WKO Präsidentin Martha Schultz vor einer Holzwand.
Die Apothekerinnen luden erneut zum Austausch, um Beweggründe für unternehmerisches Engagement und die Herausforderungen der Selbstständigkeit zu diskutieren. (v. l.n.r.: Ecker, Mladenovic, Prinz-Stremitzer, WKÖ-Präsidentin Schultz, Trauner, Lexer, Paß; nicht im Bild: Sindelar)Wir sind Wien

Steigende Kosten, bürokratische Belastungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellen selbstständige Apothekerinnen und Apotheker vor große Herausforderungen. Darüber diskutierte die Wiener Gruppe „Wir sind Wien“ mit der Präsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Martha Schultz. Im Mittelpunkt standen bessere Rahmenbedingungen für Apothekenbetriebe sowie die Rolle von Frauen in der Interessenvertretung. Schultz appellierte insbesondere an Frauen, Verantwortung zu übernehmen und sich zu vernetzen.

Nach dem Gespräch mit ÖVP-Gesundheitssprecherin Juliane Bogner-Strauß im Juni lud die Gruppe „Wir sind Wien“ erneut zum Austausch. Rund 35 Wiener Apothekerinnen und Apotheker kamen in den Landtmannsaal des Café Landtmann, um mit WKÖ-Präsidentin Martha Schultz über die Herausforderungen selbstständiger Unternehmer zu diskutieren.

Im Dialog mit Corinna Prinz-Stremitzer, Spitzenkandidatin von „Wir sind Wien“, sprach Schultz dabei auch sehr persönlich über ihren eigenen Weg als Unternehmerin und Interessenvertreterin.

„Wenn ihr gefragt werdet, sagt nicht Nein“

Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage, warum sich Frauen in Interessenvertretungen engagieren und Verantwortung übernehmen sollten. Schultz erinnerte dabei an einen Satz der früheren Innsbrucker Bürgermeisterin Hilde Zach, der sie begleitet habe: „Wenn ihr Frauen gefragt werdet, sagt nicht Nein.“

Für Schultz selbst sei die Motivation für ihr Engagement klar: „Für mich ist der Antrieb, etwas zu verändern.“ Gleichzeitig machte sie deutlich, dass Veränderungen in etablierten Strukturen Ausdauer benötigen: „Es ist nicht einfach, etwas zu verändern. Aber es ist wichtig und richtig.“

Vernetzung als wichtiger Bestandteil

Eine zentrale Rolle spiele dabei die gegenseitige Unterstützung. „Ein Netzwerk ist wichtig“, betonte Schultz. Ein Gedanke, den auch die sieben Kandidatinnen von „Wir sind Wien“ teilen. Denn Vernetzung ist für die Gruppe ein wichtiger Bestandteil ihrer Initiative. So haben sie unter anderem eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen, die Wiener Apothekerinnen und Apotheker miteinander vernetzt und einen unkomplizierten, direkten Austausch unter Kolleg:innen ermöglicht. Damit soll der Dialog innerhalb der Wiener Apothekerschaft gestärkt und eine Plattform geschaffen werden, auf der Erfahrungen, Anliegen und Ideen miteinander geteilt werden können.

Nicht zwischen Familie und Betrieb zerreiben

Auch die Vereinbarkeit von beruflicher Verantwortung und Familie wurde sehr persönlich diskutiert. Schultz berichtete von ihrer eigenen intensiven Arbeitswoche. Einen Termin halte sie sich allerdings konsequent frei: den Montagnachmittag für ihre Enkelkinder. Dass dieser Termin für sie nicht verhandelbar ist, sei inzwischen bis in höchste politische Kreise bekannt: „Das wissen vom Bundeskanzler abwärts alle.“

Für Schultz ist eine bessere soziale Absicherung von Unternehmerinnen ein wichtiges Anliegen. Ein konkretes Ziel sprach sie beim Treffen besonders deutlich an: „Mir ist wichtig, dass Unternehmerinnen, die Mütter werden, nicht zwischen Familie und Betrieb zerrieben werden. Daher brauchen wir eine unbürokratische monatliche Auszahlung des Wochengelds.“

Gerade für selbstständige Apothekerinnen, die gleichzeitig Verantwortung für Betrieb, Mitarbeiter und Familie tragen, sei die Vereinbarkeit dieser unterschiedlichen Rollen eine tägliche Herausforderung.

Schultz: Lohnstückkosten müssen sinken

Neben der Rolle von Frauen standen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für heimische Unternehmen im Mittelpunkt. Schultz verwies insbesondere auf die im internationalen Vergleich stark gestiegenen Lohnstückkosten. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts zu stärken, müsse die Kostenbelastung für die Unternehmen sinken.

Auch die Wiener Apotheker:innen spüren den wirtschaftlichen Druck zunehmend. Steigende Personal- und Betriebskosten treffen auf hohe regulatorische Anforderungen und einen wachsenden Wettbewerb – unter anderem durch internationale Onlineanbieter.

Diskutiert wurde daher auch die Frage, wie faire Wettbewerbsbedingungen geschaffen werden können und wie heimische Betriebe, die Arbeitsplätze schaffen, persönliche Beratung anbieten und vor Ort investieren, langfristig wettbewerbsfähig bleiben können.

Weniger Bürokratie, schlankere Strukturen

Ein weiteres Thema war die zunehmende Bürokratie im Unternehmensalltag. Bereits beim ersten Frühstücksgespräch von „Wir sind Wien“ hatten die Kandidatinnen den Abbau bürokratischer Belastungen als eines ihrer zentralen Anliegen genannt.

Prinz-Stremitzer machte deutlich, dass dieser Anspruch auch für die eigene Interessenvertretung gelten müsse: „Wenn wir gewählt werden, haben wir eine große Aufgabe. Die Kammer muss schlanker werden.“ Die Kandidatinnen wollen bestehende Strukturen hinterfragen und stärker darauf achten, welche Leistungen bei den Mitgliedern tatsächlich ankommen. Im Mittelpunkt müsse stehen, die selbstständigen Apotheker in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen und ihre Interessen wirksam zu vertreten.

Austausch über den eigenen Berufsstand hinaus

Mit dem Treffen setzt „Wir sind Wien“ bewusst auf den Austausch mit Persönlichkeiten außerhalb der eigenen Standesvertretung. Die sieben Kandidatinnen verstehen Apotheken nicht nur als Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, sondern auch als mittelständische Unternehmen mit Mitarbeiter:innen, wirtschaftlichem Risiko und Verantwortung für den Standort.

Das Gespräch mit Schultz zeigte dabei zahlreiche Parallelen zwischen den Herausforderungen der Apothekerschaft und jenen anderer selbstständiger Unternehmer:innen – von steigenden Kosten und Bürokratie über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis zur Frage, wie Interessenvertretung moderner und wirksamer gestaltet werden kann.

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