Warum Madenwürmer trotz Behandlung wiederkommen können


Sanja Agatic

Symbolbild: Ein Kind beim Hände waschen.
Madenwurmmedikamente beseitigen die ausgewachsene Parasiten, nicht jedoch alle Eier. Deshalb gehört eine zweite Behandlung nach etwa zwei Wochen zum Standard der Therapie.Foto:stock.adobe.com/tienuskin

Die erste Tablette ist eingenommen, der Juckreiz verschwindet und zwei Wochen später beginnt alles erneut. Viele Eltern vermuten eine neue Ansteckung, die Ursache liegt häufig im Lebenszyklus der Madenwürmer und nicht daran, dass das Medikament versagt hat.

Madenwürmer (Enterobius vermicularis) gehören zu den häufigsten Wurmerkrankungen bei Kindern in Europa. Behandelt wird meist mit Mebendazol, alternativ kommen je nach Situation auch Pyrantel oder Albendazol zum Einsatz. Die Medikamente wirken zuverlässig gegen ausgewachsene Würmer. Sie greifen in deren Stoffwechsel ein oder führen zu einer Lähmung der Muskulatur, sodass die Parasiten mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Zweite Behandlung nach etwa 14 Tagen

Ein entscheidender Punkt wird jedoch häufig übersehen: Die Eier werden durch die Behandlung nicht zuverlässig abgetötet. Genau deshalb empfehlen nationale und internationale Leitlinien grundsätzlich eine zweite Behandlung nach etwa 14 Tagen. In diesem Zeitraum können aus verbliebenen Eiern neue Würmer schlüpfen, die dann erneut Eier legen würden. Erst die zweite Medikamentengabe kann den Entwicklungszyklus unterbrechen.

Darauf weist auch eine Übersichtsarbeit „The Diagnosis and Treatment of Pinworm Infection“ von Wendt und Kolleginnen und Kollegen, veröffentlich 2019 im Deutsches Ärzteblatt International, hin. Die Autorinnen und Autoren betonen, dass Rückfälle häufig nicht auf eine unzureichende Wirksamkeit des Medikamentes zurückführen sind, sondern auf den Lebenszyklus des Parasiten.

Ansteckung im Alltag

Die häufigste Infektionsquelle ist nicht der Sandkasten, sondern das tägliche Leben der Kinder: Kindergärten, Schulen und andere Betreuungseinrichtungen bieten ideale Bedingungen für die Verbreitung, weil die Eier über Hände und gemeinsam genutzte Gegenstände leicht weitergegeben werden. Innerhalb der Familie spielen anschließend Bettwäsche, Handtücher und Kleidung eine wichtige Rolle bei der Übertragung. Hunde und Katzen sind dagegen keine Überträger von Madenwürmern.

Infektionsweg

Der typische nächtliche Juckreiz entsteht, weil die weiblichen Würmer nachts den Darm verlassen und mehrere Tausend Eier in den Hautfalten rund um den After ablegen. Kratzt sich das Kind im Schlaf, bleiben die mikroskopisch kleinen Eier an den Fingern und unter den Nägeln haften. Gelangen sie später über den Mund wieder in den Körper, beginnt der gesamte Zyklus erneut. Fachleute sprechen von einer Autoinfektion. Nach Angaben von Wendt können die Eier außerhalb des Körpers, abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit, zwei bis drei Wochen infektiös bleiben. Dadurch ist auch eine Übertragung innerhalb der Familie möglich, etwa über Bettwäsche, Handtücher oder gemeinsam genutzte Oberflächen.

Eine Tablette reicht oft nicht aus

Die medikamentöse Behandlung ist nur ein Teil der Therapie. Ebenso wichtig sind Hygienemaßnahmen in den ersten Wochen. Dazu gehören gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang und vor dem Essen, kurz geschnittene Fingernägel, täglicher Wechsel der Unterwäsche sowie das Waschen von Schlafanzügen und Bettwäsche. Morgendliches Duschen hilft zusätzlich, während der Nacht abgelegte Eier von der Haut zu entfernen. Die Leitlinien weisen allerdings auch darauf hin, dass übertriebene Desinfektionsmaßnahmen kaum ein zusätzlichen Nutzen bringen. Entscheidend ist es vor allem die Selbstansteckung zu unterbrechen.

Treten in einem Haushalt Madenwürmer auf, bleibt die Infektion häufig nicht auf ein Kind beschränkt. Geschwister oder Eltern können bereits infiziert sein, ohne Beschwerden zu entwickeln. Deshalb wird empfohlen alle Haushaltsmitglieder gleichzeitig zu behandeln. Andernfalls können sich Familienmitglieder gegenseitig immer erneut anstecken.



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