Fieberzäpfchen bei Kleinkindern


Sanja Agatic

Symbolbild: Auf einer Hand liegen Zäpfchen verpackt und eines geöffnet.
Paracetamol- und Ibuprofen-Zäpfchen zählen zu den häufigsten verwendeten Arzneimitteln bei fiebernden Kleinkindern.Foto:stock.adobe.com/adragan

Das Fieber steigt, das Zäpfchen ist verabreicht und wenige Minuten später wieder draußen. Viele Eltern sind dann unsicher, ob eine weitere Dosis notwendig ist. Was bei Fieberzäpfchen tatsächlich gilt und welche Fehler häufig passieren, wird jedoch oft unterschätzt.

38 Grad Celsius bedeuten nicht automatisch, dass ein Kind ein Fiebermittel benötigt. Kinderärztinnen und Kinderärzte empfehlen, den Allgemeinzustand stärker zu berücksichtigen als den reinen Messwert. Während manche Kinder trotz hohem Fieber trinken, spielen und ansprechbar bleiben, wirken andere bereits bei niedrigeren Temperaturen deutlich beeinträchtigt. Ziel einer Fiebersenkung ist daher nicht, eine bestimmte Temperatur zu erreichen, sondern Beschwerden wie Schmerzen, Unwohlsein oder Trinkverweigerung zu lindern.

Paracetamol oder Ibuprofen?

Paracetamol und Ibuprofen gehören zu den am häufigsten eingesetzten Wirkstoffen bei Fieber und Schmerzen im Kindesalter. Dennoch eignen sie sich nicht nur für jede Situation gleichermaßen.

Paracetamol wirkt fiebersenkend und schmerzlindernd. Da der Wirkstoff über die Leber verstoffwechselt wird, spielt die korrekte Dosierung eine entscheidende Rolle. Bereits geringe Überdosierungen können bei Kindern problematisch werden.

Ibuprofen besitzt zusätzlich entzündungshemmende Eigenschaften und wird deshalb häufig bei Erkrankungen eingesetzt, bei denen Entzündungen eine wesentliche Rolle spielen, etwa bei Mittelohrentzündungen. Besondere Vorsicht ist jedoch bei Kindern mit Erbrechen, Durchfall oder unzureichende Flüssigkeitsaufnahme geboten. Durch den Flüssigkeitsverlust können die Nieren stärker belastet werden. In solchen Situationen sollte die Anwendung von Ibuprofen sorgfältig abgewogen werden.

Ein häufiger Fehler betrifft die Dosierung. Nicht das Alter alleine ist entscheidend über die passende Wirkstärke, sondern das aktuelle Körpergewicht. Gerade im Kleinkindalter können Kinder gleichen Alters mehrere Kilogramm auseinanderliegen.

Spitze oder stumpfe Seite?

Kaum eine Frage sorgt rund um Zäpfchen für mehr Diskussionen. Lange wurde empfohlen, Zäpfchen mit der Spitze zuerst einzuführen. Mittlerweile sprechen sich viele Fachleute für die stumpfe Seite aus. Der Grund liegt in der Form des Schließmuskels: Wird das breitere Ende zuerst eingeführt, bleibt das Zäpfchen häufig besser im Enddarm und wird seltener unmittelbar wieder hinausgedrückt. Für die Anwendung genügt meist eine Seitenlage mit leicht angezogenen Beinen. Ein Anfeuchten mit etwas Wasser erleichtert das Einführen zusätzlich. Öle oder Cremes sind dafür nicht erforderlich.

Nicht nur die Einführtechnik beeinflusst den Erfolg der Anwendung: Wird ein Zäpfchen kurz vor dem Stuhlgang gegeben, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass es wenige Minuten später wieder ausgeschieden wird. Praktischer ist die Anwendung nach dem Toilettengang oder direkt nach dem Windelwechsel. Auch die Lagerung spielt eine Rolle.

Werden Zäpfchen hohen Temperaturen ausgesetzt, können sie weich werden und sich beim Einführen leicht verformen. Eine kurze Lagerung im Kühlschrank kann die Anwendung erleichtern.

Zäpfchen in der Windel, muss erneut dosiert werden?

Genau diese Frage zählt zu den häufigsten Unsicherheiten im Alltag. Wird das Zäpfchen bereits nach ein bis zwei Minuten vollständig und nahezu unverändert wieder ausgeschieden, wurde meist noch kaum Wirkstoff aufgenommen. In solchen Fällen kann häufig erneut dosiert werden.

Anders sieht die Situation aus, wenn das Zäpfchen erst nach 15 bis 20 Minuten wieder in der Windel entdeckt wird oder bereits teilweise geschmolzen ist. Dann kann bereits ein Teil des Wirkstoffs über die Darmschleimhaut aufgenommen worden sein. Genau darin liegt die Schwierigkeit: Es lässt sich anschließend nicht mehr zuverlässig feststellen, welche Wirkstoffmenge bereits im Körper angekommen ist. Eine vorsorgliche zweite Gabe kann deshalb das Risiko einer Überdosierung erhöhen. Ob tatsächlich nachdosiert werden sollte, lässt dich daher nicht pauschal beantworten, sondern hängt vom Zeitpunkt und der individuellen Situation ab.

Fehlt die passende Wirkstärke, wird manchmal versucht, ein höher dosiertes Zäpfchen zu halbieren. Das ist jedoch nicht bei jedem Präparat sinnvoll. Je nach Herstellungsverfahren kann der Wirkstoff des Zäpfchens unterschiedlich verteilt sein. Nach dem Teilen enthält eine Hälfte daher nicht zwangsläufig exakt die Hälfte der vorgesehenen Dosis. Ob ein Zäpfchen geteilt werden darf, sollte deshalb immer anhand der Fach- oder Gebrauchsinformation geprüft werden.

Wann medizinische Abklärung notwendig ist

Bei Säuglingen unter drei Monaten sollte Fieber grundsätzlich ärztlich abgeklärt werden. Auch bei älteren Kindern ist eine Untersuchung sinnvoll, wenn das Fieber mehrere Tage anhält, das Kind kaum Flüssigkeit aufnimmt, ungewöhnlich schläfrig wirkt, Atemprobleme entwickelt oder Krampfanfälle auftreten.



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