Rizinusöl im Bauchnabel gegen Blähungen: Was steckt hinter dem TikTok-Trend?


Sanja Agatic

Symbolbild: Nahaufnahme von einem Bauch und zwei Hände formen ein Herz.
Auf TikTok wird Rizinusöl im Bauchnabel als Hausmittel gegen Blähungen beworben. Wissenschaftliche Belege für diese Anwendung fehlen bislang. Foto:stock.adobe.com/pikselstock

Ein paar Tropfen Rizinusöl in den Bauchnabel geben und schon sollen Blähungen, Völlegefühl und Bauchkrämpfe verschwinden, zumindest versprechen das zahlreiche Videos auf TikTok. Die Methode wirkt einfach, natürlich und kostet nur wenige Euro. Doch was sagt die Wissenschaft zu diesem ungewöhnlichen Hausmittel?

Unter den Videos findet sich häufig dieselbe Erklärung: Über den Bauchnabel würden Wirkstoffe besonders gut in den Körper gelangen und direkt auf den Darm wirken. Manche Nutzer:innen berufen sich dabei auf die sogenannte „Pechoti-Methode“, nach der der Bauchnabel mit zahlreichen Blutgefäßen und Nerven verbunden sein soll. Für diese Theorie gibt es allerdings keine wissenschaftliche Grundlage.

Kann der Bauchnabel Wirkstoffe aufnehmen?

Tatsächlich kann die Haut bestimmte Stoffe aufnehmen. Genau dieses Prinzip wird bei Nikotinpflastern oder Schmerzpflastern genutzt. Der Bauchnabel besitzt jedoch keine besonderen anatomischen Eigenschaften, die ihn zu einer direkten „Eintrittspforte“ zu den inneren Organen machen würde. Die in sozialen Medien häufig verbreitete Behauptungen, Wirkstoffe könnten über den Bauchnabel gezielt den Darm erreichen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Fachleute weisen darauf hin, dass es keine anatomische Verbindung gibt, über die auf die Haut aufgetragenes Rizinusöl direkt auf Blähungen oder die Darmtätigkeit wirken könnte. Die zentrale Behauptung vieler TikToks-Videos lässt sich daher anatomisch nicht belegen.

Rizinusöl wird aus dem Samen des Wunderbaums (Ricinus communis) gewonnen und ist seit Langem als Abführmittel bekannt. Seine Wirkung beruht auf er sogenannten Ricinolsäure. Wird Rizinusöl geschluckt, wird es im Dünndarm gespalten. Die freigesetzte Rizinolsäure regt dort die Darmbewegung an und erhöht den Flüssigkeitsgehalt des Darminhalts. Deshalb wird Rizinusöl als stimulierendes Laxans eingesetzt.

Für die äußerliche Anwendung auf der Haut ist ein solcher Mechanismus jedoch nicht nachgewiesen. Es gibt derzeit keine belastbaren Studien, die zeigen, dass auf den Bauchnabel aufgetragenes Rizinusöl die Darmtätigkeit beeinflusst oder Gansansammlungen im Darm reduziert.

Warum berichten manche trotzdem von einer Besserung?

Das Nutzer:innen von positiven Erfahrungen berichten, bedeutet nicht automatisch, dass das Öl selbst die Ursache ist. Wer Rizinusöl auf den Bauch aufträgt, massiert die Region meist gleichzeitig oder verwendet eine warme Kompresse. Wärme kann die Muskulatur entspannen und wird von vielen Menschen bei Bauchbeschwerden als angenehm empfunden. Auch sanfte Bauchmassagen können das Wohlbefinden verbessern.

Blähungen entstehen häufig durch verschluckte Luft, schwer verdauliche Kohlenhydrate oder eine veränderte Darmtätigkeit. Die wirksamsten Maßnahmen hängen daher von der Ursache ab. Bewährt haben sich unter anderem Präparate mit Simeticon, die Gasblasen im Darm auflösen können. Auch Fenchel-, Kümmel- und Anistee werden traditionell zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt. Bewegung nach dem Essen kann ebenfalls helfen, die Darmtätigkeit anzuregen.

Treten Blähungen regelmäßig auf oder kommen Symptome wie Gewichtsverlust, Blut im Stuhl oder starke Schmerzen hinzu, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.



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