Vaginale Infektionen in der Schwangerschaft: Wie therapieren?


Viktoria Anderle

Schangere, die sich den bauch hält
In der Schwangerschaft kann nicht wahllos zu Arzneistoffen gegriffen werden. Daher ist es für die Beratung wichtig, die jeweiligen Mittel der Wahl zu kennen. AdobeStock_138952310/pressmaster

Vaginale Infektionen sind in der Schwangerschaft keine Seltenheit. Während manche Erreger vorzeitige Wehen, einen Blasensprung oder eine Frühgeburt begünstigen können, gefährden andere vor allem das Neugeborene. Behandlungsbedürftige Infektionen sollen konsequent therapiert werden. Daher werfen wir einen Blick auf die Mittel der Wahl.

Vaginale Infektionen zählen zu den häufigsten behandlungsbedürftigen Erkrankungen bei Frauen. Während der Schwangerschaft können sie nicht nur Beschwerden bei der Mutter verursachen, sondern auch den Schwangerschaftsverlauf und die Gesundheit des Kindes beeinträchtigen. Mögliche Folgen sind eine Fehl- oder Frühgeburt. Diese steht häufig in Verbindung mit vorzeitigen Wehen oder einem vorzeitigen Blasensprung. Einige Erreger können außerdem auf das Kind übertragen werden und eine kongenitale oder neonatale Infektion verursachen.

Laut den Expert:innen der Arzneimittelplattform Embryotox sollten die beschriebenen behandlungsbedürftigen Infektionen in der Schwangerschaft grundsätzlich auch dann therapiert werden, wenn keine Beschwerden bestehen. Eine wichtige Ausnahme stellt die symptomlose Besiedlung mit B-Streptokokken dar: Hier erfolgt die Antibiotikaprophylaxe üblicherweise erst während der Geburt.

Chlamydien: Risiko für Mutter und Kind

Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis steht mit einem häufigeren Auftreten von vorzeitigem Blasensprung, Chorioamnionitis, Frühgeburt und niedrigem Geburtsgewicht in Zusammenhang. Die Plattform verweist darauf, dass etwa in Deutschland deshalb zu Beginn der Schwangerschaft ein generelles Screening durchgeführt wird. In Österreich ist ein solches generelles Screening derzeit nicht im Eltern-Kind-Pass vorgesehen. Bei positivem Befund ist eine antibiotische Behandlung angezeigt. Um eine wechselseitige Wiederansteckung zu verhindern, sollte auch der Partner getestet und bei entsprechendem Nachweis mitbehandelt werden.

Bleibt die Infektion bis zum Ende der Schwangerschaft unerkannt oder unbehandelt, kann der Erreger während der Geburt auf das Kind übergehen. Bei bis zu 50 Prozent der betroffenen Neugeborenen entwickelt sich eine Einschlusskörperchen-Konjunktivitis, bei knapp 20 Prozent eine atypische Pneumonie. Seltener treten eine Otitis media oder Infektionen des Nasopharynx auf. Bei der Mutter kann sich im Wochenbett eine Endometritis entwickeln.

Mittel der Wahl ist Azithromycin. Alternativ können Erythromycin oder Amoxicillin eingesetzt werden. Da diese Antibiotika üblicherweise gut wirksam sind, sollen Ofloxacin und Levofloxacin Reservemittel bleiben und nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen. Doxycyclin, das außerhalb der Schwangerschaft ebenfalls zu den Mitteln der Wahl zählt, soll insbesondere nach der 16. Schwangerschaftswoche nicht eingenommen werden.

Bakterielle Vaginose: Frühzeitig abklären

Auch eine bakterielle Vaginose erhöht das Risiko für vorzeitige Wehen, einen vorzeitigen Blasensprung und eine Frühgeburt. Bei einem entsprechenden Verdacht sollte daher möglichst früh in der Schwangerschaft ein Vaginalabstrich vorgenommen werden. Bestätigt sich die Diagnose, empfiehlt Embryotox eine antibiotische Behandlung. Besondere Bedeutung hat dies bei Frauen, die bereits eine Frühgeburt hatten.

Für die Therapie kommen Metronidazol oder Clindamycin infrage. Bei einer Trichomoniasis gilt systemisch verabreichtes Metronidazol als Mittel der Wahl.

B-Streptokokken: Prophylaxe während der Geburt

Bei bis zu einem Drittel aller Schwangeren lassen sich B-Streptokokken im Vaginalabstrich nachweisen. Die Besiedlung verursacht meist keine Beschwerden und gefährdet die laufende Schwangerschaft in der Regel nicht. Eine antibiotische Behandlung während der Schwangerschaft ist deshalb üblicherweise nicht notwendig.

Problematisch ist jedoch eine mögliche Übertragung auf das Kind während der Geburt. Sie kann beim Neugeborenen eine schwere Sepsis auslösen. Embryotox empfiehlt daher zwischen der 35. und 37. Schwangerschaftswoche eine mikrobiologische Untersuchung eines Vaginalabstrichs.

Bei einem positiven Befund sollte während der Entbindung eine Antibiotikaprophylaxe erfolgen. Diese wird ebenfalls empfohlen, wenn bereits ein Kind mit einer B-Streptokokken-Infektion geboren wurde oder während der aktuellen Schwangerschaft B-Streptokokken im Harn nachgewiesen wurden.

Mittel der Wahl ist intravenös verabreichtes Penicillin G. Als Alternativen stehen intravenöses Ampicillin oder Cefazolin zur Verfügung. Bei einer entsprechenden Allergie kann Clindamycin intravenös eingesetzt werden. Da Resistenzen von B-Streptokokken gegen Clindamycin bekannt sind, ist zuvor eine Resistenztestung notwendig.

Candidose: Häufig, aber vermutlich ohne Risiko

Vaginale Pilzinfektionen (Candidosen) treten während der Schwangerschaft häufiger auf, da hormonelle Veränderungen das Wachstum von Hefepilzen begünstigen. Rund 30 Prozent der Schwangeren sind betroffen. In mehr als 85 Prozent der Fälle handelt es sich um Candida albicans.

Nach Einschätzung von Embryotox erhöht eine Candidose vermutlich nicht unmittelbar das Risiko für einen ungünstigen Schwangerschaftsverlauf. Durch die Veränderung des Scheidenmilieus könnte sie jedoch indirekt die Vermehrung potenziell gefährlicher Erreger begünstigen. Die Evidenz für ein direkt erhöhtes Schwangerschaftsrisiko ist somit nicht eindeutig.

Besteht am Ende der Schwangerschaft eine vaginale Hefepilzkolonisation, wird diese während der Geburt in rund 80 Prozent der Fälle auf die Mundhöhle und den Magen-Darm-Trakt des Neugeborenen übertragen. Um Mundsoor und Windeldermatitis vorzubeugen, wird bei einem Pilznachweis innerhalb der letzten sechs Schwangerschaftswochen eine antimykotische Behandlung empfohlen.

Clotrimazol ist in der Schwangerschaft Mittel der Wahl. Miconazol kann bei entsprechender Indikation ebenfalls eingesetzt werden. Nystatin gilt zwar als unbedenklich, scheint während der Schwangerschaft jedoch weniger wirksam zu sein.

Herpes genitalis: Zeitpunkt der Infektion entscheidend

Besonders relevant ist eine erstmalige, unbehandelte Infektion mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 2 in zeitlicher Nähe zur Geburt. Bei einer vaginalen Entbindung werden die Viren in etwa 50 Prozent der Fälle auf das Kind übertragen. Deutlich geringer ist das Risiko bei einem wiederkehrenden Herpes genitalis. Hier liegt die Übertragungswahrscheinlichkeit bei etwa ein bis fünf Prozent.

Da eine Herpesinfektion beim Neugeborenen mit einer hohen Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate verbunden sein kann, empfiehlt Embryotox sowohl bei einer nachgewiesenen mütterlichen Primärinfektion als auch bei einem symptomatischen Rezidiv eine systemische antivirale Therapie mit Aciclovir. Bestehen zum Geburtstermin aktive genitale Herpesläsionen, kann eine Entbindung mittels Kaiserschnitt sinnvoll sein.



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