Wenn der Lagerstand nicht stimmt


Sanja Agatic

Smybolbild: Apothekenmitarbeiterin im weißen Kittel schaut konzentriert auf ein Tablet vor einem Regal mit Medikamenten.
Was zunächst wie eine Kleinigkeit wirkt, hat im Alltag oft größere Auswirkungen als gedacht.Foto:stock.adobe.com/stockmotion

Der Lagerstand passt, zumindest laut System. In der Praxis sieht es oft anders aus. Damit beginnt ein Problem, das im Apothekenalltag lange unbemerkt bleibt: Die Zahlen im Computer stimmen nicht mit dem Lager überein.

Kleine Fehler, große Differenzen

Die Ursachen für falsche Lagerstände sind selten spektakulär, dafür umso regelmäßiger. Ein Artikel wird im Stress nicht korrekt ausgebucht, eine Retoure nicht vollständig erfasst oder eine Lieferung nur oberflächlich kontrolliert. Auch Bruchware, falsch einsortierte Produkte oder einfache Fehlgriffe tragen dazu bei, dass sich Abweichungen einschleichen. Das Problem dabei: Jeder einzelne Fehler wirkt zunächst unbedeutend. Doch mit der Zeit summieren sich diese Ungenauigkeiten und plötzlich zeigt das System einen Bestand an, der in Wirklichkeit gar nicht existiert. Oder umgekehrt, ein Produkt ist physisch vorhanden, wird aber im System nicht mehr geführt.

Wenn der Bestand zur Falle wird

Spätestens an der Tara wird sichtbar, welche Folgen das hat. Ein Artikel wird im System als verfügbar angezeigt, doch im Lager ist er nicht auffindbar. Die Suche kostet Zeit, unterbricht Abläufe und sorgt für Unsicherheit im Kundengespräch. Im schlimmsten Fall geht ein Verkauf verloren. Genauso problematisch ist der umgekehrte Fall: Produkte werden nachbestellt, obwohl sie eigentlich noch vorhanden wären, nur falsch verbucht oder einsortiert. Das führt nicht nur zu unnötigen Bestellungen, sondern auch zu steigenden Lagerbeständen und langfristig zu mehr Nichtdrehern.

Warum das oft lange unbemerkt bleibt

Das Tückische an falschen Lagerständen ist, dass sie selten sofort auffallen. Im stressigen Alltag wird dem System vertraut, Abweichungen werden nicht aktiv hinterfragt. Erst wenn ein Produkt dringend benötigt wird oder bei der Inventur größere Differenzen sichtbar werden, kommt das Problem ans Licht. Bis dahin können sich Fehler über Wochen oder sogar Monate hinweg aufbauen.

Was kann man tun?

Ein funktionierendes Lager beginnt nicht beim System, sondern bei den Abläufen. Saubere Warenannahme, korrekte verbuchte Retouren und ein bewusster Umgang mit Bruchware sind entscheidend, um Fehler gar nicht erst entstehen zu lassen. Ebenso wichtig sind regelmäßige Kontrollen. Stichproben bei häufig bewegten Artikeln oder gezielte Überprüfungen bei Auffälligkeiten helfen Differenzen frühzeitig zu erkennen. Auch klare, Zuständigkeiten im Team schaffen Struktur: Wer ist für welche Buchungen verantwortlich? Und wie wird mit Abweichungen umgegangen? Denn ein System kann nur so verlässlich sein wie die Daten, die eingegeben werden.

Hier setzt auch die permanente Inventur an: Unterschreiten Artikel den Meldebestand und wird neue Ware übernommen, bietet sich die Gelegenheit, den Lagerstand direkt mitzuprüfen. Stimmen die im System erfassten Mengen tatsächlich mit dem physischen Bestand überein? Auch bei Besorgern oder dringend benötigten Artikeln zeigt sich schnell, wie verlässlich die Lagerdaten sind. Solche kurzen Abgleiche im laufenden Betrieb helfen, Differenzen frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.



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