„Die beste medizinische Beratung und Versorgung von Patientinnen und Patienten können nur Ärztinnen und Ärzte leisten“, lässt Johannes Steinhart, Präsident der Wiener Ärztekammer, in einer Presseaussendung verlautbaren. Die Aussagen von Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, bezüglich einer erweiterten medizinischen Versorgung durch Apotheken stoßen in der Ärzteschaft auf Unverständnis.
Vergangene Woche gab die Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer Ulrike Mursch-Edlmayr der Zeitung „Kurier“ ein Interview. Thema war eine erweiterte medizinische Versorgung. So sollen Apotheken als Erstanlaufstellen zur Entlastung der Ambulanzen führen, erklärt sie. Ein Pilotprojekt in 15 Apotheken in Oberösterreich und Wien testet derzeit eine ärztliche telemedizinische Beratung vor Ort. „Durch assistierte Selbstmedikation und telemedizinische Unterstützung könnten Patientenströme besser gelenkt und Ambulanzen entlastet werden“, so Mursch-Edlmayr.
Steinhart irritiert über Aussagen
Daraufhin meldet sich Johannes Steinhart, Präsident der Wiener Ärztekammer in einer Presseaussendung zu Wort: „Ich finde das äußerst irritierend, schließlich sind die Kompetenzen der Gesundheitsversorgung in Österreich klar geregelt.“ Diagnostik und Medikamentenverordnung fallen in den Kompetenzbereich von Ärztinnen und Ärzten, so Steinhart. „Wer diese Aufgaben übernehmen will, braucht dafür ein Medizinstudium. Unsere langjährige Ausbildung und das enge Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis garantieren maximale Patientensicherheit“, fügt er hinzu.
Eine, wie von der Apothekerkammer vorgeschlagene, „assistierte Selbstmedikation“ birgt Risiken für die Patientensicherheit und kann eine ärztliche Untersuchung keinesfalls ersetzen, ist sich die Wiener Ärztekammer sicher.
Medikamente in Ordinationen
Sicherer und angenehmer für die Patient:innen wäre es der Ärztekammer zufolge, verschreibungspflichtige Medikamente direkt vom Arzt oder von der Ärztin in den Ordinationen zu bekommen. „Wenn Medikamente direkt in den Ordinationen abgegeben werden können und sich beispielsweise Eltern mit einem kranken Kind nach dem Arztbesuch den zusätzlichen Weg in die Apotheke ersparen, ist das eine große Entlastung“, sagt Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien und Obfrau der Kurie niedergelassene Ärzte. Zugleich würde dies die Attraktivität von Kassenordinationen für junge Ärztinnen und Ärzte stärken, fügt sie hinzu.
Impfen soll ärztliche Leistung bleiben
Weiter heißt es seitens der Wiener Ärztekammer: „Was für Medikamente gilt, gilt auch für Impfungen. Nur das enge Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis und die Ausbildung der Ärzt:innen in Österreich garantieren die maximale Patientensicherheit und schaffen Vertrauen für die Schutzimpfungen.“
Impfen sei mehr als nur ein Stich: Der komplexe Prozess beinhalte eine Feststellung der Impftauglichkeit über das Aufklärungsgespräch und das gekonnte Applizieren der Spritze bis hin zur Nachbeobachtung der geimpften Person samt Ergreifen möglicher notfallmedizinischer Maßnahmen im Falle von Nebenwirkungen. „Ärztinnen und Ärzte sind aufgrund ihrer Ausbildung als auch aufgrund der Ordinationsausstattung auf diese, zum Glück seltenen, Notfälle trainiert und bestens eingespielt. Nur so können der medizinische Qualitätsstandard bei Impfungen und die größtmögliche Sicherheit für Patientinnen und Patienten gewährleistet werden“, hält Kamaleyan-Schmied fest.
OTS Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien
