Wirkstoffcheck: PDE-5-Hemmer


Viktoria Anderle

Saymbolbild: Eine Hand hält zwei blaue Pillen in Rhombusform.
PDE-5-Hemmer wurden ursprünglich für die Therapie von Bluthochdruck und Angina pectoris entwickelt. Bekannt sind sie heutzutage für ihre potenzförderne Wirkung.Stanislav/AdobeStock_416256019

PDE-5-Hemmer haben einen gemeinsamen Wirkmechanismus, unterscheiden sich jedoch bei Einnahmezeitpunkt und Wirkdauer. Ein Überblick zeigt die Besonderheiten der einzelnen Substanzen und wichtige Aspekte für die Beratung.

Mit Sildenafil wurde 1998 der erste Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) europaweit und damit auch in Österreich zugelassen. Heute stehen mit Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil mehrere Wirkstoffe dieser Gruppe zur Verfügung.

Wirkmechanismus und Anwendung

Bei sexueller Stimulation wird im Schwellkörper Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt. Über die Aktivierung der Guanylatzyklase steigt die Konzentration von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP). Dadurch entspannt sich die glatte Muskulatur und der Bluteinstrom nimmt zu. PDE-5-Hemmer verlangsamen den Abbau von cGMP und verstärken diese Reaktion. Sie wirken blutdrucksenkend und erweitern die Gefäße. Wichtig ist zu wissen, dass das sexuelle Verlangen durch die Wirkstoffe nicht gesteigert wird. Eine sexuelle Stimulation bleibt erforderlich.

Die bekannteste Anwendung ist die Behandlung der erektilen Dysfunktion. Sildenafil und Tadalafil werden in entsprechenden Präparaten auch bei pulmonaler arterieller Hypertonie eingesetzt. Tadalafil wird außerdem zur Behandlung der Beschwerden einer benignen Prostatahyperplasie angewendet.

Die Wirkstoffe im Vergleich

Die Angaben über Dosierungen und Halbwertszeiten beziehen sich auf die Bedarfsbehandlung der erektilen Dysfunktion.

  • Sildenafil: Üblicherweise 50 mg etwa eine Stunde vor der sexuellen Aktivität, individuell 25 bis 100 mg. Die Halbwertszeit beträgt drei bis fünf Stunden und die Wirkdauer ungefähr fünf Stunden. Fettreiche Nahrung kann den Wirkungseintritt verzögern.
  • Tadalafil: Üblicherweise 10 mg, bei unzureichender Wirkung 20 mg, mindestens 30 Minuten vorher. Die Halbwertszeit beträgt etwa 17,5 Stunden, das Wirkfenster reicht bis zu 36 Stunden. Alternativ ist eine tägliche Therapie mit 5 mg oder 2,5 mg möglich. Nahrung beeinflusst die Resorption nicht wesentlich.
  • Vardenafil: Üblicherweise 10 mg etwa 25 bis 60 Minuten vorher, individuell 5 bis 20 mg. Die Halbwertszeit liegt bei vier bis fünf Stunden und die Wirkdauer bis zu acht Stunden. Sehr fettreiche Mahlzeiten können den Wirkungseintritt verzögern.
  • Avanafil: Üblicherweise 100 mg etwa 15 bis 30 Minuten vorher, individuell 50 bis 200 mg. Die terminale Halbwertszeit beträgt sechs bis 17 Stunden. Nahrung kann den Wirkungseintritt verzögern.

Bei der Bedarfsanwendung ist grundsätzlich höchstens eine Einnahme täglich vorgesehen. Je nach Begleitmedikation oder Organfunktion können längere Abstände erforderlich sein.

Kontraindikationen

Die Kombination mit Nitraten, NO-Donatoren oder dem Guanylatcyclase-Stimulator Riociguat ist kontraindiziert, da eine gefährliche Blutdrucksenkung auftreten kann. Dazu zählen auch Molsidomin und als „Poppers“ verwendete Alkylnitrite. Ausgeschlossen ist die Anwendung außerdem bei Überempfindlichkeit sowie bei Patienten, denen aufgrund ihrer kardiovaskulären Erkrankung von sexueller Aktivität abzuraten ist. Weitere Gegenanzeigen betreffen je nach Präparat unter anderem ausgeprägte Hypotonie, kürzlich erlittene Herzinfarkte oder Schlaganfälle, schwere Organfunktionsstörungen und bestimmte Augenerkrankungen.

Wichtige Wechselwirkungen

Andere Antihypertensiva und Alphablocker können die Blutdrucksenkung verstärken. Da PDE-5-Hemmer überwiegend über das Cytochrom-P450-Enzym CYP3A4 metabolisiert werden, können dessen Hemmstoffe, etwa Ritonavir, bestimmte Azol-Antimykotika oder Clarithromycin, die Wirkstoffexposition erhöhen. Je nach Präparat sind Dosisanpassungen nötig oder die Kombination ist kontraindiziert.

Enzyminduktoren wie Rifampicin oder Carbamazepin können die Wirkung abschwächen. Bei Vardenafil sind zusätzlich mögliche QT-Verlängerungen und Wechselwirkungen mit entsprechenden Antiarrhythmika zu beachten.

Nebenwirkungen

Häufig treten Kopfschmerzen, Flush, eine verstopfte Nase und Dyspepsie auf. Auch Schwindel und Hypotonie sind möglich. Bei Sildenafil können Sehstörungen einschließlich Veränderungen des Farbsehens auftreten, bei Tadalafil sind Rücken- und Muskelschmerzen charakteristisch. Plötzliche Seh- oder Hörstörungen erfordern eine sofortige medizinische Abklärung. Das gilt auch für eine Erektion, die länger als vier Stunden anhält (Priapismus).



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