Potenzmittel als Creme: Sildenafil künftig lokal statt oral?


Viktoria Anderle

Symbolbild: Ein Mann sitzt vor medizinischem Personal und hat die Hände im Schritt.
Erste Studiendaten deuten darauf hin, dass die topisch angewendete Sildenafil-Creme bei gesunden Männern sicher und gut verträglich ist.Wasan/AdobeStock_735018333

Der Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE5) Sildenafil ist vor allem durch seinen Einsatz bei erektiler Dysfunktion bekannt. Doch nicht für jeden Mann ist die orale Therapie geeignet: Denn bei schwerwiegenden kardiovaskulären Erkrankungen ist eine Einnahme kontraindiziert. Nun soll eine Sildenafil-Creme die systemische Wirkstoffbelastung und damit mögliche Nebenwirkungen reduzieren. Erste Forschungsergebnisse liefern nun Daten zur Sicherheit und Pharmakokinetik.

Orale PDE5 wie Sildenafil zählen zur Standardtherapie der erektilen Dysfunktion. Die Wirkung bleibt jedoch nicht auf das Penisgewebe begrenzt: Aufgrund der systemischen Vasodilatation kann es unter anderem zu Kopfschmerzen, Hitzewallungen, Magenbeschwerden und Übelkeit kommen. Besonders problematisch ist die gleichzeitige Anwendung organischer Nitrate, da der Blutdruck stark abfallen kann.

Eine topisch angewendete Sildenafil-Creme könnte den Wirkstoff lokal verfügbar machen und gleichzeitig die systemische Exposition reduzieren. In einer offenen, randomisierten Phase-I-Studie untersuchte ein US-amerikanisches Forschungsteam nun die Sicherheit und Pharmakokinetik einer Creme mit 3,6 Prozent Sildenafil.

Creme mit Tablette verglichen

An der Studie nahmen 62 gesunde Männer im Alter zwischen 18 und 55 Jahren teil. Eine erektile Dysfunktion lag bei ihnen nicht vor. Die Teilnehmer wurden im Verhältnis 1:1:1:1:1 auf fünf Gruppen verteilt. Vier Gruppen wendeten die Sildenafil-Creme entweder mit oder ohne Kondom an:

  • 36 mg Sildenafil in 1 g Creme, ohne Kondom
  • 36 mg Sildenafil in 1 g Creme, mit Kondom
  • 71 mg Sildenafil in 2 g Creme, ohne Kondom
  • 71 mg Sildenafil in 2 g Creme, mit Kondom

Die fünfte Gruppe erhielt eine orale Einzeldosis von 50 mg Sildenafil. Die Creme wurde auf den Penisschaft und die Eichel aufgetragen und etwa drei Minuten lang einmassiert. In den dafür vorgesehenen Gruppen trugen die Teilnehmer anschließend für mindestens zehn Minuten ein Kondom. Blutproben und Vitalparameter wurden vor der Anwendung sowie bis zu 32 Stunden danach erhoben.

Nebenwirkungen durchwegs mild

Insgesamt dokumentierten die Forschenden 14 behandlungsbedingte unerwünschte Ereignisse bei zwölf Teilnehmern. Sämtliche Beschwerden waren mild und klangen ohne Folgeschäden ab. Die Hälfte der Ereignisse trat in der Gruppe mit oralem Sildenafil auf. Dazu zählten vier Fälle von Kopfschmerzen und zwei Fälle von Hitzewallungen.

Unter der topischen Anwendung berichtete ein Teilnehmer aus der höher dosierten Gruppe ohne Kondom über Kopfschmerzen. In der Gruppe mit 36 mg Sildenafil ohne Kondom wurde zweimal Juckreiz an der Applikationsstelle dokumentiert. Schwere unerwünschte Ereignisse, Todesfälle oder Studienabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen traten nicht auf.

Deutlich geringere systemische Exposition

Besonders deutlich fiel der Unterschied bei den Sildenafil-Plasmakonzentrationen aus: Nach topischer Anwendung lagen die mittleren maximalen Konzentrationen zwischen 969 und 1274 pg/ml. Nach Einnahme der Tablette wurden hingegen 238.000 pg/ml erreicht.

Die relative Bioverfügbarkeit der topischen Formulierung entsprach lediglich 2,6 bis 3,2 Prozent jener der oral verabreichten Dosis. Eine Verdoppelung der Crememenge führte zudem nicht zu einer proportionalen Zunahme der systemischen Exposition. Die Forschenden halten eine begrenzte Aufnahme über die Haut für möglich. Aufgrund der ausgeprägten Unterschiede zwischen den einzelnen Teilnehmern lässt sich daraus jedoch noch kein gesicherter Mechanismus ableiten.

Mit Kondom fiel die Bioverfügbarkeit etwas geringer aus als ohne Kondom. Angesichts der hohen individuellen Schwankungen dürfte dieser Unterschied nach Einschätzung der Studienautor:innen allerdings nicht klinisch relevant sein.

Wirksamkeit bleibt noch offen

Nach dem Auftragen der Creme wurde die maximale Plasmakonzentration im Mittel erst nach 12,6 bis 15,7 Stunden erreicht. Bei oraler Einnahme war dies bereits nach einer Stunde der Fall. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, wann die lokale Wirkung im Penisgewebe einsetzt. Die Wirkstoffkonzentration im Gewebe wurde nicht bestimmt. Fraglich bleibt daher, ob die Creme für Geschlechtsverkehr am Abend bereits morgens aufgetragen werden müsste. Die Wissenschaftler:innen weisen darauf hin, dass hierzu weitere Studien erforderlich wären, da der zeitliche Zusammenhang zwischen den systemischen Parametern und der erektilen Reaktion nicht untersucht wurde.

Ob die Creme die Erektionsfähigkeit tatsächlich verbessert, untersuchte das Forschungsteam ebenfalls nicht. Da ausschließlich gesunde Männer ohne erektile Dysfunktion teilnahmen und nur eine Einzeldosis verabreicht wurde, liefern die Ergebnisse zunächst nur Hinweise zur Verträglichkeit und systemischen Wirkstoffaufnahme. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob eine topische Sildenafil-Creme auch klinisch wirksam ist und sich als Alternative zur oralen Therapie eignet.

Das Paper „An open-label, single-dose, randomized, parallel-group study of the safety and relative bioavailability of topical sildenafil cream vs oral sildenafil in healthy male adults“ ist im Fachjournal Sexual Medicine erschienen.



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