Wer regelmäßig Blut spendet, verliert dabei auch Eisen. Eine aktualisierte Cochrane Review zeigt nun: Mit einem Eisenpräparat mussten bei der nächsten Blutspende wahrscheinlich deutlich weniger Menschen aufgrund eines zu niedrigen Hämoglobinwertes aussetzen. Die Einnahme von Eisentabletten kann jedoch, besonders zu Beginn, vermehrt gastrointestinale Beschwerden verursachen.
Eisen ist ein wichtiges Spurenelement, das der Körper unter anderem für die Bildung des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin benötigt. Mit jeder Blutspende geht jedoch auch Eisen verloren. Wird dieser Verlust nicht ausreichend ausgeglichen, können sich die körpereigenen Eisenspeicher mit der Zeit leeren.
Eine ausgewogene Ernährung kann zwar dazu beitragen, das verlorene Eisen zu ersetzen. Bis die Speicher wieder aufgefüllt sind, kann es allerdings längere Zeit dauern. Forschende von Cochrane, einem internationalen unabhängigen Netzwerk, untersuchten deshalb, ob Eisenpräparate diesen Prozess beschleunigen und vorübergehende Ausschlüsse von weiteren Blutspenden verhindern können.
Hämoglobinwert als wichtiger Parameter
Vor einer Blutspende wird überprüft, ob der Hämoglobinwert hoch genug ist. Liegt er unter dem vorgeschriebenen Grenzwert, darf die betreffende Person vorübergehend kein Blut spenden. Dadurch soll verhindert werden, dass die Blutabnahme einen bestehenden Eisenmangel beziehungsweise eine Anämie weiter verschärft. Laut Blutspenderverordnung des Österreichischen Roten Kreuz (ÖRK) liegt der erforderliche Hämoglobinwert für eine Vollblutspende bei Frauen bei mindestens 12,5 g/dl und bei Männern bei mindestens 13,5 g/dl.
Ein zu niedriger Hämoglobinwert kann mit Beschwerden wie Müdigkeit, Schwäche und Kopfschmerzen einhergehen. Werden Spendewillige wiederholt abgewiesen, kann zudem ihre Bereitschaft sinken, einen weiteren Versuch zu unternehmen. Der Schutz der Spender:innen ist damit auch für eine langfristig stabile Versorgung mit Blutkonserven von Bedeutung.
Eisenmangel betrifft Frauen häufiger
Wie verbreitet Eisenmangel unter häufig Blutspendenden sein kann, zeigen Daten der Danish Blood Donor Study, auf die die Autor:innen im Hintergrundteil des Reviews verweisen. Demnach sind bis zu 39 Prozent der Frauen vor den Wechseljahren betroffen.
Bei Frauen nach der Menopause lag der Anteil bei bis zu 22 Prozent, bei Männern bei bis zu 9 Prozent. Frauen vor den Wechseljahren weisen damit besonders häufig niedrige Eisenspeicher auf.
38 Studien mit verschiedenen Eisendosierungen
Der aktualisierte Cochrane Review umfasst 38 Studien mit insgesamt 7475 Teilnehmenden. Acht Untersuchungen wurden gegenüber der vorherigen Version des Reviews neu aufgenommen. Die einzelnen Ergebnisse beruhen allerdings jeweils nur auf einem Teil der eingeschlossenen Untersuchungen. Die Auswertung zu den vorübergehenden Ausschlüssen aufgrund niedriger Hämoglobinwerte stützt sich beispielsweise auf sieben Studien mit 1647 Teilnehmenden.
In den meisten Studien wurde das Eisen als Tablette verabreicht. Lediglich fünf Untersuchungen beschäftigten sich mit anderen Darreichungsformen wie Injektionen oder intravenösen Infusionen. Die untersuchten Dosierungen unterschieden sich teilweise deutlich: Bezogen auf elementares Eisen reichten die oralen Gaben von 8 mg zweimal täglich bis zu 600 mg Carbonyleisen dreimal täglich. Häufiger wurden jedoch Dosierungen zwischen 20 und 100 mg ein- oder zweimal täglich eingesetzt. Eingesetzt wurden unter anderem Eisen(II)-sulfat, Eisen(II)-fumarat, Eisen(II)-gluconat, Eisen(II)-glycinsulfat, Eisen(III)-polymaltose und Carbonyleisen. Einige Präparate enthielten zusätzlich Vitamin C. Eine Studie prüfte außerdem die einmalige intravenöse Gabe von 200 mg Eisen(III)-saccharose.
Die Behandlungsdauer reichte von wenigen Tagen bis zu einem Jahr. Aufgrund der unterschiedlichen Eisenverbindungen und ihrer Bioverfügbarkeit lassen sich die Dosierungen allerdings nicht unmittelbar miteinander vergleichen.
Deutlich weniger Ausschlüsse bei nächster Spende
Ohne die Einnahme eines Eisenpräparats mussten bei der nächsten Blutspende 173 von 1000 Spendewilligen wegen eines zu niedrigen Hämoglobinwertes aussetzen. Unter der Einnahme von Eisen waren es 67 von 1000 Personen.
Damit mussten wahrscheinlich 106 von 1000 Blutspendenden weniger eine vorübergehende Pause einlegen. Die Präparate wurden in den ausgewerteten Untersuchungen über mehrere Wochen oder Monate eingenommen. Darüber hinaus deutet die Evidenz darauf hin, dass Eisentabletten die Eisenspeicher im Blut erhöhen können. Wie groß dieser Effekt tatsächlich ist, lässt sich allerdings weniger sicher beurteilen.
Nebenwirkungen möglich
Die Einnahme von Eisentabletten kann mit unerwünschten Wirkungen verbunden sein. In acht Studien mit insgesamt 2641 Teilnehmenden berichteten Personen mit Eisensupplementation möglicherweise häufiger über Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall als jene ohne Eisenpräparat. Die Beschwerden traten insbesondere zu Beginn der Einnahme auf. Die Einnahme von Eisenpräparaten sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden, da eine unnötige oder zu hohe Zufuhr zu Überdosierungen und unerwünschten Nebenwirkungen führen kann.
Bei Kopfschmerzen gab es zwischen den Gruppen möglicherweise kaum oder gar keine Unterschiede. Personen, die Eisentabletten einnahmen, berichteten hingegen möglicherweise seltener über ein Schwächegefühl.
Der Review ist unter dem Titel „Oral or parenteral iron supplementation to reduce deferral, iron deficiency and/or anaemia in blood donors“ in der Cochrane Database of Systematic Reviews erschienen.
