Mit dem Schulbeginn rückt auch die Humane Papillomaviren (HPV) Impfung wieder stärker in den Blick. Sie schützt nicht nur Mädchen, sondern ebenso Buben und junge Männer vor HPV-bedingten Erkrankungen und bestimmten Krebsvorstufen. Gerade bei männlichen Jugendlichen zeigt sich in Österreich jedoch weiterhin eine deutlich niedrigere Durchimpfungsrate.
Humane Papillomaviren werden noch immer häufig vor allem mit Gebärmutterhalskrebs in Verbindung gebracht. Tatsächlich können HPV-Infektionen auch bei Buben und Männern schwere Erkrankungen verursachen. Dazu zählen unter andrem Krebserkrankungen im Bereich von Anus und Penis sowie Genitalwarzen.
Eine aktuelle Kohortenstudie von Taro Kitano und Shinya Yoshida untersuchte die Wirksamkeit des 9-valenten HPV-Impfstoffs bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern. Die Analyse umfasste Geimpfte im Alter von 9 bis 26 Jahren. Dabei zeigte sich, dass HPV-bedingte Erkrankungen und Krebsvorstufen bei Geimpften deutlich seltener auftraten. Die Ergebnisse stützen damit die Empfehlung, mit der Impfung möglichst früh zu beginnen. Besonders sinnvoll ist sie im Alter von 9 bis 11 Jahren, also noch bevor es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Kontakt mit HPV gekommen ist.
Buben sind seltener vollständig geimpft
In Österreich ist die HPV-Impfung seit 2014 für Mädchen und Buben im Schulimpfprogramm kostenlos verfügbar. Bei den Durchimpfungsraten besteht dennoch ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern. Nach den aktuellen Daten des österreichischen HPV-Cockpits sind 55 Prozent der 14-jährigen Mädchen vollständig gegen HPV geimpft. Bei den gleichaltrigen Buben liegt der Anteil dagegen nur bei 43 Prozent.
Noch größer ist der Nachholbedarf in einzelnen Bundesländern. In Niederösterreich sind demnach nur 30 Prozent der 14-jährigen Buben vollständig geimpft, in Salzburg 33 Prozent und im Burgenland 35 Prozent.
Mit zunehmendem Alter wächst die Lücke
Die Unterschiede zeigen sich nicht nur zwischen Mädchen und Buben. Auch mit zunehmendem Alter geht die Entwicklung weiter auseinander. Während viele Mädchen die empfohlenen Impfungen bereits früh erhalten, bleiben Buben häufiger ungeimpft oder schließen die Impfserie später ab. Damit vergrößert sich der Abstand zwischen den Durchimpfungsraten in höheren Altersgruppen weiter. Gerade deshalb sehen Fachleute den Schulbeginn als wichtigen Zeitpunkt, um Eltern und Jugendliche erneut auf den Impfschutz aufmerksam zu machen.
Schulimpfung soll Versorgungslücken schließen
Die HPV-Impfung ist bereits Bestandteil des schulischen Impfangebots. In der praktischen Umsetzung gibt es allerdings weiterhin Unterschiede zwischen Regionen und Schulstandorten. Als mögliche Verbesserungen werden eine bundesweit besser koordinierte Weiterentwicklung des Schulimpfsystems und regelmäßige Impfpasskontrollen im Rahmen der Schuleintrittsuntersuchungen genannt. Ziel ist es, ungeimpfte Kinder und Jugendliche frühzeitig zu erkennen und bestehende Impflücken zu schließen.
Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller bringt die Bedeutung der Impfung mit dem Satz auf den Punkt: „Impfen heißt Verantwortung tragen. Für den Einzelnen und die Gesellschaft“.
Kostenlos bis zum 21. Geburtstag
Die HPV-Impfung ist in Österreich für alle ab dem vollendeten 9. Lebensjahr bis zum 21. Geburtstag kostenlos erhältlich, unabhängig vom Geschlecht. Sie kann unter anderem bei Schulärzt:innen, Hausärzt:innen, Kinderärzt:innen und Gynäkolog:innen durchgeführt werden.
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