Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs


Redaktion

Symbolbild: Eine Person zieht mit einer Spritze einen Impfstoff aus einer Ampulle auf.
KRAS steht gleich bei zwei neuen Ansätzen gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs im Mittelpunkt: als Angriffspunkt für zielgerichtete Medikamente und für eine mögliche therapeutische oder präventive Impfung. Foto:stock.adobe.com/Tan

Bauchspeieldrüsenkrebs wird häufig erst spät erkannt und gilt als besonders schwer behandelbar. Zwei neue Ansätze richten den Blick nun auf KRAS (Kirsten Rat Sarcoma Viral Oncogene Homolog): Ein Wirkstoff konnte bei fortgeschrittener Erkrankung die Überlebenszeit deutlich verlängern, während eine Impfung des Immunsystem gezielt gegen KRAS-Mutationen mobilisieren soll.

Bei mehr als 90 Prozent der Pankreaskarzinome ist der KRAS-Signalweg verändert. Die Mutation sorgt dafür, dass ein für das Zellwachstum entscheidender genetischer „Schalter“ dauerhaft aktiviert bleibt. Lange konnte nur einzelne seltene KRAS-Varianten gezielt blockiert werden. Mit Daraxonrabis wurde nun ein Wirkstoff untersucht, der gegen verschiedene KRAS-Genvarianten gerichtet ist. In einer klinischen Studie mit 500 Patient:innen mit Pankreaskarzinom im Spätstadium wurde das Medikament mit einer herkömmlichen Chemotherapie verglichen.

Überleben nahezu verdoppelt

Die Ergebnisse fallen deutlich aus: Das mediane Gesamtüberleben stieg von 6,7 Monaten unter Chemotherapie auf 13,2 Monate unter Daraxonrasib. Auch die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung verlängert sich im Mittel von 3,5 auf 6,7 Monate. Die Begeisterung rühre „großenteils von den dramatischen Therapieerfolgen bei einer Erkrankung her, die in der Vergangenheit nur schwer auf Behandlungen ansprach“, schrieb Eric Rubin, Herausgeber des New England Journal of Medicine. Gleichzeitig zeigte sich, wie jahrzehntelange Forschung an krebsfördernden KRAS-Proteinen nun therapeutische Erfolge ermöglicht.

Impfung trainiert das Immunsystem

Parallel dazu wird ein anderer Weg verfolgt: Statt KRAS direkt mit einem Medikament zu blockieren, soll das Immunsystem lernen, Zellen mit entsprechenden Mutationen zu erkennen. Amanda Huff von der Johns Hopkins School of Medicine und ihre Co-Autor:innen untersuchten dafür einen therapeutischen Impfstoff gegen KRAS-Mutationen. Die Vakzine wurde zwölf Patient:innen verabreicht, deren Pankreastumor in einem frühen Stadium mit dem Ziel einer Heilung operativ entfernt worden war. Anschließend erhielten sie eine Immuntherapie in Kombination mit der Impfung.

Nach einer mittleren Beobachtungszeit von rund drei Jahren waren vier der zwölf Erkrankten weiterhin ohne Rückfall. Bei zehn Patient:innen ließ sich zudem ein immunologisches Ansprechen auf den Impfstoff nachweisen.

Impfung bereits vor der Erkrankung

Noch einen Schritt weiter geht die Untersuchung der Vakzine bei Menschen, die zwar noch nicht erkrankt sind, aber ein besonders hohes Risiko für ein Pankreaskarzinom tragen. In einer Phase-I-Studie mit 20 Hochrisikopersonen erhielten die Teilnehmer:innen vier Teilimpfungen. Bei 18 Personen mit Vorstufen der Erkrankung entwickelt sich eine spezifische Immunreaktion gegen KRAS. Innerhalb eines Jahres erkrankte niemand aus der Gruppe an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei fünf Proband:innen bildeten sich zudem potenziell gefährliche Zysten in der Bauchspeicheldrüse zurück. Die kleine Teilnehmerzahl und die frühe Studienphase lassen allerdings noch keine Aussage darüber zu, ob die Impfung ein Pankreaskarzinom verhindern kann.

Früherkennung bleibt große Herausforderung

Damit eine vorbeugende Impfung gezielt eingesetzt werden könnte, müssten Menschen mit besonders hohem Erkrankungsrisiko zuverlässig identifiziert werden. Gerade das bleibt beim Pankreaskarzinom schwierig. „Trotz enormer Anstrengungen ist es uns bisher nicht gelungen, Bauchspeicheldrüsenkrebs früh genug zu erkennen, um die meisten Todesfälle zu verhindern. Eine wichtige Frage ist: Können wir ihn verhindern, bevor er überhaupt entsteht?“, erklärte Elizabeth Jaffee, stellvertretende Direktorin des Sidney Kimmel Cancer Center an der Johns Hopkins University.

Fortschritte bei Screeningmethoden könnten deshalb entscheidend werden. Lassen sich Risikopatient:innen künftig früher erkennen, könnte eine Impfung rechtzeitig eine schützende Immunantwort auslösen. Jaffee hält diesen Ansatz bereits im kommenden Jahr für grundsätzlich möglich, rechnet für eine breitere Realität jedoch mit einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren.

APA



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