Eine Jodsupplementierung kann die kognitive Funktion von Kindern und Jugendlichen leicht verbessern und das Auftreten einer Hypothyreose wahrscheinlich verringern. Auf das Körpergewicht dürfte sie hingegen kaum Einfluss haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit, wobei die Aussagekraft je nach untersuchtem Endpunkt stark variiert.
Jod wird für die Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt und spielt damit eine zentrale Rolle bei der körperlichen Entwicklung sowie bei der Reifung des Gehirns und des zentralen Nervensystems. Eine unzureichende Versorgung kann bei Kindern unter anderem die geistige Leistungsfähigkeit und das Wachstum beeinträchtigen. Weitere mögliche Folgen sind eine Schilddrüsenvergrößerung (Struma), eine Hypothyreose und bei schwerem Mangel ein erhöhtes Sterberisiko im Säuglingsalter.
Zu den wichtigsten Jodquellen zählen jodiertes Speisesalz, Fisch, Meeresprodukte sowie Milch und Milchprodukte. Reicht die Aufnahme über die Ernährung nicht aus, kann Jod beispielsweise als Kaliumjodid Form von Kapseln, Tabletten oder Tropfen verabreicht werden.
Acht Studien mit 2528 Teilnehmenden
Für die aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit werteten die Forschenden acht Studien mit insgesamt 2528 Kindern und Jugendlichen aus. Untersucht wurde, ob eine Jodsupplementierung bei einem erhöhten Risiko für Jodmangel Erkrankungen verhindern kann und welche unerwünschten Wirkungen damit verbunden sein könnten.
Die Studien wurden zwischen 1982 und 2009 durchgeführt. Sie stammten überwiegend aus einkommensschwachen Regionen in Albanien, Bangladesch, Kolumbien, Indonesien, Malawi, Neuseeland und Tansania. Verglichen wurde eine orale Jodsupplementierung gegen ein Placebo. In einer Studie supplementierten die Teilnehmenden zusätzlich Eisen.
Kognitive Funktion leicht verbessert
Bei der kognitiven Funktion zeigte sich ein leichter Vorteil gegenüber Placebo. Dieses Ergebnis beruht allerdings nur auf einer Studie mit 166 Teilnehmenden und sollte daher zurückhaltend interpretiert werden.
Auf die Gewichtsentwicklung hatte Jod möglicherweise keinen oder nur einen geringen Einfluss. Für diese Einschätzung standen drei Studien mit insgesamt 658 Kindern zur Verfügung.
Bezüglich der Schilddrüsenfunktion sah das Ergebnis wie folgt aus: Eine Jodsupplementierung verringerte wahrscheinlich das Auftreten einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion). Auch diese Aussage stützt sich jedoch lediglich auf eine Studie mit 264 Teilnehmenden.
Möglicherweise geringere Säuglingssterblichkeit
In einer Studie mit 617 Säuglingen reduzierte die Supplementierung wahrscheinlich das Risiko, innerhalb der ersten sechs Lebensmonate zu sterben. Dieses Ergebnis stammt aus einer Region mit hoher Säuglingssterblichkeit und lässt sich daher nicht ohne Weiteres auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen.
Ob Jod auch das Auftreten einer Struma verringert, blieb in der Gesamtbetrachtung zunächst unklar. Eine der beiden dazu vorliegenden Studien wies methodische Schwächen auf und wurde aus der Analyse ausgeschlossen. Die verbleibende Studie mit 230 Teilnehmenden deutete anschließend darauf hin, dass eine Jodsupplementierung das Strumarisiko wahrscheinlich deutlich senkt.
Keine Angaben zu Nebenwirkungen
In keiner der eingeschlossenen Studien wurden unerwünschte Wirkungen berichtet. Das bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass keine Nebenwirkungen auftraten: Es lagen schlicht keine entsprechenden Berichte vor. Auch zur Lebensqualität der Teilnehmenden waren keine Daten verfügbar.
Für die Kombination aus Jod und Eisen war die Datenlage noch dünner. Ob diese Supplementierung das Körpergewicht beeinflusst, blieb unklar. Zu Auswirkungen auf die kognitive Funktion, die Schilddrüse, die Lebensqualität, mögliche Nebenwirkungen und die Sterblichkeit fanden sich keine verwertbaren Daten.
Aussagekraft teilweise begrenzt
Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz reichte je nach Endpunkt von hoch bis sehr niedrig. Einschränkungen ergaben sich unter anderem aus der geringen Zahl verfügbarer Studien, den unterschiedlichen untersuchten Bevölkerungsgruppen und einer teilweise unzureichenden Verblindung.
Die Autor sehen daher weiteren Forschungsbedarf. Künftige Studien sollten insbesondere Regionen und Bevölkerungsgruppen mit einem erhöhten Jodmangelrisiko berücksichtigen, darunter auch sozioökonomisch benachteiligte Kinder. Zudem sollten höhere Dosierungen sowie längere Behandlungs- und Beobachtungszeiträume untersucht werden.
Insgesamt liefert die Übersichtsarbeit Hinweise auf einen leichten kognitiven Nutzen und mögliche Vorteile für die Schilddrüsengesundheit. Eine allgemeine Empfehlung zur Jodsupplementierung aller Kinder und Jugendlichen lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Die Studie wurde unter dem Namen „Iodine supplementation for preventing iodine deficiency disorders in children and adolescents“ in der Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlicht.
