Präeklampsie ist eine schwerwiegende Erkrankung in der Schwangerschaft. Das Problem: Bisher können bei betroffenen Frauen nur die Symptome gelindert, die Ursache aber nicht behandelt werden. Eine spezielle Form der Blutwäsche könnte zukünftig jedoch Abhilfe schaffen. Die Ergebnisse einer neuen Studie sind laut den Forschenden vielversprechend.
Die Schwangerschaftsvergiftung zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen für gesundheitliche Probleme und Todesfälle bei Müttern und ihren Babys. Dabei kommt es etwa in der 20. Schwangerschaftswoche (SSW) zu hohem Blutdruck. Ebenso ist vermehrt Eiweiß im Urin nachweisbar. Betroffene Frauen müssen zunächst engmaschig ärztlich überwacht werden. In schweren Fällen müssen die Babys zeitnah entbunden werden. Bei drohender Frühgeburt vor der 34. SSW erfolgt die Gabe von Kortikoiden zur Förderung der fetalen Lungenreifung.
Protein als Auslöser
Der Auslöser einer Gestose wurde bereits vor etwa 20 Jahren von US-amerikanischen Wissenschaftler:innen identifiziert – ein bestimmtes Protein im mütterlichen Blut – die lösliche Tyrosinkinase 1 (sFlt-1). Bisher kann dieses Protein für die Diagnostik der Erkrankung genutzt werden.
Ein internationales Team um Professor Dr. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig und Studiendekan Hebammenkunde an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, entwickelte eine spezielle Blutwäsche, bei der das Protein mithilfe eines spezifischen Antikörpers aus dem Blut der Schwangeren entfernt wird. Bei der sogenannten Apherese kommt ein speziell dafür entwickelter Filter zum Einsatz, der das giftige Protein gezielt binden und entfernen kann. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht.
Vielversprechende Ergebnisse
Diese Technik wurde nun erstmals bei neun schwangeren Patientinnen angewandt. Die Ergebnisse seien vielversprechend, so Stepan. „Wir konnten zeigen, dass die Konzentration des krankheitsauslösenden Proteins im Blut gesenkt wird.“ Gleichzeitig stabilisierte sich der klinische Zustand der Patientinnen und die Schwangerschaft konnte in mehreren Fällen verlängert werden.“ Das sei ein wichtiger Schritt hin zu einer ursächlichen Therapie der Präeklampsie.
Man wolle nun in weiteren Studien prüfen, ob sich das Verfahren langfristig als Standardtherapie etablieren lasse, so die Forschenden. „Der nächste Schritt ist eine größere multizentrische Studie mit deutlich mehr Patientinnen“, so Stepan.
Symptome einer Präeklampsie
Besonders häufig davon betroffen sind werdende Mütter mit starkem Übergewicht, einem Alter ab 40 Jahren oder mit Diabetes mellitus.
Symptome der Präeklampsie:
- Bluthochdruck
- Eiweiß im Urin
- Wassereinlagerungen im Gewebe von Gesicht, Händen und Füßen
- In schweren Fällen Übelkeit und Erbrechen
- Schwindel und Sehstörungen
- Verwirrtheit
- Krämpfe
- Starke Kopfschmerzen
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen sind bis heute nicht bekannt. Expert:innen vermuten eine Durchblutungsstörung im Bereich des Uterus und der Plazenta mit Beteiligung des Immunsystems. Ein höheres Risiko liegt auch bei späten und Mehrlingsschwangerschaften vor. Hatte die Schwangere bereits eine Fehlgeburt, steigt das Risiko ebenfalls an. Bluthochdruck, Adipositas sowie Stoffwechsel- und Autoimmunerkrankungen sollen das Risiko zusätzlich erhöhen.
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