Viele Brustkrebserkrankte setzen auf Vitamine und Mineralstoffe, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Doch hält diese Hoffnung einer wissenschaftlichen Überprüfung stand? Eine aktuelle Langzeitstudie liefert differenzierte Antworten und zeigt, dass nicht jedes Präparat automatisch einen Vorteil bringt.
Viele Frauen mit Brustkrebs greifen ergänzend zur Therapie zu Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Die Erwartung dahinter ist klar: den Körper stärken und den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen. Fachleute beurteilen diese Praxis jedoch differenziert. Während ein ausgeglichener Nährstoffmangel sinnvoll behandelt werden kann, wird die ungezielte Einnahme häufig kritisch gesehen.
Supplemente und Lebenserwartung
Eine dänische Forschungsgruppe untersuchte nun den Zusammenhang zwischen Supplementen und der Lebenserwartung. Grundlage bildeten Daten aus der großen „Danish Diet, Cancer and Health Cohort“, einer Langzeitbeobachtung von Frauen mit Brustkrebsdiagnose.
In die Analyse flossen Daten von 1951 Patientinnen mit Brustkrebs ein. Die Nachbeobachtungszeit betrug bis zu 20 Jahre, im Median etwa 12 Jahre. Die Forscherinnen und Forscher erfassten mithilfe standardisierter Ernährungsfragebögen die Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen – sowohl vor als auch nach der Diagnose.
Ergänzend kamen statistische Modelle zum Einsatz, um mögliche Zusammenhänge zwischen Supplementkonsum und Lebenserwartung zu berechnen. Neben der Brustkrebsmortalität wurden auch andere Todesursachen berücksichtigt.
Multivitaminpräparate: Ein Jahr mehr im Schnitt
Ein Großteil der Frauen nutzte Nahrungsergänzungsmittel: rund 79 Prozent vor und sogar 96 Prozent nach der Diagnose. Im Verlauf der Studie verstarben 725 Teilnehmerinnen, davon 450 an den Folgen der Krebserkrankung.
Ein genereller Zusammenhang zwischen Supplementeinnahme und Lebensdauer ließ sich nicht feststellen. Auffällig war jedoch, dass Multivitaminpräparate mit einer leicht verlängerten Überlebenszeit verbunden waren. Im Durchschnitt ergab sich ein Vorteil von etwa einem Jahr. Gleichzeitig gingen weniger Lebensjahre durch die Erkrankung verloren.
Vorsicht bei Einzelpräparaten
Anders zeigte sich die Situation bei einzelnen Nährstoffen. Eine hohe Zufuhr von Vitamin A, Vitamin B12, Eisen und Magnesium konnte tendenziell mit einer geringeren Lebenserwartung in Verbindung gebracht werden. Auch bei Vitamin D und Antioxidanzien zeigte sich ein kritisches Muster: Sowohl zu niedrige als auch zu hohe Mengen waren ungünstig.
Bei Antioxidanzien und Einzelsubstanzen ergaben sich außerdem Hinweise auf mögliche Nachteile während einer Chemotherapie, während bei Strahlentherapie kein entsprechender Effekt beobachtet wurde.
Keine pauschale Bewertung
Die Ergebnisse unterstreichen den Autor:innen zufolge, dass NEM nicht pauschal als hilfreich bewertet werden können. Während Multivitaminpräparate möglicherweise einen moderaten Nutzen bieten, erfordert die Einnahme einzelner hochdosierter Nährstoffe besondere Vorsicht.
Gerade im Kontext einer laufenden Krebstherapie können Wechselwirkungen oder unerwünschte Effekte auftreten. Daher bleibt die individuelle Abstimmung mit dem behandelnden Team ein zentraler Bestandteil einer sicheren Therapieplanung. Eine fundierte ärztliche Begleitung und das Einhalten der empfohlenen Tagesmengen ist daher den Studienautoren zufolge unerlässlich.
Die wissenschaftliche Studie ist unter dem Namen „Dietary Supplement Use and Life Expectancy After Breast Cancer – The Danish Diet, Cancer and Health Cohort“ im Journal The Journal of Nutrition erschienen.
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