Neue Zulassung von Semaglutid bei „Fettleber“


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Leber die halbiert ist, die rechte Seite zeigt eine gesunde Lebder und die linke Seite zeigt eine Fettleber.
Die MASH, früher auch als „nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH)“ bezeichnet, wird durch eine stoffwechselbedingte Entzündung der Leber hervorgerufen.Foto:stock.adobe.com/Hamid

Lange Zeit gab es in der „Fettlebertherapie“ kaum wirksame medikamentöse Optionen. Genau das beginnt sich jetzt zu ändern. Mit Semaglutid ist ein Wirkstoff, der ursprünglich für Diabetes und Adipositas entwickelt wurde, nun auch in der Therapie der Metabolic Dysfunction-Associated Steatohepatitis (MASH) angekommen.

Von Studienerfolg zur EU-Zulassung

Was lange erwartet wurde, ist nun Realität. Die EU-Kommission hat Semaglutid (Ozempic, Wegovy) unter dem Markennamen Kayshild für die Behandlung der Metabolic Dysfunction-Associated Steatohepatitis (MASH) bedingt zugelassen. Vorausgegangen war die positive Empfehlung des Commitee for Medicinal Products for Human Use (CHMP/EMA) Ende Januar 2026. Zugelassen ist der Wirkstoff derzeit für Erwachsene mit nicht-zirrhotischer MASH und moderater bis fortgeschrittenerer Leberfibrose (Stadium F2 bis F3). Die Anwendung erfolgt einmal wöchentlich subkutan und ist wie bei dieser Erkrankung üblich, an Lebensstilmaßnahmen wie Diät und Bewegung gekoppelt.

Wichtig: Die Zulassung erfolgte bedingt. Das bedeutet, dass der klinische Nutzen als ausreichend belegt gilt, gleichzeitig aber noch weitere Daten aus laufenden Studien erwartet werden.

Die Studie, die alles verändert hat

Die Grundlage für die Zulassung liefert die Phase-III-Studie ESSENCE, eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei Patient:innen mit MASH und Fibrose Grad F2-F3 und die Ergebnisse gelten als einer der bisher stärksten Wirksamkeitsnachweise in diesem Bereich. Semaglutid zeigte im Vergleich zu Placebo deutliche Verbesserungen zentraler Leberparameter:

  • AST eine Abnahme von etwa 30 Prozent
  • Lebersteifigkeit eine Verbesserung um rund 20 Prozent
  • Kardiometabolisch: Blutdruck, Blutfette (außer LDL) und Entzündungswerte verbesserten sich

Parallel läuft der zweite Teil der Studie weiter, der langfristige klinische Endpunkte wie Krankheitsprogression und Komplikationen untersuchen soll.

Mehr als ein Lebermedikament

Spannend ist vor allem der Wirkmechanismus. Semaglutid wirkt nicht direkt an der Leber, sondern greift über den Stoffwechsel ein: Gewichtsreduktion, verbesserter Glukose- und Lipidstoffwechsel sowie entzündungshemmende Effekte spielen zusammen. Genau diese indirekte Wirkung scheint der Schlüssel zu sein. Denn MASH ist keine isolierte Lebererkrankung, sondern eng verknüpft mit Adipositas, Typ-2-Diabetes und metabolischem Syndrom. Das erklärt auch, warum ein „Abnehmwirkstoff“ plötzlich zur ernsthaften Therapieoption für eine Lebererkrankung wird.

Nicht die erste, aber eine entscheidende Option

Ganz neu ist die medikamentöse Therapie der MASH in Europa nicht mehr. Mit Resmetirom (Rezdiffra) wurde bereits 2025 erstmals ein Wirkstoff für diese Indikation zugelassen, der seit 2026 auch bedingt in Europa verfügbar ist. Semaglutid bringt jedoch eine andere Dimension ins Spiel. Während Resmetirom gezielt in den Leberstoffwechsel eingreift, adressiert Semaglutid die zugrunde liegenden metabolischen Prozesse. Damit verschiebt sich die Perspektive, weg von der reinen Leberbehandlung hin zu einem systemischen Therapieansatz.

Die Studie „Phase 3 ESSENCE Trial: Semaglutide in Metabolic Dysfunction-Associated Steatohepatitis“ wurde im Fachjournal „Gastroenterology & Hepatology “ veröffentlicht.



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