PET-Mikroplastik verändert allergische Immunreaktionen


Redaktion

Symbolbild: PET Symbol
PET-Mikroplastik blieb in einer Studie der MedUni Wien über zwei Wochen in der Lunge nachweisbar und beeinflusste allergische Entzündungsreaktionen.Foto:stock.adobe.com/calypso77

Mikroplastik wird meist als Umweltproblem diskutiert. Doch immer mehr Studien beschäftigen sich mit einer anderen Frage: Was passiert, wenn winzige Kunststoffpartikel in den menschlichen Körper gelangen? Forschende der Medizinischen Universität Wien haben nun Hinweise darauf gefunden, dass PET-Mikroplastik nicht nur in der Lunge verbleibt, sondern auch Immunreaktionen beeinflussen und allergische Entzündungen verstärken kann.

Für die Studie untersuchte ein Forschungsteam um Michelle Epstein von der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien die Auswirkungen von PET-Mikroplastik unterschiedlicher Größe und Verabreichungsform. PET (Polyethylenterephthalat) zählt zu dem weltweit am häufigsten verwendeten Kunststoff und kommt unter anderem in Getränkeflaschen, Verpackungen, Textilien und medizinischen Materialien zum Einsatz. Im Mausmodell zeigte sich, dass PET-Partikel nach einer einmaligen Verabreichung über die Atemwege mindestens 14 Tage lang in der Lunge nachweisbar blieben. Gleichzeitig beobachteten die Forschenden Entzündungsreaktionen mit einer vermehrten Einwanderung von Lymphozyten und eosinophilen Granulozyten – Immunzellen, die typischerweise an allergischen Reaktionen beteiligt sind.

Verstärkte Entzündungsreaktionen bei Allergenen

Besonders interessant waren die Ergebnisse in Kombination mit Ragweed – Pollen, einem häufigen Auslöser von Atemwegsallergien. Wurden die Pollen gemeinsam mit PET-Mikroplastik verabreicht, verstärkte sich unter bestimmten Bedingungen die Atemwegsentzündung. Auch in weiteren Versuchen fanden die Forschende Hinweise auf eine aktive Beeinflussung des Immunsystems. Wurde PET-Mikroplastik gemeinsam mit anderen Allergenen eingesetzt, veränderte sich die systemische Immunantwort. Zudem beeinflussten die Kunststoffpartikel die Antikörperreaktion gegen die jeweiligen Allergene.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Mikroplastik im Körper nicht nur passiv vorhanden ist. „Unsere Studie zeigt, dass PET-Mirkoplastik nicht einfach im Körper verbleibt, sondern aktiv Immunreaktionen beeinflusst, die an der Entstehung und Verstärkung allergischer Reaktionen und Entzündungen beteiligt sind“, erklärte Studienleiterin Michelle Epstein. Damit rückt eine mögliche gesundheitliche Auswirkung von Mikroplastik stärker in den Fokus. Während die Umweltbelastung durch Kunststoffpartikel seit Jahren dokumentiert wird, ist über deren Einfluss auf biologische Prozesse noch vergleichsweise wenig bekannt.

Ergebnisse nicht direkt auf den Menschen übertragbar

Die Forschenden betonen jedoch, dass die Untersuchungen im Mausmodell durchgeführt wurden. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht unmittelbar auf den Menschen übertragen. Sie liefern jedoch Hinweise darauf, dass Mikroplastik möglicherweise stärker in immunologische Prozesse eingreift als bisher angenommen. Weitere Studien sollen nun klären, welche Bedeutungen diese Beobachtungen unter realen Bedingungen für den Menschen haben könnten.

APA



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