Vitamin D verhindert Asthma- und COPD-Schübe nicht


Viktoria Anderle

Symbolbild: Eine Frau sitzt auf einem Sofa und hustet in ihre Hand, während sie sich mit der anderen Hand an die Brust fasst.
Mit elf zusätzlichen Studien konnte der 2016 noch vermutete Schutz vor Asthmaanfällen im aktualisierten Cochrane Review nicht mehr bestätigt werden.AdobeStock_594050965/Liubomir

Niedrige Vitamin-D-Werte treten bei Menschen mit Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) häufig auf. Daraus entstand die Hoffnung, dass eine zusätzliche Einnahme akute Krankheitsverschlechterungen verhindern könnte. Zwei Cochrane Reviews zeigen nun jedoch: Für die meisten Betroffenen senkt Vitamin D weder das Risiko solcher Schübe noch verbessert es die Lungenfunktion oder die Beschwerden.

Asthma und COPD zählen zu den häufigsten Lungenerkrankungen. Bei beiden sind die Atemwege verengt, wodurch es zu Atemnot und Husten kommen kann. Der Krankheitsverlauf unterscheidet sich jedoch deutlich.

Bei Asthma ist die Verengung der Atemwege meist vorübergehend und häufig auf entzündliche Reaktionen gegenüber Allergenen oder anderen Reizen zurückzuführen. Bei COPD nimmt die Lungenfunktion hingegen in der Regel dauerhaft ab. Typisch für beide Erkrankungen sind Exazerbationen, also akute Verschlechterungen der Beschwerden. Je nach Schweregrad können dabei systemische Corticosteroide, Antibiotika oder eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich werden.

Viele Menschen mit Asthma oder COPD weisen niedrige Vitamin-D-Konzentrationen im Blut auf. Beobachtungsstudien brachten diese mit einem höheren Risiko für Exazerbationen in Verbindung. Ob ein niedriger Wert den ungünstigeren Verlauf mitverursacht oder lediglich eine Begleiterscheinung der Erkrankung ist, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Mehr als 3500 Personen untersucht

Zwei Cochrane Reviews gingen daher der Frage nach, ob die Gabe von Vitamin D Exazerbationen verhindern und die Krankheitskontrolle verbessern kann. Berücksichtigt wurden doppelblinde, randomisierte und placebokontrollierte Studien. Diese Studienform eignet sich laut den Wissenschaftler:innen besonders gut, um mögliche ursächliche Wirkungen einer Behandlung zu untersuchen.

Der Cochrane Review zu Asthma umfasste 20 Studien mit insgesamt 2225 Kindern und Erwachsenen. Darunter waren 15 Studien mit Kindern. Die Untersuchungszeiträume lagen zwischen drei und 40 Monaten. Die meisten Teilnehmenden hatten leichtes bis mittelschweres Asthma.

In den Cochrane Review zu COPD flossen zehn Studien mit insgesamt 1372 Erwachsenen ein. Die Untersuchungen dauerten zwischen sechs Wochen und 40 Monaten. Auch hier hatte die Mehrheit der Teilnehmenden eine leichte bis mittelschwere Erkrankung.

Kein Schutz vor schweren Asthmaanfällen

Bei Asthma verringerte Vitamin D weder den Anteil der Personen mit mindestens einer schweren Exazerbation noch die Häufigkeit solcher Ereignisse. Als schwer galten Asthmaanfälle, die eine Behandlung mit systemischen Corticosteroiden erforderlich machten.

Auch bei der Asthmakontrolle und der Lungenfunktion zeigte sich kein Vorteil gegenüber einem Placebo. An diesen Ergebnissen änderten weder die verabreichte Dosis noch die Häufigkeit der Einnahme oder das Alter der Teilnehmenden etwas. Die Sicherheit der Evidenz bewerteten die Autor:innen für die zentralen Ergebnisse als hoch.

Damit unterscheidet sich das Ergebnis von einer früheren Version des Cochrane Reviews aus dem Jahr 2016, die noch einen möglichen Schutz vor Asthmaanfällen nahegelegt hatte. In die aktualisierte Auswertung flossen elf zusätzliche Studien ein. Mit der größeren Datenbasis ließ sich der zuvor beobachtete Vorteil nicht mehr bestätigen.

Auch bei COPD kein relevanter Nutzen

Ein ähnliches Bild zeigte sich bei COPD. Vitamin D hatte laut Cochrane wenig bis keinen Einfluss auf die Häufigkeit mittelschwerer oder schwerer Exazerbationen, die mit systemischen Corticosteroiden, Antibiotika oder beiden behandelt werden mussten. Das galt auch für den Anteil der Personen, die während des Untersuchungszeitraums mindestens einen solchen Schub erlitten.

Die Lungenfunktion verbesserte sich durch die Supplementierung wahrscheinlich ebenfalls nicht. Für diese Einschätzung war die Sicherheit der Evidenz moderat. Auch hinsichtlich schwerwiegender unerwünschter Ereignisse zeigte sich wahrscheinlich kein Unterschied zwischen Vitamin D und Placebo.

Für die Lebensqualität und die Sterblichkeit lässt sich hingegen keine ebenso sichere Aussage treffen. Die Studien verwendeten unterschiedliche Fragebögen zur Erfassung der Lebensqualität und umfassten für diese Endpunkte teilweise nur wenige Personen. Cochrane bewertet die entsprechende Evidenz daher als wenig sicher.

Dosierungen unterschieden sich deutlich

In den Studien kamen unterschiedliche Dosierungen und Einnahmeintervalle zum Einsatz. Vitamin D wurde unter anderem täglich, wöchentlich oder monatlich verabreicht. Häufig untersucht wurden Tagesdosen von 1000 I.E. oder Monatsdosen von 100.000 I.E.

In den COPD-Studien wurde Cholecalciferol, also Vitamin D3, eingesetzt. Eine Studie untersuchte zusätzlich Calcitriol. Auch in fast allen Asthma-Studien kam Cholecalciferol zum Einsatz. Eine einzelne Untersuchung mit Calcidiol ergab Hinweise auf eine bessere Asthmakontrolle. Dieses Ergebnis reicht jedoch nicht aus, um eine Wirksamkeit zu belegen, und muss in weiteren Studien überprüft werden.

Aussage bei starkem Mangel begrenzt

Die Ergebnisse gelten vor allem für Menschen mit leichtem bis mittelschwerem Asthma oder COPD ohne ausgeprägten Vitamin-D-Mangel. Personen mit schweren Erkrankungsverläufen sowie sehr niedrigen Vitamin-D-Ausgangswerten waren in den Studien nur selten vertreten. Ob diese Gruppen von einer Supplementierung profitieren könnten, lässt sich daher nicht zuverlässig beurteilen.

Die Reviews sprechen somit nicht gegen die Behandlung eines diagnostizierten Vitamin-D-Mangels. Sie zeigen jedoch, dass Vitamin D bei den meisten Menschen mit Asthma oder COPD nicht zusätzlich zur Vorbeugung von Exazerbationen empfohlen werden kann. Die Einnahme ersetzt auch nicht die leitliniengerechte inhalative oder medikamentöse Therapie.

Die Cochrane-Zusammenfassungen sind unter den Titeln „Verringert Vitamin D das Risiko schwerer Asthmaanfälle oder verbessert es die Kontrolle der Asthmasymptome?“ und „Vitamin D bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)“ erschienen.



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