Vitamin D und Kalzium werden seit Langem empfohlen, um Knochenbrüche und Stürzen im Alter vorzubeugen. Eine Auswertung von 69 Studien mit rund 154.000 Teilnehmenden stellt diesen routinemäßigen Einsatz nun infrage. Bei Menschen ohne diagnostizierte Osteoporose fiel der Nutzen gering aus.
Fast ein Drittel der Menschen über 65 Jahre stürzt mindestens einmal jährlich. Diese Stürze sind die Hauptursache für tödliche und nicht-tödliche Verletzungen in dieser Bevölkerungsgruppe. Entsprechend verbreitet ist die Idee, mit Vitamin D und Kalzium Frakturen und Stürzen entgegenzuwirken. „Aufgrund anfänglich vielversprechender Ergebnisse wird die Vitamin-D-Supplementierung (mit oder ohne Kalzium) zur Prävention von Frakturen und Stürzen weiterhin empfohlen“, schreiben die Forschenden. Die wissenschaftlichen Belege dafür seien jedoch begrenzt.
Für die aktuelle Übersichtsarbeit wertete das kanadische Team um den klinischen Pharmazeuten Oliver Masse 69 placebokontrollierte klinische Studien mit 153.902 Teilnehmer:innen aus. Mit 87 Prozent lebten die meisten in Privathaushalten und 73 Prozent hatten kein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche oder Stürze. Primär untersuchten die Forschenden die Häufigkeit von Knochenbrüchen nach Stürzen unter Einnahme von Vitamin D, Kalzium oder beidem als Kombination im Vergleich zu einer Supplementierung.
Vitamin D allein ohne Effekt
Die Ergebnisse fallen deutlich aus: Vitamin D allein zeigte gegenüber Placebo keine Wirkung auf das Knochenbruchrisiko. Kalzium reduzierte das Risiko um neun Prozent. Auch die Kombination aus Vitamin D und Kalzium erreichte lediglich eine Reduktion der Frakturhäufigkeit um neun Prozent.
Diese Unterschiede reichen nach Bewertung der Forschenden nicht aus, um daraus einen klinischen relevanten Nutzen abzuleiten. „Auf der Grundlage absoluter Risikoreduktionen und klinisch relevanter Schwellenwerte ergab diese Übersichtsarbeit, dass die Einnahme von Kalzium, Vitamin D oder einer Kombination beider Präparate nur geringe bis keine Vorteile für die Prävention von Frakturen und Stürzen bietet“, fassen sie zusammen.
Keine Aussage für Osteoporose-Patienten
Der Befund ist allerding klar einzugrenzen. Die Ergebnisse beziehen sich überwiegend auf Menschen ohne diagnostizierte Osteoporose und ohne erhöhtes Fraktur- und Sturzrisiko. Laut den Forschenden lassen sie sich daher nicht ohne Weiteres auf Personen mit Knochenerkrankungen, einer medikamentös behandelten Osteoporose oder einer langfristigen Kortikosteroidtherapie übertragen.
Für die untersuchte Gruppe fällt das Fazit dennoch klar aus: „Die Ergebnisse sprechen nicht für eine routinemäßige Supplementierung mit Kalzium, Vitamin D oder kombinierten Präparaten zur Prävention von Frakturen oder Stürzen“.
Die systematische Übersichtsarbeitist unter dem Namen „Calcium, vitamin D, or combined supplementation to prevent fractures and falls: systematic review and meta-analysis“ im British Medical Journal erschienen.
APA
