Enlicitid: Erster oraler PCSK9-Inhibitor zugelassen


Viktoria Anderle

Tablette mit Ausrufezeichen
Enlicitid ist ein makrozyklisches Peptid, dessen Bioverfügbarkeit trotz des zugesetzten Absorptionsverstärkers Natriumcaprat bei nur rund 1 Prozent liegt.Foto: sornram/stock.adobe.com

Mit Enlicitid (Lipfendra) steht in den USA erstmals ein oral einzunehmender PCSK9-Inhibitor zur Verfügung. Der Lipidsenker wird einmal täglich als Tablette eingenommen und kann das LDL-Cholesterin deutlich reduzieren. Die Zulassung in den USA erhielt Enlicitid Mitte Juli. In der Europäischen Union wird der Zulassungsantrag derzeit noch geprüft.

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat Enlicitide am 16. Juli 2026 unter dem Handelsnamen Lipfendra zugelassen. Damit ist es der weltweit erste zugelassene oral einzunehmende PCSK9-Inhibitor. Die Zulassung umfasst 20-mg-Tabletten zur ergänzenden Behandlung neben Ernährung und Bewegung bei Erwachsenen mit Hypercholesterinämie, einschließlich einer heterozygoten familiären Hypercholesterinämie. In Österreich sind folgende PCSK9-Wirkstoffe erhältlich: Alirocumab (Praluent), Evolocumab (Repatha) und Inclisiran (Leqvio). Sie werden allerdings subkutan gespritzt.

Erstmals als Tablette

Enlicitid ist ein lipidsenkender Wirkstoff aus der Gruppe der PCSK9-Inhibitoren. Die Besonderheit: Während bisher verfügbare Wirkstoffe, die auf PCSK9 abzielen, injiziert werden müssen, kann Enlicitid oral eingenommen werden. In den USA ist der Wirkstoff als 20-mg-Filmtablette erhältlich.

Enlicitid ist ein synthetisch hergestelltes makrozyklisches Peptid und liegt im Arzneimittel als Enlicitiddecanoat vor. Makrozyklische Peptide sind vergleichsweise große Moleküle und werden im Magen-Darm-Trakt normalerweise nur schlecht aufgenommen. Die Tabletten enthalten daher Natriumcaprat als Absorptionsverstärker. Dennoch liegt die Bioverfügbarkeit bei lediglich rund 1 Prozent.

Enlicitid bindet an die Proproteinkonvertase Subtilisin/Kexin Typ 9 (PCSK9). Dieses Protein fördert den Abbau von LDL-Rezeptoren auf der Oberfläche von Leberzellen. Durch die Hemmung der Interaktion zwischen PCSK9 und den Rezeptoren stehen mehr LDL-Rezeptoren zur Verfügung. Die Leber kann dadurch mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut aufnehmen. Folglich sinkt der LDL-Cholesterinspiegel bei den Anwender:innen.

Einmal täglich mit Wasser, schwarzem Kaffee oder Tee

Die empfohlene Dosierung beträgt einmal täglich 20 Milligramm. Die Tablette wird morgens auf nüchternen Magen mit Wasser, schwarzem Kaffee oder ungesüßtem Tee eingenommen. Anschließend darf mindestens 30 Minuten lang nichts gegessen werden. Andere Getränke sollen in diesem Zeitraum ebenfalls vermieden werden. Die Tablette muss im Ganzen geschluckt werden.

In den zulassungsrelevanten Phase-III-Studien senkte Enlicitid das LDL-Cholesterin nach 24 Wochen gegenüber Placebo um 56 beziehungsweise 59 Prozent. Untersucht wurden insgesamt 3207 Erwachsene, die bereits eine maximal verträgliche Statintherapie erhielten. Häufiger als unter Placebo traten in der Studie mit Patient:innen mit heterozygoter familiärer Hypercholesterinämie Schwindel und Durchfall auf.

Ob die Behandlung mit Enlicitid auch das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle oder kardiovaskulär bedingte Todesfälle senkt, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Dies wird in der laufenden Studie CORALreef Outcomes mit mehr als 14.500 Teilnehmer:innen untersucht.

Anwendungsgebiete

Enlicitid ist in den USA begleitend zu Ernährung und Bewegung zur Senkung des LDL-Cholesterins bei Erwachsenen mit Hypercholesterinämie zugelassen. Das Anwendungsgebiet umfasst auch die heterozygote familiäre Hypercholesterinämie. Dabei handelt es sich um eine erblich bedingte Fettstoffwechselstörung, bei der bereits in jungen Jahren stark erhöhte LDL-Cholesterinwerte auftreten können.

Zulassungsstatus in Europa

Für die Zulassung in den USA wurde die Entscheidung aufgrund der Phase-III-Studien CORALreef Lipids und CORALreef HeFH getroffen.  In der Europäischen Union ist Enlicitid bislang nicht zugelassen. Der Zulassungsantrag für die Behandlung der primären Hypercholesterinämie oder gemischten Dyslipidämie wird derzeit geprüft. Eine Empfehlung des Ausschusses für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur und eine Zulassungsentscheidung der Europäischen Kommission liegen noch nicht vor.



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