Hantavirus: Selten, aber gefährlich?


Sanja Agatic

Symbolbild: Eine Hand mit blauem Schutzhandschuh legt den Schriftzug "Hantavirus" frei.
Das Hantavirus wird meist über Ausscheidungen infizierter Nagetiere übertragen und kann schwere Krankheitsverläufe verursachen.Foto:stock.adobe.com/Dzmitry

Drei Todesfälle auf einem Kreuzfahrtschiff im Atlantik sorgen derzeit international für Aufmerksamkeit. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen mehrere Personen an einer Infektion mit dem Hantavirus erkrankt sein. Doch was genau steckt hinter dem Erreger und wie gefährlich ist er wirklich?

Wie Medien berichten, ereigneten sich die Fälle auf dem Kreuzfahrschiff „Hondius“. Drei Menschen, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, starben mutmaßlich infolge einer Hantavirus-Infektion, drei weitere Personen werden medizinisch betreut. Eine epidemiologische Untersuchung läuft derzeit. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus.

Die WHO geht davon aus, dass die Infektionskette von einem inzwischen verstorbenen niederländischen Ehepaar ausgegangen sein könnte, das sich vermutlich noch vor der Einschiffung in Argentinien angesteckt hatte.

Was ist das Hantavirus?

Beim Hantavirus handelt es sich nicht um ein einzelnes Virus, sondern um eine Gruppe von Viren aus der Familie der Hantaviridae. Sie kommen weltweit vor und werden hauptsächlich von Nagetieren wie Mäusen oder Ratten übertragen. Die Tiere selbst zeigen meist keine Symptome, können die Viren aber über Urin, Kot und Speichel ausscheiden. Menschen infizieren sich meist indirekt, etwa wenn virushaltiger Staub eingeatmet wird. Das kann beispielsweise beim Ausmisten von Kellern, Gartenhütten, Garagen oder Lagerräumen passieren, in denen sich Nagetiere aufgehalten haben. Seltener erfolgt die Ansteckung über verunreinigte Lebensmittel oder direkten Kontakt.

Welche Symptome verursacht das Virus?

Die Erkrankung beginnt häufig plötzlich mit grippeähnlichen Beschwerden. Möglich sind:

  • Akuter Krankheitsbeginn mit hohem Fieber (> 38,5 C)
  • Starke Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen
  • Müdigkeit
  • Übelkeit und Bauchschmerzen
  • Sehstörungen
  • Innere Blutungen, Hypotonie, Schock (hämorrhagisches Fieber)

Je nach Virusvariante kann die Erkrankung unterschiedlich schwer verlaufen. In Europa, Asien und Afrika stehen häufig Nierenprobleme im Vordergrund (Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom). In Nord- und Südamerika können bestimmte Hantavirus-Typen schere Lungenerkrankungen verursachen, das sogenannte Hantavirus-Lungensyndrom. Dieses kann innerhalb kurzer Zeit zu schwerer Atemnot und lebensbedrohlichem Organversagen führen. Die Inkubationszeit beträgt üblicherweise 2 bis 4 Wochen, kann in Ausnahmefällen aber auch bis zu 60 Tage betragen.

Keine gezielte Therapie

Eine gezielte antivirale Therapie gegen Hantaviren existiert derzeit nicht. Die Behandlung erfolgt unterstützend, etwa durch Flüssigkeitszufuhr, Sauerstoffgabe oder intensivmedizinische Betreuung bei schweren Verläufen. Entscheidend ist deshalb vor allem die frühe medizinische Abklärung bei Verdacht auf eine Infektion. Um eine Infektion zu vermeiden, sollte der Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidung vermieden werden. Räume mit möglichem Mäusebefall sollten gut gelüftet und feucht gereinigt werden, um virushaltigen Staub nicht einzuatmen.

In Europa gelten Hantavirus-Infektionen insgesamt als selten, treten jedoch immer wieder auf. Auch in Österreich werden vereinzelte Fälle registriert, meist im Zusammenhang mit dem Kontakt zu Nagetieren, hier gilt die Rötelmaus als bedeutendes Wirtstier oder deren Ausscheidungen.



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