Illegale Arzneimittel: Interpol stellt Millionen Dosen sicher


Redaktion

Symbolbild: Ein Comic zeigt mehrere rot-weiße Kapseln. Hinter einen blau-weißen steht ein Comic-Männchen mit Hut und Mantel in schwarz gekleidet. Es fällt die Kapsel fest und es steht "Fake" drauf mit einem Totenkopf Symbol.
Eine internationale Ermittlungsaktion deckt erneut weltweiten Handel mit gefälschten Arzneimitteln auf.madedee/AdobeStock_1622575360

Gefälschte Potenzmittel, Sedativa und Schmerzmittel zählen zu den weltweit am häufigsten beschlagnahmten illegalen Arzneimitteln. Gleichzeitig beobachten Ermittler der Interpol neue Trends rund um Peptide, Anabolika und gefälschte GLP-1-Produkte. Im Rahmen der internationalen Operation Pangea XVIII stellten Behörden in rund 90 Ländern mehr als 6,4 Millionen Dosen illegaler oder gefälschter Medikamente sicher.

Eine im März dieses Jahres durchgeführte internationale Schwerpunktaktion unter der Leitung von Interpol macht einmal mehr das Ausmaß des weltweiten Handels mit gefälschten und illegalen Arzneimitteln deutlich. Im Rahmen der Operation Pangea XVIII wurden in rund 90 Ländern, darunter auch Österreich, mehr als 6,4 Millionen Dosen nicht zugelassener oder gefälschter Medikamente im Wert von rund 15,5 Millionen US‑Dollar sichergestellt.

„Die Erfolgsbilanz dieser internationalen Operation zeigt leider im negativen Sinne eindrucksvoll, wie organisiert und grenzüberschreitend kriminelle Netzwerke bei Arzneimittelfälschungen agieren. Und wieder ist es insbesondere der Onlinehandel, der ein zentrales Einfallstor darstellt, das gezielt von diesen Banden genutzt wird. Die sichergestellten Präparate bergen hohes Gefahrenpotenzial, da sie häufig falsche oder minderwertige Wirkstoffe enthalten, falsch dosiert oder verunreinigt sind“, warnt Alexander Herzog, Generalsekretär der Pharmig. Die Pharmig ist eine freiwillige Interessenvertretung der pharmazeutischen Industrie in Österreich.

Top 3: Potenzmittel, Sedativa und Analgetika

Bei den sichergestellten Präparaten handelte es sich insbesondere um vermeintliche Potenzmittel, Beruhigungs- und Schmerzmittel, Antibiotika sowie Lifestyle- und Abnehmprodukte, die häufig über Onlineplattformen und soziale Medien vertrieben werden.

Die zehn häufigsten Kategorien beschlagnahmter Arzneimittel sind laut Interpol:

  • Potenzmittel (682.317 beschlagnahmte Dosen)
  • Hypnotika und Sedativa (620.949 beschlagnahmte Dosen)
  • Analgetika (502.611 beschlagnahmte Dosen)
  • Antibiotika (465.473 beschlagnahmte Dosen)
  • Produkte zur Raucherentwöhnung (376.143 beschlagnahmte Dosen)
  • Vitamine (303.762 beschlagnahmte Dosen)
  • Antiparasitika (exklusive Antimalariamittel) (149.092 beschlagnahmte Dosen)
  • Entzündungshemmer/Antirheumatika (95.776 beschlagnahmte Dosen)
  • Psychotrope Mittel (87.838 beschlagnahmte Dosen)
  • Anabole Steroide (86.732 beschlagnahmte Dosen)

Die zehn Länder mit den höchsten Mengen an beschlagnahmten illegalen Pharmazeutika:

  • Vereinigtes Königreich (2.122.591 beschlagnahmte Dosen)
  • Kolumbien (1.473.434 beschlagnahmte Dosen)
  • Australien (752.617 beschlagnahmte Dosen)
  • Burkina Faso (430.360 beschlagnahmte Dosen)
  • Türkei (344.874 beschlagnahmte Dosen)
  • Vereinigte Staaten (342.610 beschlagnahmte Dosen)
  • Kanada (269.940 beschlagnahmte Dosen)
  • Irland (157.422 beschlagnahmte Dosen)
  • Malaysia (130.866 beschlagnahmte Dosen)
  • Frankreich (109.748 beschlagnahmte Dosen)

Dazu Herzog: „Wer Medikamente über dubiose Internetseiten oder soziale Netzwerke bezieht, setzt sich ernsthaften Risiken aus. Was wie ein günstiges Angebot erscheint, kann im Extremfall das Leben kosten. Sicherheit besteht ausschließlich entlang der legalen Lieferkette, also über streng kontrollierte Vertriebswege, zu denen zertifizierte Online- und niedergelassene Apotheken zählen.“

Kein fernes Problem

Was speziell Österreich betrifft, so wurden laut aktuellem Produktpirateriebericht des Bundesministeriums für Finanzen (2025) zuletzt über 398.000 gefälschte oder illegale Medikamente beschlagnahmt. Diese Zahl verdeutlicht, dass Arzneimittelfälschungen kein fernes Problem sind, sondern auch den heimischen Markt betreffen und eine konkrete Gefahr für Patient:innen darstellen.

„Die aktuellen Zahlen aus Österreich und die internationalen Ermittlungserfolge zeigen klar, dass der Kampf gegen den illegalen Arzneimittelhandel konsequent fortgesetzt werden muss. Notwendig sind weiterhin Aufklärung, Kontrollen und ein klares Bewusstsein in der Bevölkerung, dass Sicherheit bei Medikamenten oberste Priorität hat“, so Herzog.

International: Anabolika dominieren bei Leistungssteigerung

Die Nachfrage nach Arzneimitteln, die mit Leistung und Lebensstil zusammenhängen, wächst weiter an, wobei Anabolika erneut die dominierende Kategorie sind: Weltweit wurden 86.732 Dosen sichergestellt.

Die Nachfrage wird vor allem durch die Bodybuilding‑ und Fitness‑Communitys getrieben. Die Herstellung wurde vor allem in Teilen Osteuropas und Südosteuropas, sowie in etablierten Produktionszentren in Indien, im Vereinigten Königreich und in den Vereinigten Staaten festgestellt.

In Bulgarien haben Behörden eine geheime Produktionsanlage zerstört und Millionen falsch etikettierter Tabletten, Ampullen und Injektionslösungen beschlagnahmt. Biser Vuchkov, Direktor der Abteilung Internationale Zusammenarbeit im bulgarischen Innenministerium, sagte dazu: „Durch die fortgesetzte Teilnahme Bulgariens an Interpols Operation Pangea zeigen wir unerschütterlichen Willen im Kampf gegen illegale Arzneimittel, beim Zerschlagen krimineller Netzwerke und beim Schutz der öffentlichen Gesundheit.“

Peptid‑Ampullen und verunreinigte GLP-1-Analoga

Behörden auf der ganzen Welt stellten außerdem einen wachsenden Bedarf an Peptiden fest – synthetische Substanzen, die online für Muskelaufbau, Fettverlust und Regeneration beworben werden. Ursprünglich im Forschungskontext verwendet, werden diese Produkte heute großflächig als „Forschungschemikalien“ oder „Kosmetik‑Peptide“ verkauft, um der Kontrolle zu entgehen, obwohl sie keine zugelassene Dosierung und keine anerkannten Sicherheitsstandards für die Anwendung am Menschen aufweisen. In Australien, Irland und Neuseeland wurden erhebliche Sicherstellungen gemeldet. Bei mehreren Einsätzen wurden Hunderte Peptid‑Ampullen beschlagnahmt.

Unterdessen hat die hohe Nachfrage nach GLP‑1‑Arzneimitteln, die ursprünglich zur Behandlung von Diabetes entwickelt wurden, aber nun häufig zum Abnehmen eingesetzt werden, kriminellen Netzwerken neue Möglichkeiten eröffnet. Die Interpol erklärt, dass illegale Versionen häufig in Asien hergestellt würden und online bereits für rund 10 US‑Dollar erhältlich seien. In einigen Fällen wurden sie mit Sibutramin versetzt, einer Substanz, die in vielen Ländern wegen Zusammenhängen mit Herzinfarkten und Schlaganfällen verboten ist.

PRESSEMITTEILUNG PHARMIG / INTERPOL



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