Hausärzteverband warnt: Regierungsreform könne wohnortnahe Versorgung gefährden


Redaktion

Der Österreichische Hausärzteverband kann das Reformpapier der Bundesregierung nicht nachvollziehen, teilte er in einer Presseaussendung mit.IAdobeStock_296904883/ryna

Der Österreichische Hausärzteverband (ÖHV) zeigt wenig Verständnis für das am 1. Juli veröffentlichte Reformpapier der Bundesregierung. Aus Sicht der Hausärzteschaft zeichnet sich darin eine klare Stoßrichtung ab: Während staatlich geförderte Primärversorgungszentren (PVZ) weiter ausgebaut werden sollen, gerät die klassische Kassenpraxis ohne vergleichbare Unterstützung zunehmend unter Druck.

„Nicht die wohnortnahe Hausarztpraxis wird gestärkt, sondern ein massiv subventioniertes Parallelmodell. Das ist eine klare Wettbewerbsverzerrung“, kritisiert die Präsidentin des ÖHV, Dr. Angelika Reitböck. „Klassische Kassenordinationen tragen ihr unternehmerisches Risiko selbst, PVZ werden mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert. Gleiche Leistungen – völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen.“

Dabei sichern gerade die freiberuflichen Hausarztpraxen seit Jahrzehnten den Großteil der medizinischen Grundversorgung. Gleichzeitig steigen ihre Belastungen kontinuierlich: mehr Patientinnen und Patienten, zusätzliche Leistungen aus den Spitälern, zunehmende Bürokratie, unbesetzte Kassenstellen und Honorarlimitierungen.

Unverständnis: PVZ gefördert, Kassenordinationen nicht

Besonders unverständlich ist für den ÖHV, dass Millionenbeträge in den Ausbau von PVZ fließen, während bestehende Kassenordinationen keinerlei vergleichbare Investitionsförderung erhalten. „Mit einer normalen Kassenhonorierung wären viele PVZs wirtschaftlich gar nicht zu betreiben. Die klassische Hausarztpraxis muss dagegen ohne Subventionen auskommen“, so Reitböck.

Der ÖHV warnt davor, ein bewährtes Versorgungssystem schrittweise durch ein kostenintensives Fördermodell zu ersetzen. Mit der klassischen Hausarztpraxis würden langfristige Arzt-Patienten-Beziehungen, wohnortnahe Versorgung, freie Arztwahl und die freiberufliche Unabhängigkeit medizinischer Entscheidungen entscheidend geschwächt.

Auch aus Sicht der Versorgungssicherheit sieht der Verband Risiken: Fällt eine Einzelpraxis aus, können umliegende Ordinationen einspringen. Fällt hingegen ein großes PVZ aus, kann eine ganze Region gleichzeitig betroffen sein.

Modernisierung des Kassenvertrags gefördert

Der ÖHV fordert daher eine Modernisierung des Kassenvertrags, eine faire und inflationsangepasste Honorierung, den Abbau von Honorarlimitierungen und Bürokratie sowie Investitionsförderungen auch für bereits bestehende Hausarztpraxen.

„Wir sind nicht gegen Reformen. Aber Reformen dürfen nicht bedeuten, dass ein funktionierendes System durch ein staatlich subventioniertes Modell verdrängt wird. Moderne Kassenmedizin braucht faire Wettbewerbsbedingungen – keine politischen Gewinner und Verlierer“, betont Dr. Angelika Reitböck.

OTS ÖHV



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