Apotheke als Reformpartner: Kammer fordert stärkere Rolle im Gesundheitssystem


Redaktion

Die Außenfassade des Apothekerhauses in der Spitalgasse.
Öffentliche Apotheken wollen bei der Gesundheitsreform künftig stärker als zentrale Versorgungs- und Präventionseinrichtungen eingebunden werden.TARA24

Öffentliche Apotheken sollen bei der geplanten Gesundheitsreform nicht nur mitgedacht, sondern als tragende Säule der Versorgung verankert werden. Das fordert die Österreichische Apothekerkammer und verweist auf die tägliche Versorgungsleistung, bestehende Strukturen sowie das Potenzial neuer pharmazeutischer Dienstleistungen.

Die Gesundheitsversorgung in Österreich steht vor großen Herausforderungen. Eine ältere werdende Bevölkerung, steigende medizinische Anforderungen, technologische Entwicklungen und finanzielle Grenzen setzen das System zunehmend unter Druck. Nach Ansicht der Österreichischen Apothekerkammer braucht es deshalb keine neuen Verwaltungsebenen, sondern eine konsequente Nutzung bereits etablierter Versorgungsstrukturen. Mehr als 7000 Apothekerinnen und Apotheker leisten österreichweit täglich einen wesentlichen Beitrag zur wohnortnahen Gesundheitsversorgung. Gerade angesichts stark ausgelasteter Ordinationen und Ambulanzen könnten öffentliche Apotheke einen noch größeren Beitrag leisten, wenn ihre Kompetenzen stärker in die Reform eingebunden würden.

Apotheken als erster Ansprechpartner

Mit rund 1450 öffentlichen Apotheken und bis zu 600.000 Patientenkontakten pro Tag seien Apotheken bereits heute einer der am häufigsten genutzten Anlaufpunkte im Gesundheitswesen. Aus Sicht der Apothekerkammer macht sie das zu einem unverzichtbaren Bestandteil jeder Reform, die Versorgungswege neu ordnen möchte. Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr betont: „Österreichs Apothekenwesen stellt eine unverzichtbare Säule der wohnortnahen Gesundheitsversorgung dar.“ Gerade in Zeiten steigender Anforderungen würden Apotheken dazu beitragen, andere Bereiche des Gesundheitssystems spürbar zu entlasten.

Bestehende Strukturen statt neuer Bürokratie

Die Standesvertretung spricht sich dafür aus, bewährte und krisenfeste Versorgungswege auszubauen, anstatt neue und kostenintensive Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Leistungen sollten dort erbracht werden, wo sie medizinisch sinnvoll und für Patientinnen und Patienten leicht erreichbar sind. Andernfalls drohten längere Wartezeiten, unnötige Doppeluntersuchungen und unübersichtliche Versorgungswege. Die Apothekerkammer fordert daher, öffentliche Apotheken künftig nicht als Ergänzung, sondern als festen Bestandteil der Gesundheitsreform zu betrachten. Wer Versorungswege neu gestalten wolle, ohne die bestehende Apothekenstruktur einzubeziehen, verschenke Potenzial, sowohl bei der Erreichbarkeit als auch bei Effizienz und Kosteneinsparungen.

Neue Dienstleitungen als Chance

Als Beispiele für bereits bestehende Innovationen nennt die Apothekerkammer unter anderem die ApoApp, assistierte Telemedizin in Apotheken sowie gezielte Präventionsangebote im Rahmen eines persönlichen Präventionskontos. Die Apothekerschaft sei bereit, ihre fachliche Kompetenz und digitale Erfahrung aktiv in die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems einzubringen. „Reformen gelingen nicht durch zusätzliche Verwaltungsebenen und neue Bürokratie, sondern durch die konsequente Nutzung dessen, was in der Fläche bereits funktioniert“, hält die Apothekerkammer fest.

Klare Forderungen an die Politik

Damit Apotheken ihre Möglichkeiten künftig umfassend ausschöpfen können, fordert die Standesvertretung verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu zählen insbesondere eine nachhaltige Finanzierung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen sowie klare rechtliche Grundlagen für innovative Versorgungsmodelle. Abschließend unterstreicht die Apothekerkammer ihre Bereitschaft, den Reformprozess aktiv mitzugestalten. Entscheidend sei nun, dass die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit Apotheken ihr volles Potenzial im Sinne der Patientinnen und Patienten entfalten können.

OTS



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