Mit „Wir sind Wien“ tritt bei der Apothekerverbandswahl im Herbst 2026 eine neue Liste selbständiger Apothekerinnen in Wien an. Bei einem Frühstücksgespräch sprachen die sieben Kandidatinnen mit ÖVP-Gesundheitssprecherin Dr. Juliane Bogner-Strauß über den wirtschaftlichen Druck in öffentlichen Apotheken, Bürokratie, Online-Apotheken und das Thema Impfen.
Am 22. Juni lud die neue Gruppierung „Wir sind Wien“ zu einem Frühstücksgespräch ins Café Museum. Die sieben selbständigen Apothekerinnen treten bei der Apothekerverbandswahl im Herbst 2026 erstmals gemeinsam an und nutzten die Veranstaltung, um ihre Wahlkampfthemen vorzustellen, sich zu vernetzen und Anliegen der selbständigen Apothekerschaft mit der Politik zu diskutieren. Zu Gast war die ÖVP-Gesundheitssprecherin Dr. Juliane Bogner-Strauß.
Weibliche Sichtweise stärker vertreten
Neben Prinz-Stremitzer kandidieren Karoline Sindelar, Sabine Lexer, Nikola Trauner, Sabine Ecker, Waltraut Paß und Tatjana Mladenovic. Sie wollen die Perspektive selbständiger Apothekerinnen künftig stärker in die Verbandsarbeit einbringen.
„Wir haben in Wien 340 Apotheken und tatsächlich sind 210 Konzessionen davon in weiblicher Hand. Im Apothekerverband sind aber von 13 Wiener Mandaten elf mit Männern besetzt“, erklärte Prinz-Stremitzer bei der Eröffnung des Frühstücksgesprächs mit Bogner-Strauß. „Wir fühlen uns daher nicht ausreichend abgebildet im Verband. Uns fehlt eine Stimme in der Spitalgasse“, führt sie weiter aus. Man wolle eine weibliche Sichtweise einbringen, denn „wir Frauen haben andere Blickwinkel und würden diese gerne teilen“.
Wirtschaftlicher Druck und Bürokratie
Ein zentrales Anliegen der Gruppe sei zudem ein stärkerer Austausch selbständiger Apothekerinnen und Apotheker. „Wir wollen die Vernetzung fördern. Dazu haben wir beispielsweise eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen“, erklärte Prinz-Stremitzer.
Die Kandidatinnen verwiesen auf wirtschaftliche Herausforderungen und zunehmende bürokratische Anforderungen im Apothekenalltag. „Wir wollen anpacken, anstatt nur zu verwalten. Wir wollen einen frischen Wind bringen“, erklärt Sindelar. Gleichzeitig müssten die Apotheken „zukunftsfit“ werden, um auch künftig gegenüber Online-Anbietern bestehen zu können, gibt sie zu bedenken.
„Mir ist es als Neu-Konzessionärin wichtig, ebenfalls neue Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen und ein Sprachrohr zu sein“, betonte Ecker. Trauner ergänzt: „Ich kenne die Bürokratie in- und auswendig. Ein Abbau dieser wäre wünschenswert und liegt mir am Herzen.“ Für Paß steht vor allem die Zukunft der Mitarbeitenden im Mittelpunkt: „Mir ist es wichtig, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Arbeitsplatz zu erhalten und auch die Freude an der Arbeit, trotz der herausfordernden Zeiten.“
Auch Online-Apotheken waren ein häufig diskutiertes Thema. Mehrere Teilnehmer:innen äußerten dabei Sorgen über die zunehmende Konkurrenz durch online Versandapotheken. Aus dem Publikum wurde darauf hingewiesen, dass öffentliche Apotheken oftmals die Beratungsleistung übernehmen würden, während Kund:innen die Produkte anschließend online bestellen. „Wir brauchen diese Einnahmen nicht, um reich zu werden, sondern um unsere Betriebe führen zu können“, hieß es aus dem Publikum.
Apotheken stärken
Bogner-Strauß betonte die Bedeutung öffentlicher Apotheken für das Gesundheitssystem: „Wir (Anm. d. Red.: die Politik) wollen die Apotheken stärken. Sie sind wichtig, um die Gesundheitskompetenz der Menschen zu erhöhen, und auch für die Prävention spielen sie eine zentrale Rolle.“

Auf die Frage nach der Zukunft von Online-Apotheken erklärte sie: „Das ist ein schwieriges Thema. Man kann sie nicht verbieten und wir können uns davor nicht verschließen.“ Sie verstehe jedoch den Appell der Apothekerschaft, dass rezeptpflichtige Arzneimittel nicht in den Versandhandel abwandern dürften. „Das ist auch nicht unser Ziel“, so Bogner-Strauß.
Impfen: Wie geht es weiter?
Auch das Thema Impfen in Apotheken wurde angesprochen. Auf die Frage, wann denn das Impfen in den Apotheken losgehe, erklärte Bogner-Strauß, dass sie derzeit keinen konkreten Zeitplan nennen könne. Die weiteren Schritte würden vom Gesundheitsministerium vorgegeben werden. Als mögliche erste Anwendungsbereiche nannte sie Impfungen gegen Influenza und COVID-19. Gleichzeitig betonte sie, dass entsprechende Entscheidungen noch ausständig seien. „Bitte haben Sie hier Geduld. Gut Ding braucht Weile.“
Zum Abschluss richtete sie einen Appell an die Apothekerschaft: „Sie sind eine starke Community. Bleiben Sie dran. Sprechen Sie die Politik auf Ihre Wünsche an. Seien Sie laut!“
Wahl im Herbst 2026
Bei der Apothekerverbandswahl werden österreichweit 53 Mandate vergeben, davon 13 in Wien. Die Wahl für die Funktionsperiode 2027 bis 2031 wird im Herbst 2026 durchgeführt. Das Wahlergebnis wird am 30. September 2026 festgestellt.
