Ein Mückenstich, ein aufgeschürftes Knie oder eine aufgekratzte Stelle, mehr brauchen die Erreger oft nicht. Gerade im Sommer hat die Borkenflechte (Impetigo contagiosa) Hochsaison. Weil die hoch ansteckende bakterielle Hautinfektion anfangs harmlos aussieht, wird sie häufig erst spät erkannt.
Impetigo contagiosa ist eine oberflächliche bakterielle Hautinfektion, die überwiegend durch Staphylococcus aureus, seltener durch Streptococcus pyogenes, verursacht wird. Betroffen sind vor allem Säuglinge und Kinder im Kindergarten- und Volksschulalter. Charakteristisch sind kleine Bläschen oder Pusteln, die rasch aufplatzen und den typischen honiggelben Schorf hinterlassen, meist rund um Mund, Nase oder an den Händen.
Warum treten die Fälle im Sommer öfter auf?
Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit weichen die Haut auf und erleichtern Bakterien das Eindringen. Gleichzeitig entstehen beim Spielen im Freien häufiger kleine Verletzungen oder aufgekratzte Insektenstiche. Diese dienen den Erregern als Eintrittspforte. Eine Übersichtsarbeit von Bowen (The Lancet Infectious Diseases) zeigt, dass Impetigo weltweit zu den häufigsten bakteriellen Hauterkrankungen im Kindesalter gehört und in warmen Klimazonen deutlich häufiger vorkommt.
Die Erkrankung verbreitet sich leicht durch direkten Hautkontakt oder gemeinsam benutzte Gegenstände wie Handtücher, Waschlappen oder Spielzeug. Hinzu kommt noch: Kinder kratzen häufig an den juckenden Stellen. Dadurch gelangen die Erreger unter die Fingernägel und werden auf andere Hautbereiche übertragen. Aus einer einzelnen Blase können innerhalb weniger Tage zahlreiche neue Herde entstehen.
Irrtümer und Verwechslungen
Die Erkrankung beginnt oft unauffällig und wird deshalb leicht mit Hitzepickeln, Neurodermitis oder einem aufgekratzten Insektenstich verwechselt. Der entscheidende Hinweis ist der honiggelbe Schorf, der sich nach dem Aufplatzen der Bläschen bildet. Viele Kinder fühlen sich dabei kaum krank, trotzdem sind sie hoch ansteckend.
Fetthaltige Pflegeprodukte helfen jedoch nicht gegen die bakterielle Ursache. Breiten sich die Hautveränderungen aus oder entstehen mehrere Herde, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen. Die S3-Leitlinie zu bakteriellen Haut- und Weichteilinfektionen (AWMF) empfiehlt je nach Ausprägung eine lokale oder systemische antibiotische Behandlung. Ziel ist nicht nur die Heilung, sondern auch, weitere Ansteckungen zu verhindern.
Nicht jeder Ausschlag sollte vorschnell mit einer kortisonhaltigen Creme behandelt werden. Wird eine bakterielle Hautinfektion fälschlicherweise als Ekzem interpretiert, kann Kortison die lokale Immunabwehr abschwächen und die Infektion verschleiern.
