Neuerungen im österreichischen Impfplan


Viktoria Anderle

Symbolbild: Medizinflasche, Maske und Spritze auf einem Blatt Papier mit einer Karte von Österreich.
Erstmals wurden im Impfplan Österreich auch internationale Impfziele bis 2030 aufgenommen. Hohe Impfquoten stärken den Gemeinschaftsschutz und können dazu beitragen, einzelne Erreger regional zu eliminieren oder langfristig auszurotten.FranciscoJavier/AdobeStock_384910851

Mitte September wurde der österreichische Impfplan 2026/2027 veröffentlicht. Eine wesentliche Änderung betrifft die Auffrischungsimpfung gegen Pertussis: Für Personen unter 60 Jahren wird das Intervall wieder auf zehn Jahre verlängert. Aktualisiert wurden außerdem die Empfehlungen zu COVID-19, Pneumokokken, Poliomyelitis, RSV und Herpes Zoster. Auch mehrere Kapitel zu Reiseimpfungen wurden grundlegend überarbeitet.

Der österreichische Impfplan orientiert sich nicht nur an der nationalen Situation, sondern auch an international festgelegten Impfzielen. Hohe Durchimpfungsraten sollen Infektionsketten unterbrechen, den Gemeinschaftsschutz stärken und Krankheitsausbrüche verhindern, zumal Infektionserkrankungen nicht an Ländergrenzen haltmachen.

Bis 2030 gelten international konkrete Impfratenziele, zu denen sich auch Österreich bekennt. Angestrebt werden unter anderem 90 Prozent Durchimpfung bei Kindern mit drei Dosen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Pneumokokken sowie 95 Prozent bei Hepatitis B und Masern. Bei HPV sollen 90 Prozent der Mädchen bis zum Alter von 15 Jahren vollständig geimpft sein und die Impfrate bei Jungen deutlich steigen. Für Influenza werden 75 Prozent bei älteren und besonders gefährdeten Personen angestrebt, bei Polio liegt der operative Schwellenwert zur Eradikation bei 90 Prozent.

Pertussis: Auffrischung wieder alle zehn Jahre

Nach der Grundimmunisierung und den Auffrischungsimpfungen im Kindes- und Jugendalter wird Erwachsenen unter 60 Jahren die Auffrischung gegen Pertussis künftig wieder alle zehn Jahre empfohlen. Verwendet wird ein Dreifach-Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis. Ab dem vollendeten 60. Lebensjahr bleibt es beim Intervall von fünf Jahren.

Laut Impfplan wurden 2025 in Österreich 1913 Pertussis-Fälle gemeldet. Besonders gefährdet sind Säuglinge. Als möglicher Grund für die weiterhin hohen Fallzahlen wird angeführt, dass empfohlene Impfungen teilweise zu spät verabreicht werden.

Polio: Auffrischung bei spezieller Indikation

Auch die Empfehlung zur Poliomyelitis-Impfung wurde angepasst. Nach abgeschlossener Grundimmunisierung und mindestens zwei Auffrischungsimpfungen sind weitere Polio-Auffrischungen nur noch bei spezieller Indikation vorgesehen. In diesem Fall soll alle zehn Jahre mit einem Vierfach-Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Poliomyelitis geimpft werden.

Eine spezielle Indikation besteht unter anderem bei Reisen in Regionen, in denen Wild-Polioviren oder vom Impfstoff abgeleitete Viren zirkulieren.

COVID-19: bevorzugt im Spätsommer oder Herbst

Die COVID-19-Impfung bleibt auch in der Saison 2026/2027 ab dem vollendeten sechsten Lebensmonat kostenfrei verfügbar. Die Auffrischungsimpfung wird allen Personen ab zwölf Jahren nahegelegt, die ihr Risiko für einen schweren Verlauf reduzieren möchten. Bevorzugt soll sie nun im Spätsommer oder Herbst erfolgen.

Besonders empfohlen wird die Impfung Personen ab 60 Jahren, Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf sowie Gesundheitspersonal. Die speziellen Indikationen wurden präzisiert und umfassen unter anderem Immundefizienz oder Immunsuppression, onkologische Erkrankungen sowie bestimmte respiratorische, kardiovaskuläre, renale und metabolische Erkrankungen.

In der Saison 2026/2027 können Impfstoffe verwendet werden, die gegen die Varianten LP.8.1 oder XFG gerichtet sind. Laut Impfplan sind beide Varianten immunologisch eng verwandt, weshalb von einer vergleichbaren Schutzwirkung gegen derzeit zirkulierende Varianten ausgegangen wird. Die Verfügbarkeit der jeweiligen Impfstoffe ist online unter impfen.gv.at abzufragen.

Pneumokokken: PCV21 für weitere Risikogruppen

Für Personen zwischen fünf und 60 Jahren ohne spezielle Indikation wird weiterhin keine Pneumokokken-Impfung empfohlen. Ab dem vollendeten 60. Lebensjahr ist eine einmalige Impfung mit dem 21-valenten Konjugatimpfstoff Capvaxive (PCV21) vorgesehen, der im öffentlichen Impfprogramm kostenfrei zur Verfügung steht.

Neu präzisiert wurde die Anwendung bei Personen mit spezieller Indikation: Für sie kann PCV21 bereits ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr empfohlen sein. Das konkrete Vorgehen richtet sich nach dem Alter, möglichen Vorimpfungen und dem individuellen Risiko. Wann nach PCV21 eine weitere Auffrischung erforderlich sein wird, ist derzeit noch nicht bekannt.

RSV: Enflonsia neu zugelassen

Für die passive Immunisierung von Kindern steht im kostenfreien Impfprogramm 2026/2027 weiterhin Beyfortus zur Verfügung. Neu erwähnt wird Enflonsia: Der monoklonale Antikörper wurde im April 2026 in der Europäischen Union zur Prävention von RSV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei Neugeborenen und Säuglingen während ihrer ersten RSV-Saison zugelassen. Enflonsia ist derzeit jedoch nicht Teil des kostenfreien Kinderimpfprogramms. Für 2027 werden Erweiterungen der Indikation angenommen.

Herpes Zoster: Zweite Dosis nachholen

Wurde die zweite Dosis Shingrix versäumt, soll sie laut aktualisiertem Impfplan ehestmöglich nachgeholt werden. Die Impfserie muss auch nach einem längeren Abstand nicht neu begonnen werden.

Reiseimpfungen überarbeitet

Die Kapitel zu Chikungunya, Denguefieber und Tollwut wurden grundlegend überarbeitet. Bei Chikungunya wird derzeit bevorzugt der adjuvantierte Totimpfstoff Vimkunya empfohlen. Das gilt insbesondere für ältere Personen, Menschen mit Grunderkrankungen sowie immungeschwächte oder immunsupprimierte Personen. Ausschlaggebend ist laut Impfplan das vermutlich günstigere Nebenwirkungsprofil im Vergleich zum Lebendimpfstoff Ixchiq.

Beide Impfstoffe werden einmalig verabreicht. Für Ixchiq wurden neutralisierende Antikörper über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren nachgewiesen, für Vimkunya liegen bislang Daten über sechs Monate vor.



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