Dermokosmetik bei Krebstherapie


Sanja Agatic

Symbolbild: Nahaufnahme von einer Frauenhand bei der Verwendung von einem Cremetiegel.
Krebstherapien können die Hautbarriere schwächen und Trockenheit, Rötungen oder Entzündungen auslösen. Eine auf Therpaie und Hautzustand abgestimmte Dermokosmetik kann die Haut begleitend unterstützen.Foto:stock.adobe.com/Pixel-Shot

Eine reichhaltige Creme, etwas Urea und möglichst viel Feuchtigkeit: Was bei trockener Haut sonst gut funktioniert, passt während einer Krebstherapie nicht zwangsläufig. Chemo-, Strahlen-, Immun- und zielgerichtete Therapien können ganz unterschiedliche Hautreaktionen auslösen. Entscheidend ist deshalb nicht nur, dass gepflegt wird, sondern welche Beschwerden auftreten und welche Pflege dazu passt.

Trockene, gespannte Haut gehört zu den häufigen Begleiterscheinungen einer Krebstherapie. Hinzukommen können Juckreiz, Rötungen, schmerzhafte Einrisse, entzündliche Veränderungen oder Probleme an Nägeln und Nagelfalzen. Welche Beschwerden auftreten, hängt wesentlich von der jeweiligen Behandlung ab. Besonders charakteristisch sind Hautreaktionen unter sogenannten EGFR-Hemmern. EGFR steht für Epidermal Growth Factor, also epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor. Er kommt nicht nur auf bestimmten Tumorzellen vor, sondern spielt auch bei der normalen Erneuerung und Funktion der Haut eine Rolle. Arzneimittel wie Cetuximab und Panitumumab sowie die Tyrosinkinasehemmer Erlotinib, Gefitinib oder osimertinib blockieren diesen Signalweg.

Wenn die Haut auf die Therapie reagiert

Die Folge kann ein papulopustulöser Ausschlag sein, der mit roten Papeln und Pusteln vor allem im Gesicht, auf der Kopfhaut sowie am oberen Rumpf auftritt. Optisch erinnert er an Akne, entsteht jedoch durch einen anderen Mechanismus. Andere onkologische Arzneimittel können wiederum ein Hand-Fuß-Syndrom hervorrufen. Typisch sind Rötungen, Brennen, Druckemfpindlichkeit und Schmerzen an Handflächen und Fußsohlen. Bei stärkerer Ausprägung können Schwellungen, Blasen oder Hautablösungen hinzukommen. Bekannt ist die Reaktion beispielsweise unter Capecitabin, 5-Fluorouracil oder pegyliertem liposomalem Doxorubicin. Eine Strahlentherapie verursacht dagegen vor allem Veränderungen innerhalb des bestrahlten Hautareals.

Solche Nebenwirkungen sind nicht bloß ein kosmetisches Problem. Ausgeprägte Hauttoxizitäten können den Alltag erheblich beeinträchtigen und im ungünstigen Fall dazu beitragen, dass eine Krebstherapie unterbrochen, die Dosis reduziert oder die Behandlung angepasst werden muss.

Pflege beginnt bei der Hautbarriere

Ein internationaler Expertenkonsens aus dem Jahr 2023 zur Rolle von Dermokosmetik bei krebsbedingten Hauttoxitäten empfiehlt eine möglichst führ begonnene und konsequente Basispflege. Ziel ist es, Feuchtigkeitsverlust zu begrenzen und die geschwächte Hautbarriere zu unterstützen.

Geeignet sind milde Reinigungsprodukte sowie rückfettende oder feuchtigkeitsspendende Formulierungen. Glycerin bindet Wasser in der Hornschicht, während Ceramide Bestandteile der natürlichen Hautbarriere sind und helfen können, deren Lipistruktur zu untersützen.

Auch Urea findet sich in Empfehlungen für trockene Haut. Der Harnstoff bindet Wasser und kann raue Haut glätten. Auf entzündeter, rissiger oder stark gereizter Haut kann Urea jedoch unangenehm brennen. In diesem Fall sollte nicht einfach weitergecremt, sondern auf eine besser verträgliche Pflege gewechselt werden. Duftstoffe, aggressive Peelings, stark alkoholhaltige Produkte sowie entfettende Reinigungsprodukte sind bei einer geschädigten Hautbarriere dagegen ungünstig. Milde Reinigung, konsequente Rückfettung und möglichst wenig zusätzliche Reizungen stehen im Vordergrund.

EGFR-Hemmer: Wenn der Ausschlag nur wie Akne aussieht

Der Ausschlag unter EGFR-Hemmern verdient besondere Aufmerksamkeit. Obwohl die Veränderunffen an Akne erinnern, ist eine klassische Anti-Akne-Routine mit stark austrockenden Produkten keine gute Wahl. Alkoholhaltige Toner, intensive Säurepeelings oder andere reizende Wirkstoffe können die ohnehin geschädigte Haut zusätzlich belasten. Begleitend treten häufig Xerosis, also eine ausgeprägte Hauttrockenheit, Juckreiz, schmerzhafte Hautrisse und Veränderungen an den Nagelfalzen auf. Die Pflege konzentriert sich deshalb auf Emollienzien, milde Reinigung, konsequenten Sonnenschutz und das Vermeiden zusätzlicher Irritationen.

Wir der Ausschlag ausgeprägt, reicht Dermokosmetik allein nicht aus. Dann kann eine medikamentöse Behandlung notwendig werden. Für die Beratung in der Apotheke ist deshalb wichtig, einen neu aufgetretenen Ausschlag unter EGFR-Therapie nicht wie gewöhnliche Akne zu behandeln.

Wenn Hände und Füße empfindlich werden

Beim Hand-Fuß-Syndrom steht ein anderes Problem im Vordergrund: Die betroffenen Hautstellen werden nicht nur trocken, sondern können so empfindlich und schmerzhaft werden, dass Gehen, längeres Stehen oder das Greifen von Gegenständen schwerfällt. Empfehlungen zu Management therapiebedingter Hauttoxizitäten berücksichtigen deshalb neben der Hautpflege auch die machnische Belastung. Druck, Reibung und Hitze sollten möglichst reduziert werden. Enge Schuhe, lange Spaziergänge bei bereits schmerzenden Fußsohlen oder starke Beanspruchung der Hände können die Beschwerden verstärken.

Rückfettende Pflege kann trockene und verhärtete Haut geschmeidig halten. Bei ausgeprägten Schmerzen, Blasen oder offenen Hautstellen ist jedoch eine medizinische Beurteilung erforderlich.

Für bestrahlte Haut gelten eigene Regeln

Bei einer Strahlentherapie sollte die gewohnte Körperpflege nicht automatisch auf das Bestrahlungsfeld übertragen werden. Eine akute Strahlendermatitis kann zunächst mit einer Rötung beinngen, später können Trockenheit, Abschuppung und schmerzhafte Hautschäden hinzukommen.

Die MASCC-Leitlinie von Behroozian und Kolleg:innen aus dem Jahr 2023 untersuchte verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung der Strahlendermatitis. Für einzelne Interventionen, darunter topische Kortikosteroide wie Mometason oder Betamethason sowie bestimmte Schutzfilme, liegen Daten vor. Für zahlreiche andere Maßnahmen ist die Evidenz dagegen begrenzt oder widersprüchlich.

Gerade deshalb sind pauschale Tipps problematisch. Welche Produkte auf das Bestrahlungsfeld aufgetragen werden dürfen und zu welchem Zeitpunkt, sollte mit dem behandelnden Strahlentherapie-Team abgestimmt werden. Entwickelt sich bereits eine Strahlendermatitis, kann eine medizinische Behandlung notwendig sein.

Wann Dermokosmetik an ihre Grenzen kommt

Starke oder rasch zunehmende Rötungen, ausgeprägte Schmerzen, Blasen, nässende oder offene Hautstellen sowie entzündete Nagelfalze gehören nicht mehr ausschließlich in die kosmetische Beratung. Gleiches gilt für Zeichen einer Infektion oder einen neu auftretenden großflächigen Ausschlag unter Immun- oder zielgerichteter Therapie.



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