Nach einer Gallenblasenentfernung müssen die meisten Medikamente nicht neu dosiert werden. Entscheidend kann vielmehr eine Folge des Eingriffs werden: Gallensäure-Durchfall. Problematisch kann es werden, wenn wegen Gallensäure-Durchfalls Colestyramin eingesetzt wird: Der Wirkstoff bindet im Darm nicht nur Gallensäuren, sondern kann auch die Aufnahme anderer Medikamente wie Levothyroxin, Digoxin oder bestimmter Diuretika beeinträchtigen.
Die Gallenblase ist ein Speicher, keine Produktionsstätte. Auch nach ihrer Entfernung bildet die Leber weiter Gallensäuren. Sie werden nur nicht mehr gesammelt und nach einer Mahlzeit konzentriert ausgeschüttet, sondern gelangen kontinuierlicher in den Dünndarm. Für die Arzneimitteltherapie bedeutet das zunächst wenig. Eine Cholezystektomie allein ist kein Grund, Blutdrucktabletten, Schilddrüsenhormone oder Schmerzmittel vorsorglich anders zu dosieren.
Paracetamol: Effekt direkt nach der Operation
Anders sieht es unmittelbar nach dem Eingriff aus. Eine Untersuchung mit oralem Paracetamol zeigte sechs und zwölf Stunden nach einer laparoskopichen Cholezystektomie eine verminderte Bioverfügbarkeit. Nach 24 Stunden war sie wieder auf dem Ausgangsniveau. Der Befund spricht für einen kurzfristigen postoperativen Effekt, etwa durch veränderte Magen-Darm-Motilität und nicht dafür, dass Paracetamol ohne Gallenblase dauerhaft schlechter aufgenommen wird.
Wenn Gallensäuren Durchfall auslösen
Mehr Bedeutung für die Dauermedikation hat ein anderes Problem. Nach einer Cholezystektomie können Gallensäuren vermehrt in den Dickdarm gelangen. Dort fördern sie die Abgabe von Wasser und Elektrolyten und können anhaltend wässrige Durchfälle verursachen. In einer Metaanalyse hatten rund 70 Prozent der untersuchten Patientinnen und Patienten mit chronisch wässrigem Durchfall nach Cholezystektomie eine nachgewiesene Gallensäure-Diarrhö. Die Zahl gilt ausdrücklich für diese bereits symptomatische Gruppe und nicht für alle Menschen nach Gallenblasenentfernungen.
Colestyramin bindet nicht nur Gallensäuren
Behandelt werden kann eine Gallensäure-Diarrhö unter anderem mit Colestyramin. Der Wirkstoff bindet Gallensäuren im Darm und verhindert damit deren reizende Wirkung im Dickdarm. Genau diese Bindungseigenschaft kann jedoch bei anderen Arzneimitteln zum Problem werden. Zu den beschriebenen Wechselwirkungen zählen unter anderem Levothyroxin, Warfarin, Hydrochlorothiazid, Furosemid, Digoxin und Tetracycline. Werden sie zeitgleich mit Colestyramin eingenommen, kann ihre Aufnahme sinken.
Levothyroxin ist ein besonders relevantes Beispiel
Bei Levothyroxin ist die Wechselwirkung gut belegt. Colestyramin kann das Schilddrüsenhormon im Darm binden, sodass weniger Wirkstoff aufgenommen wird. Das ist klinisch relevant, weil Levothyroxin bereits in niedrigen Dose im Mikrogrammbereich eingesetzt wird und Veränderungen der Resorption den TSH-Wert beeinflussen können.
Wer nach einer Cholezystektomie wegen Gallensäure-Durchfalls einen Gallensäurebinder erhält und gleichzeitig Levothyroxin einnimmt, sollte deshalb auf einen ausreichenden Einnahmeabstand achten. Bei Colestyramin wird für viele Arzneimittel typischerweise empfohlen, sie mindestens eine Stunde vorher oder vier bis sechs Stunden danach einzunehmen. Dasselbe gilt grundsätzlich auch für andere Medikamente, die durch den Binder schlechter aufgenommen werden können.
Nicht vorsorglich die Dosis verändern
Für die Praxis bedeutet das: Die fehlende Gallenblase selbst verlangt erfordert in der Regel keine Anpassung der Dauermedikation. Relevant wird die Arzneimittelberatung, wenn anhaltende Durchfälle auftreten und dafür ein Gallensäurebinder verordnet wird.
