Wenn Kaffee Medikamente verstärkt


Sanja Agatic

Symbolbild: Zwei Kaffeetassen und ein paar zusammen geschobene Kaffeebohnen auf einem gelben Untergrund.
Nicht immer ist das Medikament allein verantwortlich: Auch Kaffee kann zu verstärkten Nebenwirkungen beitragen.Foto:stock.adobe.com/Pixel-Shot

Die morgendliche Tasse Kaffee gilt für viele Menschen als fester Bestandteil des Tages. Doch während Kaffee bei manchen Arzneimitteln die Aufnahme behindern kann, passiert bei anderen genau das Gegenteil: Die Wirkung wird verstärkt oder Nebenwirkungen treten häufiger auf. Verantwortlich dafür ist meist nicht der Kaffee selbst, sondern das enthaltene Koffein.

Koffein wirkt anregend auf das zentrale Nervensystem, erhöht Wachheit und kann Herzfrequenz sowie Blutdruck beeinflussen. Seine Wirkung beruht auf einer Hemmung der Adenosin-Rezeptoren im zentralen Nervensystem. Werden Medikamente eingenommen, die ähnliche Effekte haben oder den Abbau von Koffein verändern, kann sich daraus eine unerwartet starke Wirkung ergeben.

Doppelte Stimulation für das Nervensystem

Besondere Aufmerksamkeit verdienen ADHS-Medikamente wie Methylphenidat oder Lisdexamfetamin. Diese Arzneistoffe steigern die Aktivität bestimmter Botenstoffe im Gehirn und fördern Konzentration sowie Aufmerksamkeit. Koffein wirkt ebenfalls stimulierend. Werden beide Substanzen kombiniert, können sich ihre Effekte addieren. Mögliche Folgen sind Nervosität, Zittern, Herzrasen oder Schlafprobleme. Nicht jede betroffene Person reagiert gleich empfindlich, dennoch sollten Patient:innen auch mögliche Veränderungen achten.

Theophyllin und Koffein: Chemische Verwandte

Theophyllin und Koffein gehören beide zur Gruppe der Methylxanthine und weisen ähnliche pharmakologische Eigenschaften auf. Werden sie gleichzeitig konsumiert, können sich ihre stimulierenden Effekte auf Herz-Kreislauf-System udn zentrales Nervensystem addieren. Dadurch steigt das Risiko für Nebenwirkungen wie Nervosität, Herzklopfen, Zittern oder Schlafstörungen.

Vorsicht bei Erkältungsmitteln

Viele rezeptfreie Erkältungspräparate enthalten Wirkstoffe wie Pseudoephedrin. Diese verengen Blutgefäße und wirken anregend. Wird zusätzlich viel Kaffee konsumiert, können Herzfrequenz und Blutdruck stärker ansteigen. Manche Betroffene fühlen sich dann ungewöhnlich nervös oder „aufgedreht“, obwohl sie das Präparat korrekt angewendet haben.

Wenn Koffein länger im Körper bleibt

Ein klassisches Beispiel ist das Antibiotikum Ciprofloxacin. Der Wirkstoff hemmt ein Leberenzym (CYP1A2), das am Abbau von Koffein beteiligt ist. Dadurch verbleibt Koffein länger im Körper und seine Wirkung hält stärker und länger an. Betroffene berichten teilweise über Nervosität, Herzklopfen, Schlafstörungen oder innere Unruhe, obwohl sie nicht mehr Kaffee als sonst getrunken haben. Die Ursache liegt damit nicht in der Kaffeemenge, sondern im verlangsamten Koffeinabbau.

Ähnliches gilt für Fluvoxamin, einen Wirkstoff aus der Gruppe der Antidepressiva. Auch hier kann der Koffeinabbau deutlich verlangsamt durch das Enzym CYP1A2 werden, wodurch bereits wenige Tassen Kaffee stärker wirken als gewohnt. Auch orale Kontrazeptiva können durch einen verzögerten Abbau in der Leber die Halbwertszeit von Koffein verlängern.

Schmerzmittel: Wirkung gezielt verstärkt

Bei einigen Schmerzmitteln wie Paracetamol, Ibuprofen oder Acetylsalicylsäue (ASS) kann Koffein die schmerzlindere Wirkung unterstützen. Dieser Effekt wird in einigen Kombinationspräparaten gezielt genutzt und sie enthalten deshalb bereits Koffein.



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