Milchschorf oder Kopfgneis?


Sanja Agatic

Smybolbild: Die Kopfhaut eines Säuglings mit gelblichen Schuppen.
Gelbliche Schuppen auf der Kopfhaut sind bei Säuglingen häufig. Ob Kopfgneis oder Milchschorf vorliegt, lässt sich oft bereits anhand des Zeitpunkts des Auftretens, des Juckreizes und des Erscheinungsbildes unterscheiden. Foto:stock.adobe.com/Mariya Surmacheva

Gelbliche Schuppen auf der Kopfhaut eines Babys sorgen bei vielen Eltern für Unsicherheit. Was auf den ersten Blick ähnlich aussieht, kann unterschiedliche Ursachen haben und nicht jede Veränderung erfordert dieselbe Behandlung. Vor allem Milchschorf und Kopfgneis werden häufig verwechselt.

Ob gelbliche Krusten oder feine Schuppen, auf den ersten Blick sehen sich Milchschorf und Kopfgneis erstaunlich ähnlich. Es handelt sich jedoch um zwei unterschiedliche Hauterkrankungen. Kopfgneis ist die deutlich häufigere Variante. Er tritt meist bereits in den ersten Lebenswochen auf und gilt als Form der infantilen seborrhoischen Dermatitis. Typisch sind gelblich-fettige, fest haftende Schuppen auf der Kopfhaut, manchmal auch an Augenbrauen oder hinter den Ohren. Die Hautveränderung juckt in der Regel nicht und verschwindet meist innerhalb weniger Wochen oder Monate von selbst. Als Ursache werden unter anderem eine vorübergehend erhöhte Aktivität der Talgdrüsen sowie Hefepilze der Gattung Malassezia diskutiert.

Der Zeitpunkt liefert oft den entscheidenden Hinweis

Milchschorf zeigt sich meist deutlich später, häufig erst ab dem dritten Lebensmonat. Die Krusten wirken trockner, sind fester mit der Haut verbunden und gehen oft mit ausgeprägtem Juckreiz einher. Viele Säuglinge reiben den Kopf an der Matratze oder wirken unruhig, weil die Haut stark juckt. Dermatologinnen und Dermatologen sehen Milchschorf zudem nicht nur als Hautveränderung, sondern häufig als frühes Anzeichen einer atopischen Veranlagung. Das bedeutet nicht, dass jedes betroffene Kind später eine atopische Dermatitis entwickelt. Das Risiko für Erkrankungen aus dem sogenannten atopischen Formenkreis ist jedoch erhöht. Dazu zählen neben der Neurodermitis auch Asthma und allergische Rhinitis.

Unterschiedliche Behandlungen

Gerade weil sich beide Hautveränderungen ähneln, werden sie häufig gleichbehandelt – das ist nicht immer sinnvoll. Bei Kopfgneis reicht meist eine schonende Pflege aus. Die Schuppen können mit einem geeigneten Öl oder speziellen Präparaten aufgeweicht und anschließend vorsichtig mit einer weichen Bürste gelöst werden. Gewaltiges Abkratzen ist tabu, weil dadurch kleine Hautverletzungen entstehen können, die das Risiko für Infektionen erhöhen. Für viele der empfohlenen Behandlungen ist die wissenschaftliche Evidenz allerdings begrenzt. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass bislang keine Therapie ihre Überlegenheit eindeutig belegen konnte.

Bei Milchschorf steht dagegen die Behandlung der entzündlichen Hautveränderung im Vordergrund. Welche Therapie infrage kommt, hängt von Ausprägung und Beschwerden ab und sollte ärztlich beurteilt werden.

Breiten sich die Hautveränderungen rasch aus, nässen sie, bilden sich Risse oder scheint das Baby unter starkem Juckreiz zu leiden, sollte die Ursache kinderärztlich oder dermatologisch abgeklärt werden. Das gilt auch, wenn die Veränderungen nicht auf die Kopfhaut beschränkt bleiben oder sich trotz sorgfältiger Pflege verschlimmern.



Newsletter

Bleiben Sie stets informiert!