Die Sonne lockt nach draußen, doch das Wissen über den richtigen Sonnenschutz weist weiterhin Lücken auf. Eine österreichweite Aktionswoche mit kostenlosen Hauttyp-Analysen in Apotheken zeigte, dass mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden ein erhöhtes Sonnenrisiko aufweisen, ohne sich dessen bewusst zu sein.
Wer eine Sonnencreme kauft, sucht oft mehr als nur einen Lichtschutzfaktor. Fragen zum eigenen Hauttyp, zu Pigmentflecken, Medikamenten und deren Einfluss auf die Lichtempfindlichkeit oder zum richtigen Verhalten in der Sonne gehören mittlerweile zum Beratungsalltag vieler Apotheken. Genau hier setzte die Aktionswoche „Sonnenschutz“ des Gesundheitsnetzwerks Goldenes Kreuz an. In Partnerapotheken wurden kostenlose Hauttyp-Analysen durchgeführt, bei denen neben dem Hauttyp auch individuelle Risikofaktoren und Hautauffälligkeiten erhoben wurden.
Die Aktion wurde von 18. bis 23. Mai über das Netzwerk der Partnerapotheken des Gesundheitsnetzes Goldenes Kreuz abgewickelt. Insgesamt nahmen 37 Apotheken an der Aktion teil. Der Großteil der Betriebe stammte aus Wien, ergänzt durch drei Apotheken in Niederösterreich und vier im Burgenland. Ziel war es die Hautkrebsprävention direkt in den Apothekenalltag zu bringen und für die Bevölkerung niederschwellig zugänglich zu machen.
Das Risiko wir häufig unterschätzt
Die Ergebnisse der Aktion überraschten selbst die Organisatoren. Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer:innen wurden den Hauttypen I oder II zugeordnet und gelten damit besonders sonnenempfindlich. Gleichzeitig berichtete knapp jede fünfte Person von Hautkrebsfällen in der Familie. „Ich war wirklich überrascht über das Ergebnis. Ich hätte mein Risiko geringer eingeschätzt“, sagte eine junge Frau, die spontan am Hautanalyse-Test teilgenommen hat.
„Dies passt zu unseren Erfahrungen“, bestätigt auch Krebshilfe Österreich-Geschäftsführerin Mag. Martina Löwe. „Unter den Jungen ist das Bewusstsein erfreulicherweise höher ausgeprägt, aber trotzdem kennen viele Menschen ihren persönlichen Hauttyp nicht. Daher sind Aufklärungs-Aktionen wie diese […] so wichtig.“
Apotheke als erste Anlaufstelle
Gerade bei Hautthemen wenden sich viele Menschen zunächst an die Apotheke. Das reicht von Fragen zur Wahl des passenden Lichtschutzfaktors bis hin zu Unsicherheiten bezüglich Medikamente, die die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung machen können.
Mag. Simon Job, Mitinhaber der Essenz Apotheken und Konzessionär der Essenz Apotheke Mariahilf erklärt dazu aus der Praxis: „Viele Menschen sind verunsichert und kommen mit zahlreichen Fragen in die Apotheke: Wie wird der Hauttyp exakt bestimmt? Welche Risikofaktoren müssen beachtet werden? Welchen Einfluss haben bestimmte Medikamente oder Präparate? Und was braucht es, um oxidativem Stress und Hautalterung sowie Zellschäden vorzubeugen.“ „Diese Zusammenhänge sind für Laien nicht ganz einfach einzuschätzen“, fügt er hinzu.
Mythen halten sich hartnäckig
Trotz zahlreicher Informationskampagnen bestehen weiterhin Fehlannahmen rund um das Thema Sonne. Nach Einschätzung der Österreichischen Gesellschaft vom Goldenen Kreuz (ÖGGK) wird Sonnenschutz nach wie vor häufig unterschätzt oder nicht konsequent angewendet. „Auch wir wissen, dass das Bewusstsein für Sonnenschutz hierzulande zu gering ausgeprägt ist“, betont Mag. Erika Sander, Generalsekretärin der ÖGGK. „Es halten sich Mythen, wie etwa, dass Sonnenbräune vor Schäden vorbeugt. Und viele verwenden viel zu wenig Sonnenschutz.“
In Folge müssen in Österreich jährlich rund 3.500 bis 4.400 Menschen aufgrund akuter Hitzeschäden und intensiver Sonneneinstrahlung ärztlich behandelt werden. Und jede:r Vierte holt sich im Sommer zumindest einen Sonnenbrand.
Dabei beschränkt sich wirksamer Sonnenschutz nicht ausschließlich auf Sonnencremes. Dermatologin Dr. Alma Kaenica betont, dass auch Kleidung, Kopfbedeckung, Sonnenbrillen und die Vermeidung von Sonnenbränden wichtige Bestandteile eines umfassenden Schutzkonzepts sind. „[…] die Haut vergisst nichts, und alle Jugendsünden bekommen wir später präsentiert“, betont sie.
Für Apotheken zeigt die Aktionswoche vor allem eines: Aufklärung bleibt ein zentraler Bestandteil der Beratung. Denn während ein Sonnenbrand nach wenigen Tagen abheilt, können UV-Schäden langfristige Folgen haben. Die Ergebnisse der Hauttyp-Analysen machen deutlich, dass viele Menschen ihr persönliches Risiko noch immer unterschätzen.
APA/OTS
