Arztpraxis in Wien-Favoriten versiegelt: Behörden decken massive Missstände auf


Redaktion

Die Arztpraxis von außen. Zwei Siegel verschließen die Türe auf der "Röntgen" steht.
Unerlaubtes Praktizieren: Von Botox-Behandlungen bis hin zu Beschneidungen und Schwarzarbeit wurden zahlreiche Missstände aufgedeckt. Die Ärztekammer unterstreicht, dass es sich ausdrücklich nicht um eine ärztliche Ordination gehandelt hat.Gruppe Sofortmaßnahmen

Abgelaufene Arzneimittel, gravierende Hygienemängel und der Verdacht auf unerlaubte ärztliche Behandlungen: Bei einer Schwerpunktkontrolle in einer Arztpraxis in Wien-Favoriten stießen die Behörden auf zahlreiche Missstände. Ein Mann soll dort weiterhin Patient:innen behandelt haben, obwohl er seit mehr als zehn Jahren nicht mehr zur Berufsausübung berechtigt ist. Die Ordination wurde daraufhin behördlich versiegelt.

Im Rahmen der Kontrolle verdichtete sich der Verdacht, dass ein Mann weiterhin Patient:innen medizinisch behandelt haben soll, obwohl er keine Berechtigung zur Ausübung des Arztberufs besitzt.

Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, hält fest: „Der betreffenden Person wurde bereits vor mehr als zehn Jahren die Berechtigung zur Ausübung des ärztlichen Berufs entzogen.“ Die Kammer unterstreicht in diesem Zusammenhang, dass es sich also ausdrücklich nicht um eine ärztliche Ordination gehandelt hat.

Botox, Beschneidungen und Schwarzarbeit

Das Angebot reichte von Botox-Behandlungen bis hin zu Beschneidungen. Zudem soll er den Arztstempel eines anderen, erst seit Kurzem an diesem Standort niedergelassenen Arztes missbräuchlich verwendet haben. Darüber hinaus gab es einen Fall von Schwarzarbeit sowie einen unrechtmäßigen Bezug von Leistungen aus der Wiener Mindestsicherung.

An der Kontrolle der Wiener Arztpraxis waren die MA 6 (Erhebungs- und Vollstreckungsdienst), die MA 15 (Gesundheitsdienst), die MA 40 (Sozialamt), die Landespolizeidirektion Wien, die Ärztekammer für Wien sowie die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) beteiligt.

Die ärztliche Qualitätssicherung und die Evaluierung der Ordinationen stellen für die Ärzteschaft im niedergelassenen Bereich eine Berufspflicht dar. „Als Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien setzen wir alles daran, dass die festgelegten Qualitätsstandards eingehalten werden,“ versichert Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Kurienobfrau der niedergelassenen Ärzte der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien.

Arzneimittel wurde im Wartezimmer aufbewahrt und waren somit frei zugänglich. Gruppe Sofortmaßnahmen

Abgelaufene Medikamente und Sicherheitsmängel

Neben gravierenden Hygienemängeln in der Praxis für Allgemeinmedizin wurden abgelaufene Medikamente und Spritzen sowie bereits geöffnete und nicht fachgerecht gelagerte Medikamentenfläschchen vorgefunden. Außerdem wurden Medikamente entdeckt und beschlagnahmt, die nicht in der EU zugelassen sind. Besonders bedenklich war die Aufbewahrung von Arzneimitteln in einem unversperrten Rollcontainer im Wartebereich, wodurch diese für anwesende Personen frei zugänglich waren.

Besonders alarmierend waren die massiven Mängel bei der medizinischen Sicherheit: Die vorgeschriebene Notfallausrüstung fehlte gänzlich, für mehrere medizinische Geräte, darunter ein Elektrokardiogramm (EKG), konnten keine Überprüfungsnachweise vorgelegt werden. Zusätzlich wurden bedenkliche elektrische Verkabelungen und teilweise aus der Wand gerissene Steckdosen festgestellt.

Zahlreiche Anzeigen

Seitens des Magistrats wurden eine Vielzahl an Anzeigen nach dem Ärztegesetz gelegt. Die Wiener Polizei erstattete Anzeigen wegen des Verdachts des schweren Betrugs. Aufgrund der Vielzahl und Schwere der festgestellten Missstände wurde die gesamte Ordination behördlich versiegelt und die Türschlösser der Ordination ausgetauscht.

Walter Hillerer, Leiter der Gruppe Sofortmaßnahmen der Stadt Wien, sagt: „Ärztinnen und Ärzte leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie genießen das Vertrauen der Menschen, weil es um das Wertvollste geht, das wir haben: unsere Gesundheit. Wenn Menschen medizinische Hilfe suchen, müssen sie sich darauf verlassen können, in sicheren Händen zu sein.“

Er fügt hinzu: „Dieses Vertrauen ist das Fundament unseres Gesundheitssystems und darf niemals missbraucht werden.“

OTS



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