ÖGK zeigt Wiener Gynäkologen an: Vorwürfe zu Doppelabrechnungen und Fehlverhalten


Sanja Agatic

Symbolbild: Logo der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK vor einem Bürogebäude.
Gegen den Gynäkologen kommt es derzeit zu Ermittlungen aufgrund von Beschwerden und des Vorwurfs unzulässiger Abrechnungen.AdobeStock_523320956/ZIHE

Jahrelang sollen Beschwerden kaum Konsequenzen gehabt haben. Nun steht ein Wiener Gynäkologe zunehmend im Fokus von Ermittlungen, Medienberichten und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Der Vorwurf: mutmaßliche Doppelabrechnungen, nicht erbrachte Leistungen und ein Umgang mit Patientinnen, den Betroffene als übergriffig, einschüchternd und entwürdigend schildern.

Mehrere Patientinnen gaben an, dass Untersuchungen bei der ÖGK verrechnet worden seien, die nach ihren Aussagen nie durchgeführt wurden. Im Raum stehen dabei unter anderem Koloskopien sowie Ultraschalluntersuchungen. Besonders brisant: Zwei Frauen sollen laut ihren ÖGK-Leistungsinformationen festgestellt haben, dass ein Ultraschall sowohl privat bezahlt als auch zusätzlich mit der Kasse verrechnet wurde. Die ÖGK stellte klar, dass eine Leistung nicht gleichzeitig privat und über die Krankenkasse abgerechnet werden dürfe.

Die Vorwürfe führten mittlerweile zu weitreichenden Konsequenzen. Die ÖGK will dem Frauenarzt den Kassenvertrag mit Ende Juni 2026 kündigen. Gegen diese Kündigung legte der Arzt Einspruch ein. Parallel dazu wurde auch eine Anzeige eingebracht, die derzeit von der Staatsanwaltschaft geprüft wird.

Ermittlungen wegen Betrugsverdachts

Inzwischen wird offiziell wegen Betrugsverdachts ermittelt. Zusätzlich wird geprüft, ob eine Verletzung des Berufsgeheimnisses vorliegen könnte. Hintergrund ist unter anderem ein früherer Fall, bei dem der Arzt die Erkrankung einer Patientin online öffentlich gemacht haben soll. Dafür wurde er bereits von der Datenschutzbehörde zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Schilderungen betroffener Frauen gehen jedoch über die Abrechnungsthematik hinaus. Patientinnen berichteten von beleidigenden Aussagen, Drucksituationen und herablassendem Verhalten während Untersuchungen. Eine Frau schilderte in einem Interview mit dem Magazin Dossier, sie sei bei ihrem ersten Besuch unter emotionalem Druck zu einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch gedrängt worden, obwohl sich später herausgestellt habe, dass gar keine Schwangerschaft vorlag.

Kritik an Ärztekammer

Auch die Ärztekammer gerät zunehmend unter Druck. Kritik gibt es vor allem medial daran, dass trotz zahlreicher Beschwerden lange keine sichtbaren Konsequenzen folgten. Das Gesundheitsministerium kündigte inzwischen an, Disziplinarakten anzufordern und den Umgang mit Patientinnen Beschwerden genauer zu prüfen. Diskutiert werden außerdem strengere Kontrollmechanismen und mehr Transparenz bei Verfahren gegen Ärztinnen und Ärzte.

Der betroffene Frauenarzt weist sämtliche Vorwürfe zurück. Sein Anwalt erklärt, sein Mandant habe sich nicht zuschulden kommen lassen. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.



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